Menziken
Im Nachtbus: «Steigt aus, ihr könnt mit Autostopp nach Hause»

Nachtbuschauffeure erleben allerhand mit ihren teilweise alkoholisierten Fahrgästen. Manchmal erleben aber auch Fahrgäste allerhand mit den Busfahrern, die sie sicher nach Hause bringen sollten.

Aline Wüst
Merken
Drucken
Teilen
Nachtbus soll Partygäste sicher nach Hause bringen.

Nachtbus soll Partygäste sicher nach Hause bringen.

zvg

Es tönt so schön. Die Auto AG Rothenburg betreibt die Nachtbuslinie von Luzern nach Menziken und wirbt für das Angebot «nachtstern» mit den Worten: «Wenn die Nacht anderswo stattfindet. Dann kommt der nachtstern und bringt dich sicher nach Hause.» Leere Worte? Was drei Freundinnen in der Nacht auf Sonntag im Nachtbus von Luzern nach Menziken erlebten, spricht jedenfalls eine andere Sprache. Schon am Bahnhof Luzern sei der Buschauffeur unhöflich gewesen. Auf die Frage, warum der Nachtzuschlag zehn Franken und nicht wie üblich fünf Franken betrage, habe er sie bloss angeschnauzt.

Kurz vor Hildisrieden bremste er dann abrupt, weil er an zwei Wartenden vorbeigefahren war. Die zwei jungen Frauen, um die 20, konnten trotzdem noch einsteigen. Die beiden hatten ein Generalabonnement beziehungsweise eine Mehrfahrtenkarte Luzern–Menziken. Der Buschauffeur verlangte auch von ihnen je zehn Franken. Die eine hatte Fr. 8.50 im Sack, die andere noch weniger. Der Buschauffeur fuhr sie an, sie sollten endlich mit dem Geld rausrücken.

Die beiden haben gebettelt, er möge doch ein Auge zudrücken. Ihm sogar die Portemonnaies hingehalten, weil er ihnen nicht glaubte, dass sie nicht mehr genug Geld hätten. Daraufhin öffnet der Busfahrer die Tür und sagt: «Steigt aus. Ihr könnt ja mit Autostopp nach Hause.» Beherzt haben die Freundinnen eingegriffen und den beiden das restliche Geld für die Fahrt spendiert und ihnen das nächtliche Autostoppen erspart.

Vorfall wird intern aufgearbeitet

Martin Senn, Geschäftsführer der Auto AG Rothenburg, sagt gegenüber der Aargauer Zeitung, dass ein solches Verhalten keineswegs den Wertevorstellungen seiner Firma entspreche. «Ich toleriere ein derartiges Verhalten von meinen Mitarbeitern gegenüber Kunden nicht», sagt Senn. Das werde intern aufgearbeitet, hält er fest. Insbesondere beim «nachtstern»-Angebot fordere er von seinen Buschauffeuren besondere Sensibilität. «Unsere Nachtbus-Chauffeure werden speziell geschult.»

Kein Fehlverhalten ist hingegen der verlangte Preis für die Reise mit dem Nachtbus. Anders als im Aargau üblich, ist der Nachtzuschlag bei allen Transportunternehmungen in der Zentralschweiz höher als fünf Franken. Dies, weil das Nachtbusangebot kostendeckend sein muss. Im Gegensatz zum Normalbetrieb im öffentlichen Verkehr, der subventioniert wird.

Das Gebiet ist in zwei Tarifzonen eingeteilt: Die erste Zone kostet sieben Franken plus Fahrkarte. Von Luzern nach Menziken sind es zwei Zonen, das berappt der Fahrgast mit zehn Franken Nachtpauschale.