Bildungsstätten
Im Wynental bekriegen sich die Bezirksschulen

Mehrere Gemeinden erheben schwere Vorwürfe: Wird der Standort Unterkulm durch die Kreisschule Homberg ausgehungert?

Rahel Plüss
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Der Bezirksschulstandort in Unterkulm ist gefährdet. Im nächsten Sommer fehlen 10 Schüler, um die erste Bez in zwei Klassen führen zu können.

Der Bezirksschulstandort in Unterkulm ist gefährdet. Im nächsten Sommer fehlen 10 Schüler, um die erste Bez in zwei Klassen führen zu können.

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Für die Bezirksschule Unterkulm wirds mehr als nur eng. Um nach den neuen kantonalen Vorgaben zu überleben, muss eine Oberstufe spätestens ab Schuljahr 2021/22 mit zwei Klassen pro Jahrgang geführt werden. Die minimale Klassengrösse ist bei 18 Schülern festgesetzt. Für kommenden Sommer haben sich an der Bez Unterkulm gerade mal 26 Schüler angemeldet – zu wenige, um zwei Klassen zu bilden. Der Bezirksschulstandort im mittleren Wynental ist akut gefährdet. Es fehlen 10 Schüler.

Die Gemeinden der Kreisschule Mittleres Wynental – das sind Unterkulm, Oberkulm und Teufenthal – geben die Schuld an der tiefen Schülerzahl unter anderem der Kreisschule Homberg (Reinach). In einem Mediencommuniqué beklagen sie die mangelnde Kooperationsbereitschaft bei der Verteilung der Schüler auf die Bezirksschulen im Tal – mehr noch, sie werfen ihrer Nachbarin gar vor, den Standort Unterkulm auszuhungern.

Worum geht es? Gemäss Mitteilung könnte die Kreisschule Mittleres Wynental nächstes Schuljahr zwei Bezirksschulklassen führen, wenn zusätzliche 10 Schüler zum Schulbesuch in der Bezirksschule Unterkulm motiviert würden. Infrage kämen Schüler aus den Gemeinden Zetzwil und Gontenschwil. Diese seien zwar der Kreisschule Homberg angeschlossen, hätten aber traditionellerweise immer wieder Schüler nach Unterkulm geschickt. In Absprache zwischen den Kreisschulen respektive den betroffenen Gemeinden habe man beschlossen, den Schülern aus Gontenschwil und Zetzwil Wahlfreiheit betreffend Schulort zu gewähren. «Diese Entscheide (Zetzwil: März 2017; Gontenschwil: November 2016) erfolgten in der Absicht, keine Oberstufenschule zu schwächen und eine intakte Schullandschaft aufrecht zu erhalten, jedoch ohne der einen oder der anderen Kreisschule einen Vorrang zu geben», heisst es weiter.

Reinach handelt eigenmächtig

Nun hatten die Schüler der beiden Gemeinden doch keine Wahl. In einem Elternbrief, der der az vorliegt, sprach die Kreisschule Homberg den Schülern von Zetzwil und Gontenschwil eigenmächtig ihre Wahlfreiheit ab, um sie nach Reinach zu lotsen. «Ortsschulpflege und Gemeinderat haben nichts davon gewusst», sagt Renate Gautschy, Gemeindeammann von Gontenschwil, auf Anfrage, und macht aus ihrem Ärger keinen Hehl. «Es wird eng mit den Bezschülern und das nutzt Reinach aus.» Die Kreisschule Homberg habe die Schüler von Zetzwil und Gontenschwil einfach dazugezählt, damit ihr der Kanton drei Abteilungen bewillige – was auch geschehen sei. «Sie haben in Eigenkompetenz entschieden», so Gautschy, «das geht nicht.»

Für die Gemeinden im mittleren Wynental ist klar: Hier werden Abmachungen untergraben. Würden sich die Bezirksschulstandorte im Tal nämlich absprechen, so die Argumentation, würde die Gesamtzahl von 98 Bezschülern ohne weiteres fünf Klassen mit je 19 bis 20 Schülern ermöglichen. Aber genau das hat Reinach nicht getan. «Daraus wird ersichtlich», heisst es weiter, «dass die Kreisschule Homberg partielle Eigeninteressen (Ausbau des eigenen Standortes/finanzielle Interessen) dem regionalen Gedanken der Zusammenarbeit – wie er bei anderen Projekten immer wieder gepriesen wird – voranstellt. (...) Der Verlust des Bezirksschulstandortes im mittleren Wynental wird ohne zu Zögern in Kauf genommen.»

Fall gibt weiterhin zu reden

Happige Vorwürfe an die Adresse der Kreisschule Homberg. In Reinach stellt man sich auf den Standpunkt, dass es ja noch nicht so weit sei. «Bis ins Schuljahr 2021/2022 können, nach den jetzigen Vorgaben, Bezirksschulklassen einklassig geführt werden, ohne dass der Bezirksstandort gefährdet ist», so Bruno Rudolf (SVP). Der Reinacher Vizeammann ist Präsident des Kreisschulrats Kreisschule Homberg. Ausserdem habe die Gemeinde Zetzwil den Entscheid, die Wahlfreiheit wieder einzuführen, sehr kurzfristig gefällt. «Die Kreisschule Homberg hat sich einzig und alleine an die Vorgaben des Kantons gehalten, und ist gerne bereit, unter Federführung des Kantons, die Zuteilungen der Bezirksschulen Menziken, Reinach und Unterkulm im Interesse der Schüler und Steuerzahler nochmals zu diskutieren.»

Zu Reden wird die Schülerverteilung fürs nächste Schuljahr alleweil noch. Aus Gontenschwil wollen nämlich sieben Schüler lieber nach Unterkulm in die Bez, wie Renate Gautschy weiss. Ein Rekursverfahren läuft.

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