Reinach

Im Museum Schneggli gibt es Mode aus den Fünfzigern zu sehen

Martha Wieland aus Ehrendingen zeigt in Reinach unter anderem Strick-Bikinis und Pettycoats. Die Ausstellung dauert vom 11. Oktober bis zum 3. November.

Die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts waren die Zeit, als die Mütter Schnittmuster sammelten und Kleider nähten. Es gab sie mit Illustrierten – «Gelbes Heft», «Meyers Modeblatt» zum Beispiel.

Martha Wieland, 72, aus Ehrendingen, zeigt in der neuen Ausstellung in Museum Schneggli anhand der Mode dieser Zeit, wie man «chic und gepflegt» durch dieses Jahrzehnt kam. Man kann am Zeitgeist schnuppern.

Sie wird am 11. Oktober um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 3. November jeweils samstags und sonntags von 13.30 bis 17 Uhr dem Publikum zugänglich.

«Gegen Ende der 50er-Jahren vollzog sich der Wandel von der massgeschneiderten Konfektion zu den Industriekleidern», erzählt Martha Wieland. Natürliche Rohstoffe wie Seide, Wolle und Baumwolle wurden mehr und mehr von synthetisch hergestellten Stoffen wie Nylon ergänzt, teilweise abgelöst. Wieland: «Das Wegwerfzeitalter begann.»

Dass Kleider damals noch etwas kosten durften, zeigen Inserate aus Zeitungen der Zeit, die im Gang hängen. Unterhosen aus Henkelplüsch kosteten im Wollenhaus Eichenberger in Beinwil 5.60, Wollsocken 2.90 Franken.

Kleidungsstücke können Geschichten erzählen

Martha Wieland, von Beruf Innendekorateurin, war in den 60er-Jahren in Paris, London und New York, lernte die Modewelt kennen und kam aufs Sammeln von textilen Zeitzeugen. Aus ihrem Fundus haben sich auch die Macher des Films «Mein Name ist Eugen» bedient. Sie macht auch historische Modeschauen.

Vieles bekommt sie geschenkt; anderes findet sie auf Flohmärkten oder bei Ladenliquidationen. «Am schönsten ist es, wenn mir jemand die Geschichte eines Stücks erzählt», sagt sie.

Sie führt nämlich Buch über ihre Objekte. Im Schneggli beschränkt sie sich auf ein Jahrzehnt. Das gibt genügend her. Ziemlich exotisch muten die beiden handgestrickten Bikini im Raum an, der der Bademode gewidmet ist. Anmächelig eingerichtet sind die Zimmer des Schneggli, mit Sorgfalt und Liebe zum Detail.

Filme beeinflussten die Mode, man begann mehr Haut zu zeigen, nicht nur beim Baden: Babydoll und Petty-Coat. Und die Hüte befanden sich auf dem Rückzug. Ebenso das Corset. Dafür kamen, wie frivol, farbige Büstenhalter und Nylonstrümpfe auf.

Von Sophia Loren und Brigitte Bardot inspiriert

Wer es sich leisten konnte, nahm auf Reisen ein mobiles Bügelbrett mit. Und Kölsch ist auch ein Textilmuster: Karo. Doris Day, Brigitte Bardot, Sophia Loren: An stilbildenden Vorbildern mangelte es nicht.

«Damals gab es eine Frühlings- und eine Herbstkollektion, nicht 28 Kollektionen pro Jahr wie heute», sagt Martha Wieland.

Die Ausstellung lässt staunen über die Brautmode betuchter Kreise jener Zeit und die knalligeren Farben, die stoffintensiven Ballkleider, die Tüllstoffe, die eine Frau nicht absitzen liessen. Und den Nerz trug die Frau damals ohne Pelzscham.

Ein neues Museum entsteht in Uerkheim

Mit ihrem Mann André, der sie als Sammler von Literatur und Musik mit Modeliteratur versorgt, eröffnet Martha Wieland demnächst in Uerkheim ein Kostümmuseum, und zwar in der ehemaligen evangelisch-methodistischen Kapelle.

Auf rund 450 Quadratmetern werden in wechselnden Ausstellungen Kostüme und Accessoires aus 150 Jahren Modegeschichte gezeigt. Apropos Accessoires: Die kann man auch im Schneggli sehen, denn die Exponate stehen eingebettet in eine Umgebung. Lockenwickler, Lippenstift, Sprühflasche, Kinderwagen zum Beispiel.

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