«Dann kann ich ja mit dem Kauf von Schlaftabletten noch zuwarten», meinte eine zur Informationsveranstaltung vom Donnerstagabend erschienene Anwohnerin. Auf ihre Frage, wann die Strassenbauarbeiten im Gränicher Oberfeld denn beginnen würden, hatte Gemeindeammann Peter Stirnemann eine klare Antwort gegeben: «Nächstes Jahr.» Das bis zum 3. April im Foyer des Gemeindehauses aufliegende Projekt (AZ vom 6. 3.) sieht den Bau eines Kreisels bei der Einmündung der Schürbergstrasse in die Kantonsstrasse vor, dazu eine neue Spange, welche die Industriestrasse und die Bifangstrasse mit dem Kreisel verbindet. Die Industriestrasse wird ausgebaut. Und an der Schürbergstrasse wird ab dem Kreisel ein Gehweg erstellt.

Nach Angaben von Planer Jules Fricker (Ingenieurbüro Ackermann & Wernli, Aarau) verfolgt man mit dem Kreisel drei Ziele: Die Ausfahrt von der Schürbergstrasse in die Kantonsstrasse soll erleichtert, der Verkehr von Teufenthal her verlangsamt und die Moortalstrasse entlastet werden. Letzteres, indem das Industrie- und Gewerbegebiet im Moortal vom Kreisel her erschlossen wird.

Der Neubau der Spange, die Verbreiterungen und die Überführung der bisher privaten Industriestrasse ins öffentliche Eigentum bedingen den Erwerb von Land durch die Gemeinde. Gleichzeitig werden die Grundeigentümer, die von der Erschliessung profitieren, beitragspflichtig. Genau darum ging es bei der Informationsveranstaltung in erster Linie: um den Beitragsplan. «Jetzt geht es ums Geld», brachte es Gemeindeammann Peter Stirnemann auf den Punkt. Im Beitragsplan werden die beitragspflichtigen Grundeigentümer sowie deren Beiträge an die Grob- und Feinerschliessung festgelegt.

Vor allem Gewerbe betroffen

Zum Handkuss kommen hauptsächlich die im Moortal angesiedelten Industrie- und Gewerbebetriebe, darunter das Kieswerk der Ortsbürgergemeinde, aber auch die international tätige Dreier AG. Werkstatt und Fuhrparkverwaltung des Transport- und Logistikunternehmens sind am Gränicher Standort an der Moortalstrasse zu Hause. Gewisse Ein- und Mehrfamilienhäuser dagegen, deren Bewohner mutmasslich weiterhin via Moortalstrasse verkehren werden und demzufolge von der neuen Erschliessung nicht profitieren, liegen nicht im Beitragsperimeter. Fällig werden die Beiträge in drei Tranchen: bei Baubeginn, ein Jahr nach Baubeginn und nach Vorliegen der Bauabrechnung.

Die Begeisterung von Hans-Peter Dreier, CEO der Dreier AG, hielt sich am Donnerstag in Grenzen. Er bemängelte gegenüber dem Gemeindeammann etwa, dass der Planer kein Wort zu den Rechtsmitteln fallen lassen hatte. Solche gibt es freilich nur in beschränktem Ausmass. Zwar kann laut kantonalem Baugesetz während der Auflagefrist gegen den Beitragsplan Einsprache erhoben werden. Das Ganze basiert aber, wie Peter Stirnemann deutlich machte, auf einem vom Regierungsrat abgesegneten und demnach rechtskräftigen Erschliessungsplan. Der geplanten Erschliessung steht damit nichts mehr im Weg, und die Gemeinde ist bundesrechtlich verpflichtet, von den Grundeigentümern Beiträge an die Kosten der Erstellung und Änderung von Strassen zu erheben.

Notfalls, so Stirnemann weiter mit Blick auf den Landerwerb, könne die Gemeinde zum Mittel der Enteignung greifen. Allerdings, räumte er ein, dass das Verfahren dann Jahre dauern dürfte. Grundsätzlich zieht es die Gemeinde vor, sich mit den Grundeigentümern zu einigen. Am kommenden Donnerstag, um 19 Uhr bietet sie den Direktbetroffenen ein weiteres Treffen an, bei dem Detailfragen geklärt werden können.

Gemeinde zahlt mehr, als nötig wäre

Stirnemann betonte, dass die Gemeinde den Grundeigentümern beim Kostenverteiler auf der ganzen Linie entgegengekommen sei. Der Beitrag der Gemeinde liegt durchs Band weg über der Norm, der Anteil der Grundeigentümer demzufolge darunter. Im Fall des Kreiselprojekts trägt die Gemeinde rund 3,9 Mio. Franken (80 Prozent) bei, eine halbe Million übernehmen zudem die Ortsbürger. Die privaten Grundeigentümer müssen damit noch für die verbleibende halbe Million aufkommen. Der Kanton leistet dem Vernehmen nach bloss einen Beitrag von 250 000 Franken an die Sanierung eines Kantonsstrassenabschnitts, die auch ohne den Kreiselbau fällig geworden wäre.