Die Politik sucht nach immer neuen Wegen, um das Kostenwachstum im Gesundheitswesen einzudämmen. Es wird debattiert, ob eine Konzentration der Patienten auf weniger Spitäler helfen könnte (die az berichtete). Die Regionalspitäler sind alarmiert. Sie fürchten, wilden Zentralisierungsbestrebungen zum Opfer zu fallen – mit Nachteilen für die ganze Region.

Davon ist auch Daniel Schibler, Direktor des Asana-Spitals Menziken, überzeugt und meint damit längst nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen. Regionalität und Nähe schafft Wertschöpfung auf verschiedenen Ebenen, wie das Beispiel Menziken zeigt – und macht gesund.

Direktor Daniel Schibler präzisiert: «Nähe schafft Gesundheit – nicht nur, weil die Wege im Notfall kürzer sind. Wir Regionalspitäler sind auch überzeugt, dass wir, wenn wir als stationärer Versorger in der Region bestehen bleiben, einen guten Einfluss auf die Genesung der Patienten haben.»

Die Erfahrung zeige, dass sich Besuch von Angehörigen positiv aufs Gesundwerden auswirke, und Besuche seien natürlich dann häufiger und einfacher möglich, wenn der Patient in seiner Umgebung betreut werden könne. «Ein Nebenaspekt zwar, aber kein unwesentlicher.»

210 Angestellte leben im Bezirk

Das Asana-Spital Menziken ist einer der grössten Arbeitgeber in der Region. Im Jahr 2015 beschäftigte es rund 300 Personen, 210 davon leben im Bezirk Kulm: 84 in Menziken, 60 in Reinach, 14 in Beinwil am See und 10 in Zetzwil. Die übrigen verteilen sich auf weitere Gemeinden im Bezirk, vornehmlich im Wynental.

Ein Grossteil des Geldes, das das Spital ausgibt, fliesst zurück in die Region. Von den 14,74 Millionen Franken Sachkosten im Jahr 2015 (Ausgaben für Medikamente, Lebensmittel, Aufträge für Reparaturen oder den Unterhalt, Drucksachen etc.) wurden gut 2,89 Millionen oder fast 20 Prozent in der Region Kulm ausgegeben, 4,62 Millionen oder 31 Prozent blieben im Aargau.

Der Rest floss fast gänzlich in übrige Kantone der Schweiz, nur gerade mal 0,2 Prozent der Ausgaben wurden im Ausland getätigt. «Kein Zufall, sondern klare Absicht», sagt Direktor Schibler. Der Claim der Asana-Gruppe, ‹Wir leben Nähe›, verdeutliche dies. «Wir wollen als Spital der Region auch die Region unterstützen.»

So wählt das Spital gezielt Dienstleister und Lieferanten in der Region aus, sofern es sie gibt. Und es gibt sie, betont Schibler, nicht nur bei Fleisch und Brot oder beim Reparaturservice für Küchengeräte.

Auch im Bereich der hoch spezialisierten Medizintechnik finden sich in der Region Anbieter, zwar nicht im Kanton Aargau, aber trotzdem in nächster Nähe: Gleich zwei solche Firmen haben ihren Sitz in Beromünster. Ein Lieferant von Implantaten ist in Sursee beheimatet. «Das ist unser Glück», sagt Schibler. «Nähe schafft schnellere Verfügbarkeit, die Lieferwege sind kürzer, bei Reparaturen sind Geräte weniger lang weg.»

Lebensmittel für 200 000 Franken

Bei den lokalen Lebensmittellieferanten oder Handwerkern wird darauf geachtet, «dass alle ein bisschen zum Zug kommen», wie Schibler sagt. Schliesslich gibt das Spital in diesen Bereichen jährlich grosse Summen aus. So werden für rund 200 000 Franken pro Jahr Lebensmittel bei regionalen und lokalen Partnern im Bezirk Kulm eingekauft.

Im Bereich Unterhalt (Energie, Wasser, Entsorgung, Areal- oder Gebäudeunterhalt) lag das Auftragsvolumen, das 2015 an Partner im Bezirk Kulm gegangen ist, bei rund einer halben Million Franken.

«Im Moment gibts noch keine Anzeichen, dass das Menziker Spital in der Region nicht weiterhin Bestand haben wird», so Schibler. Der Spitaldirektor hofft auf einsichtige Entscheidungsträger.

Für ihn greift der Zentralisierungsgedanke unter der Argumentation des Kostendrucks zu kurz: «Das ist der falsche Ansatz für eine Systembereinigung.» Man vergesse, so Schibler, «dass man hier eine Infrastruktur hat, die gut ausgelastet und abbezahlt ist.

Wenn man anfängt, die Patientenströme zentral zu lenken, und die Versorgungsanbieter zu reduzieren, bedeutet dies, dass sich das ganze Patientenvolumen von Menziken irgendwo anders hin verschiebt, dass die hiesige abbezahlte Infrastruktur frei wird und andernorts wieder eine neue aufgebaut werden muss.»

Das verursache grosse Kosten, abgesehen vom Wegfall des Wirtschaftsfaktors Regionalspital, und sorge für erheblichen Mehrverkehr – an Patienten und Besuchern. Was das für das Nadelöhr Suhr bedeuten würde, mag er gar nicht weiter ausführen.

Mehr als die Hälfte der Angestellten lebt im Bezirk Kulm. «Mitarbeitende sind auch Steuerzahler. Wenn wir als Arbeitgeber wegfallen würden, würde dies – nach meinem Dafürhalten – eine gewisse zusätzliche Strukturschwächung für die Region bedeuten.»

Sicher würde ein guter Teil der Angestellten auch anderswo wieder eine Stelle finden, so Schibler, «aber einige wohl nicht, weil sie nicht gut genug qualifiziert sind, um sich auf dem Markt anbieten zu können.»

Die Gemeinden hätten die daraus resultierenden Sozialkosten zu tragen. «Wer einen Job findet, bleibt vielleicht nicht in der Region, sondern zieht weg. Das Steuersubstrat und die Kaufkraft fehlen.» Ein Teufelskreis.