Eines Tages stand das Holzgestell einfach vor dem Strohdachhaus. Hansruedi Moser, der Betreuer des Museums, musste sich zuerst schlaumachen, um zu erfahren, dass es sich dabei um einen Waschtisch handelte, wie ihn Coiffeure früher verwendeten. Eine passende Schüssel fand seine Frau Anna rasch, als Dekoration suchten die beiden nach alten Rasier- und Haarschneideutensilien. So kam der Kontakt zu Max Leuzinger zustande, der aber nicht nur Rasierpinsel, Messer, Scheren und Kämme liefern konnte, sondern einen kompletten Salon.

Die Einrichtung ist rund 120 Jahre alt und stand lange Zeit in Unterentfelden im Keller von Max Leuzinger. Dieser betrieb von 1972 bis 1990 in Aarau einen Salon und stiess durch Zufall in dieser Zeit auf den Salon von Coiffeur Fritz Scheidegger aus Küttigen. Leuzinger durfte Waschbecken, Kästchen, Spiegel und Stühle zusammen mit Haartrocknern, Onduliereisen und weiteren Geräten demontieren und richtete alles bei sich zu Hause ein. Weitere Kleinutensilien fügte er nach und nach seiner Sammlung hinzu.

Sammlung bleibt in Muhen

Bereits seit längerer Zeit beschäftigte sich Leuzinger mit dem Gedanken, die Zeugen alter Coiffeurkunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachdem seine Sammlung temporär an zwei Ausstellungen gezeigt wurde, ist er nun sehr glücklich, dass der Salon im Strohdachhaus Muhen nicht nur eine definitive Bleibe gefunden hat, sondern auch der Öffentlichkeit erhalten bleibt. «Ich habe mich gut getrennt von meiner Sammlung in der Gewissheit, dass sie erhalten bleibt und viele Leute sie anschauen können», meinte Leuzinger, der dem Museum die Saloneinrichtung kostenlos überlassen hat.

Behalten hat Max Leuzinger nur wenige Andenken: Das Rasiermesser, mit welchem er seine Lehrabschlussprüfung ablegte, ein Reise-Rasierset oder einen metallenen Föhn. In der Stube hängt ausserdem ein Spiegel, in welchem die Kunden bereits vor über 100 Jahren das Werk ihres Barbiers begutachteten. Daneben steht ein höhenverstellbarer Kinderstuhl, in den sich noch vor wenigen Jahren Leuzingers Enkel setzten, um sich von ihrem Grossvater die Haare schneiden zu lassen.

Sitzkissen mit Hebel gewendet

Eines der Schmuckstücke der Einrichtung ist der Stuhl, dessen Lehne sich zum Haarewaschen nach hinten neigen lässt. Mit einem Hebel konnte der Coiffeurmeister früher sogar das Sitzkissen automatisch wenden, damit sich der nächste Kunde nicht nur auf ein haarfreies, sondern auch auf ein kühles Polster setzen durfte. Beinahe exotisch mutet ein elektrisches Handmassagegerät an, mit welchem sich die Damen während des Haareschneidens verwöhnen liessen. Auch ein altes Stück Muhen hat seinen Weg aus Leuzingers Sammlung wieder zurück in seine alte Heimat gefunden: Die Leuchtreklame des ehemaligen Salons Litscher wird schon bald die Ausstellung ergänzen.

Anne und Hansruedi Moser haben den Salon im Museum mit einem Aprilscherz eingeweiht. Vor der Saisoneröffnung liessen sie verlauten, dass in Zukunft eine Friseurin im Strohdachhaus Haare schneiden werde. Am 1. April meldeten sich sogar einige Leute, die diesen Service in Anspruch nehmen wollten. Tatsächlich kann die alte Coiffeurkunst nicht ausprobiert, sondern nur bestaunt werden. Das ist vielleicht auch besser so, denn mit heissen Dauerwellenklammern oder Onduliereisen, die mit Gas oder Meta-Tabletten erhitzt werden, möchte sich heutzutage wohl kaum noch eine Dame Locken brennen lassen.