Die junge Frau klatscht mit ihrem Verteidiger ab, sobald die beiden den Gerichtssaal verlassen haben.

In knapp 50 Minuten hat sie gut 6000 Franken gespart. Für die 26-jährige Büroangestellte, nennen wir sie Donjeta, hat es sich deshalb gelohnt, einen Strafbefehl nicht zu akzeptieren. Statt gegen 11 000 Franken muss sie nun 4600 Franken bezahlen. Auch das ist kein Pappenstiel, doch mit familiärer Unterstützung tragbar. Das Urteil jedenfalls freut sie.

Delikte unbestritten

Dass sie gehörig Mist gebaut hat, als sie vor gut einem Jahr in Oberkulm geblitzt wurde, bestreitet sie nicht. Nicht nur war Donjeta zu schnell unterwegs, mit 75 statt höchstens 50 km/h. Sie tat dies, obwohl ihr der Führerausweis entzogen worden war. Sie ist einschlägig vorbestraft: zu schnell fahren, zu nahe aufschliessen, Kollision mit einer Barriere. Eine früher bedingt ausgesprochene Geldstrafe wird zwingend fällig, denn die junge Frau ist innerhalb der Probezeit erneut straffällig geworden. Das wird nicht bestritten. Es geht allein um die Höhe des Strafmasses.

Und so schildert Donjeta den teuren Tag: Sie hatte verschlafen und keine Chance mehr, den Zug aus dem Wynental zu ihrem Arbeitgeber im bernischen Oberaargau zu erreichen. Dabei stand an diesem Tag, so erzählt sie, eine Auto-Auslieferung an. Also nahm sie Mutters Auto und wurde auf dem Weg zur Arbeit bei ihrem Arbeitgeber, einem Autohändler, bereits in Oberkulm geblitzt. Gerichtspräsident Christian Märki: «Eine vorsätzliche Tat.» Er meint das Autofahren ohne Führerausweis. Was bewegt ihn dennoch dazu, das Strafmass massiv zu reduzieren?

Willkürliches Strafmass?

Es geht um die Zahl der Tagessätze und die Höhe derselben, die als Geldstrafe geschuldet sind. Der Gerichtspräsident reduziert die Tagessätze von 140 – dies das Mass der Staatsanwaltschaft – auf deren 110. Der Verteidiger hatte 90 Tagessätze beantragt und das Strafmass der Staatsanwaltschaft als «willkürlich» bezeichnet. Was die Höhe der Tagessätze angeht, folgt Märki dem Verteidiger: bloss noch 30 Franken statt 70, wie die Staatsanwaltschaft entschieden hatte. Märki berücksichtigt das Einkommen der Beschuldigten. Sie verdient in ihrem 60-Prozent-Pensum 2800 Franken monatlich brutto.

Donjeta muss also 3300 Franken bezahlen. Dazu kommen die Verfahrenskosten von 1300 Franken. Sie scheint begriffen zu haben. «Es wird nicht mehr vorkommen», sagt sie am Ende der Gerichtsverhandlung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat die Möglichkeit, den Fall weiterzuziehen.