Willi Barfuss hat getan, was er tun musste: Auf Druck des Kantons hat er ein Baugesuch eingereicht, für den Abriss und Neubau seiner Ufersicherung an der Wyna. Ohne sie würde die Erde weggespült, sein nahe am Wasser gebautes Haus käme in Gefahr. Ein Ingenieurbüro hat ausgerechnet, was ihn der Neubau kosten würde: 160'000 Franken für 15,5 Meter.

Der Grund für das Drängen des Kantons: Messungen hätten ergeben, dass er bei der Errichtung seiner Ufersicherung etwa einen Meter über die Grenze seines Grundstücks hinausgebaut hat, erklärt Barfuss. Zulasten des Kantons, dem der Boden an der Wyna gehört. Deshalb bestehe dieser darauf, dass der Schreiner die Bauten an der Wyna abbricht und nach Vorgaben des Kantons neu baut. «Auf Anraten verschiedener Stellen habe ich nachgegeben und das Baugesuch eingereicht», sagt Barfuss. «Doch tatsächlich bauen will ich nicht, das kann ich mir gar nicht leisten.»

Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Die Ufersicherung, die der Kanton weghaben will, ist laut Barfuss über 30 Jahre alt: 1984 hat er die Schreinerei gekauft, kurz darauf, zirka 1985, sei der Bau der Ufersicherung durch einen Gärtner gefolgt. Auf Eigeninitiative, weil der Kanton damals zwar das Bestehen eigener Absichten signalisiert habe, geschehen sei jedoch nichts. «Und ich konnte ja nicht warten», erklärt sich Bärfuss.

Wie sein Ufer ohne Sicherung aussehen könnte, lässt sich gegenüber ablesen: Dort hat die Wyna das Ufer meterweit abgetragen, ein einst vorhandener Gehweg wurde schon vor Jahren von der Wyna geschluckt, das tote Wurzelwerk gefällter Bäume ragt in die Luft. Die Kanalisation eines in die Wyna mündenden Baches wurde aus dem Erdwerk gerissen und liegt verstreut im Flussbett.

Existenzängste wegen Messung

Dabei ist lange alles gut gegangen. Erst als Barfuss 2016 eine kleine Reparatur an seiner Ufersicherung vorgenommen hat und die Gemeinde darauf aufmerksam wurde, löste das eine Kaskade an Behördengängen aus: Erst ging es nur um die nachträgliche Baubewilligung für die Reparaturarbeiten. Dann fiel auf, dass ein Gartenhaus, das schon beim Erwerb durch Barfuss bestanden hatte, gegen Regeln verstösst. Und schliesslich sei festgestellt worden, dass seine Uferbefestigung in den Landbesitz des Kantons hineinrage. Und just oberhalb der monierten Stelle will Barfuss selbst beim Kanton noch einen kleinen Streifen Land zu Gute haben. Aus seiner Sicht Grund genug, fünf grade sein zu lassen: «Damit wären wir doch quitt.» Doch der Kanton anerkenne seine Forderung nicht: Weil sich das nicht genau messen liesse, wie es Barfuss schildert. «Komisch, dass die Messung dann einige Meter weiter unten plötzlich präzise funktioniert.»

Bitter auch für Barfuss: Der Kanton habe im Rahmen eines grösseren Projekts durchaus einmal Pläne gehabt, um das Ufer auf eigene Kosten zu sichern. Doch die Betonbefestigungen enden heute just an der Brücke, die an das Grundstück von Barfuss grenzt. Und nun soll er also selber zahlen. «Ich kann doch hier nicht meine Altersvorsorge verbauen und nachher auf der Gemeinde eine Krankenkassenvergünstigung beantragen», sagt der 68-Jährige. Barfuss plagen auch noch weitere Sorgen: Das nahe Haus könnte absacken, wenn der Boden durch grosse Maschinen abgetragen wird. Und der Kanton wünsche sich grosse Steinblöcke für die Sicherung – «obwohl solche hier schon weggeschwemmt worden sind.»

Der Kanton will sich erst äussern, wenn das aktuelle Baugesuch von der Gemeinde an ihn weitergeleitet worden ist. Zuerst liegt es noch bis zum 11. Juni auf der Kanzlei auf.