Unterkulm
Im dritten Anlauf: Vom tiefsten zum höchsten Punkt der Schweiz

Der Wynentaler Extremsportler Kurt Hess hat seinen Traum realisiert: Per Velo und zu Fuss gelangte er nonstop vom Tessin auf die Dufourspitze

Jörg Greb
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Nach gut 13 Stunden Höchstleistung hat Kurt Hess die Dufourspitze erreicht.

Nach gut 13 Stunden Höchstleistung hat Kurt Hess die Dufourspitze erreicht.

zvg

Zwei Mal scheiterte der 62-Jährige bei seinem Projekt aus eigener Kraft von Brissago auf 193 Metern Höhe bis zur Dufourspitze mit ihren 4634 Metern zu gelangen. 2008 wars und Ende Juli – das erste Mal wegen Schneeverwehungen auf dem Grat von der Zumstein- zur Dufourspitze, jüngst wegen lebensgefährlichen Sturmböen gleichenorts. Doch was der zähe Extremsportler zuerst abhaken wollte, liess ihm schon wenige Tage nach dem zweiten Scheitern keine Ruhe. Er plante einen dritten Versuch. Und bei diesem hatte er nun Erfolg. Und wie.

Am späten Freitagabend bestieg Hess sein Rennvelo am Ufer des Lago Maggiore, pedalte durch die Nacht nach Alagna, nahm kurz nach Mitternacht im Lauftenue direttissima den Aufstieg in Richtung Monte Rosa in Angriff. Hess erreichte die Zwischenstationen, an denen er seine Kleidung, das Schuhwerk und die Ausrüstung anpassen konnte. Er behielt die Übersicht auch bei Nebel, passierte Kuh- und Schafherden und erreichte sein Biwak, in dem er sich wochenlang an die Höhenlage akklimatisiert hatte. Jetzt nahm er in Begleitung eines Bergführers den letzten Abschnitt mit den vielen Kletterpartien in Angriff. Diesmal musste er sich durch keine höhere Macht bremsen lassen.

13 Stunden und 3 Minuten nach dem Start – eine Stunde früher als vorgesehen – schoss Kurt Hess das Gipfelfoto. Es zeigt einen überglücklichen Menschen. Und seine Worte widerspiegeln den Eindruck: «Dieser Augenblick war überwältigend. Die beiden gescheiterten Expeditionen sind vergessen, die unzähligen Trainingsstunden und die Ausdauer, am Projekt festzuhalten, haben sich bezahlt gemacht. Jetzt habe ich endlich meine Ruhe.» Verbunden waren Hess› Glücksgefühle mit Demut und einer riesigen Dankbarkeit all jener gegenüber, die ihn unterstützt haben bei seiner «Spinnerei», wie er immer sagte.