«Es ist mir ein Rätsel, wie die dort oben arbeiten können», staunt Daniel Rau. Zwei Arbeiter stehen im 59 Grad geneigten Dach des Hauses mit einer Firsthöhe von 13 Metern und decken das Strohhaus an der Schönenwerderstrasse neu. Ein dritter Arbeiter, sie kommen aus Ungarn und nutzen das gute Wetter auch am Samstag, bereitet das Schilf am Boden vor. Er schneidet die Bündel in die richtige Länge und lässt sie hochfahren, wenn die Kollegen oben neues Material brauchen. Die Arbeiter sind Angestellte der letzten Firma in der Schweiz, die noch Schilfdächer macht. Sie hat ihren Sitz in Lausen, Baselland.

Das letzte Mal wurde das Haus, Baujahr 1800 und damit zwei Jahre älter als das Strohhaus Dorfmuseum, 1980 neu gedeckt, sagt Daniel Rau. Er besitzt das Haus seit 2002. Undichtes Dach? «Nein», sagt er, «aber die Schilfschicht war nur noch gut 10 Zentimeter dick, die neue ist wieder 35 Zentimeter dick.» Regen, das UV-Licht, das Wetter überhaupt trügen das Dach mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren mit der Zeit ab.

40 Tonnen Schilf in Bündeln wurden aus den Niederlanden nach Kölliken transportiert. «Ein Bund mit mehreren Bündeln wiegt gegen 500 Kilo», sagt Rau. Beim Entladen der Sattelschlepper samt Anhänger hat ihm ein Bauer aus der Region geholfen.

Denkmalpflege zahlt 80 Prozent

Mit rostfreien Metallstäben und unter Einsatz ihres Körpergewichts drücken am Samstag die Fachleute auf dem Dach das Schilf fest. Das geht zügig vorwärts, unterstützt durch Musik von Radio Argovia. «Ich habe vom Unternehmer die Garantie, dass das Dach die nächsten 50 Jahre hält», sagt Daniel Rau. Mehr als ein Generationenwerk. Eine Ausnahme bildet der First. Da eigne sich Schilf nicht, da verwende man wegen der besseren Biegbarkeit Roggenstroh. Der Nachteil: Alle sieben bis acht Jahre müssen diese Roggenstrohteile ersetzt werden. «Eine dauerhaftere Lösung mit halbrunden Firstziegeln, wie sie in Holland und Norddeutschland verwendet werden, hat die Denkmalpflege nicht genehmigt», sagt Daniel Rau.

Die Denkmalpflege kann mitreden, da sie 80 Prozent der Gesamtkosten übernimmt. Die belaufen sich gemäss Daniel Rau auf 310 000 Franken. Er rechnet damit, dass das Dach Ende Oktober, nach rund dreimonatiger Bauzeit, gedeckt ist. Vorher muss strassenseitig auch noch das alte Schilf abgebaut werden. Vom Spätsommer an, als das Gerüst aufgerichtet wurde, war es im Haus drin noch dunkler als sowieso in einem Hochstudhaus. Daniel Rau nimmts locker: «Wir sind eh häufig draussen, und im Sommer geniessen wir die Kühle.»

Strohusmärt Kölliken Ruedi Lüscher am Dengeln.

Strohusmärt Kölliken Ruedi Lüscher am Dengeln.