Schöftland
In den Einkaufstaschen der Marktbesucher steckt viel Knoblauch

Beim Marktbummel Bekannte zu treffen ist weit wichtiger, als ein grosses Schnäppchen zu machen. Die Chnobliwurst scheint aber bei vielen Besuchern nicht fehlen zu dürfen.

Peter Weingartner
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Kopie von Markt in Schöftland
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Wer bietet mehr.
Würste wärmen.
Darya geniesst Markt und Gipfeli.
Auch Jugendliche bieten bei der Handyversteigerung.

Kopie von Markt in Schöftland

Peter Weingartner

Die Marktbesucher rücken nicht mit grossen Einkaufstaschen an. Und wer eine Einkaufstasche auf zwei Rädern hinter sich her schleppt, tut dies, um seinen Rücken zu schonen. Dennoch: Die Marktfahrer möchten etwas verkaufen. Trotz niedrigen Standgebühren in Schöftland sollte etwas laufen.

Und es läuft etwas! Viel Volk ist da, und Gebühreneintreiber Roger Maurer ist erstaunt über den Aufmarsch bereits am Vormittag. Viele Beine sind unterwegs auf der Dorfstrasse, doch niemand hat einen Einkaufszettel dabei. Man lässt sich treiben, auf und ab.

«Ich habe einen Glubschi gekauft, Schminkzeug und Süssigkeiten», sagt die sechsjährige Sarah Aeschlimann. Kuscheltiere mit Kulleraugen sind nicht Vater Ruedis Ding. Er hat bei der Chnobliwurst zugeschlagen: «Tradition; ich kaufe sie seit Jahren am gleichen Stand.» Auch Socken gehören zu seinen Markteinkäufen. Anderer «Plunder» interessiere ihn nicht, sagt er.

Marktbatzen für die Enkel

Auf dem Marktbummel strassauf strassab riechts hier nach gebrannten Mandeln und Magenbrot, dort nach Marroni und da nach Chnoblibrot. An Letzterem tun sich auch die Hunzikers aus Moosleerau gütlich. In ihrem Plastiksack sind ausserdem die Ergebnisse ihres Beutezugs in der Kinderkleiderbörse zu erkennen: Briobahn, Puzzle, Bücher. «Der Winter kommt wohl doch, den Kappen nach zu urteilen, die feilgeboten werden», raunt ein Marktbummler seiner Frau zu.

Weder Kappe noch Tasche trägt der ehemalige Schöftler Gemeindeammann Hans Müller. Er erwartet seine Enkelkinder: «Ein Märtbatzen für die Kinder gehört zum Markt.» Inzwischen wirds vielleicht ein Nötli sein. Er geniesst die Stimmung wie Cäcilia und Jürg Hermann aus Triengen. Auch sie stehen auf Chnobliwurst, dazu Chnoblibrot und Magenbrot. Nicht gleichzeitig. Und «handgestrickte Socken» habe sie gekauft, sagt Cäcilia Hermann.

Flanieren statt kaufen

Auf die Weihnachtsmärkte hofft eine Marktfahrerin mit selbst gemachten Taschen, die «mindestens acht Jahre halten». Die Leute gehen vorbei; kaum jemand schaut genauer hin. Stundenlohn? «Eine Putzfrau hat einen höheren als ich», sagt sie leicht frustriert.

Die Fankhausers, nun in Bottenwil zu Hause, treffen mitten auf der Strasse ihre ehemaligen Nachbarn. Genau darum geht es. Und am Märtabend wird beim Bahnhof ohne Kinder bis in die Morgenstunden exzessiv dem Alkohol zugesprochen. Auch das ist Tradition.

Der Koffer bleibt zu

Der Bahnhof ist tagsüber Schauplatz des Verkaufs von Sachen, die in der WSB liegengeblieben sind: Dutzende von Schirmen, auch Kleider und Bücher. Zwei Velos und 15 Smartphones kommen unter den Hammer und als Premiere ein voller Koffer unbekannten Inhalts. Urs Steiner aus Schlossrued ersteigert ihn, ohne zu wissen, was er enthält. Spielt auch keine Rolle; der stabile Koffer wäre auch leer ein Schnäppchen.

Was ist denn drin? Steiner hat keine Ahnung und will das Geheimnis auch nicht hier, mitten auf der Strasse lüften. Er wolle ihn erst zu Hause öffnen. «Sturkopf», lacht seine Begleiterin.