Er hat seinen Zutrittsausweis für das Bundeshaus von Nationalrätin Maya Graf (GPS/BL) bekommen, weil sie eine grüne Biobäuerin ist und er die politischen Anliegen der Biobauern in Bern wahrnimmt. Seit acht Jahren ist der Kölliker Agraringenieur Martin Bossard Leiter Politik bei Bio Suisse und sehr oft in der Wandelhalle anzutreffen.

Zuvor war er Geschäftsführer der Sektion Aargau des Verkehrs-Clubs der Schweiz und Geschäftsführer der Stiftung Pro Specie Rara. Neben seiner beruflichen Tätigkeit sass er für die Grünen neun Jahre im Grossen Rat, war zwei Jahre Präsident der Grünen Aargau und vier Jahre in der Exekutive seiner Wohngemeinde Kölliken.

Seine Aufgabe sei es (neben verbandsinternen Koordinationsaufgaben), Kontakte zu Leuten aus allen Parteien, der Verwaltung und der Verbände zu pflegen und die politischen Prozesse zu beobachten. «Wir müssen einerseits verstehen, was die Politik will und anderseits unser Wissen und unsere Vorstellungen einbringen», sagt Martin Bossard. Bio Suisse engagiere sich im Rahmen eines klassischen Lobbyings an agrarpolitischen Themen wie «Agrarpolitik 2014–2017» (AP), «Aktionsplan Pestizide» oder «Gentechnologie».

Abschied von der Planwirtschaft

Bis vor 20 Jahren garantierte der Staat die Preise. Staatliche Monopole wie die Käse-Union übernahmen alles, was die Bauern produzierten. «Das war eine teure Planwirtschaft, die auf dem ‹Plan Wahlen› des 2. Weltkriegs fusste.» Heute orientierten sich die Bauern stärker an den Kunden und am Markt. Sie erhielten vom Staat Direktzahlungen für bestimmte Leistungen in den Bereichen Versorgungssicherheit, Ökologie und Tierwohl.

Entscheidend zu diesem Systemwechsel beigetragen hat die Agrarallianz. Sie vereint unter ihrem Dach rund 500 000 Mitglieder aus Bauern-, Konsumenten-, Natur-, Landschafts-, Umwelt- und Tierschutzorganisationen. Neben Bio Suisse mit etwa 6000 Mitgliedern sind auch die integriert produzierenden Bauern (IP-Suisse) mit etwa 20 000 Mitgliedern und die Kleinbauern darin vertreten. Zusammen sind dies etwa die Hälfte der Schweizer Bauern.

Martin Bossard war 2014 bis März 2016 Präsident und seither Co-Präsident der Agrarallianz.
Diese arbeite offensiv an vorausschauenden, sachgerechten Reformen der Schweizer Agrarpolitik. «Wir sind gegen einen beschleunigten Strukturwandel hin zu industriellen Grossbetrieben, ohne aber eine «Ballenberg-Landwirtschaft» anzustreben. Wir möchten eine Vielfalt an nachhaltigen Betriebstypen mit vielen Kulturen, Betriebsgrössen und Produktionsformen», sagt Bossard.

Die Agrarallianz forderte bereits 2008 eine «Qualitätsstrategie von der Heu- bis zur Essgabel». Die Wertschöpfung der Land- und Ernährungswirtschaft soll verbessert werden, indem Schweizer Produkte nachhaltig hergestellt werden und die Konsumenten einen fairen Preis dafür bezahlen. «Die Politik soll die Leitplanken so setzen, dass sich Produktion und Ökologie optimal ergänzen.» In der AP 2014–17 wurde dank des Lobbyings die Qualitätsstrategie im Landwirtschaftsgesetz verankert.

Auch auf EU-Markt eine Chance

Mit Qualität und strengen Richtlinien für den Biolandbau hätten Schweizer Landwirtschaftsprodukte auch auf dem EU-Markt ihre Chance. «Die Konsumenten sind auch in unseren Nachbarländern bereit, für hochwertige Produkte einen entsprechenden Preis zu bezahlen», sagt Bossard. «Mit den Bilateralen I wurden die Regeln im Bereich Bio gegenseitig anerkannt und der Markt für Käse geöffnet.»

Die gesetzlichen Vorschriften für Bio seien in der EU gleichwertig zu jenen in der Schweiz. Das Feindbild der EU entspricht auch in der Landwirtschaft längst nicht mehr der Realität. «Lege-Batterien sind auch in der EU längst verboten. Die Umweltvorschriften werden strenger. Private Labels wie die Knospe von Bio Suisse arbeiten mit höheren Standards, damit Kunden hochwertige Produkte erhalten, die nicht nur den Gesetzen entsprechen», hält Bossard fest.

Einer der Schweizer Grossverteiler hat aussschliesslich importierte Bio-Lebensmittel im Sortiment, die nach dem strengen Knospe-Standard von Bio Suisse zertifiziert wurden.
Ein grosses Problem in der konventionellen Landwirtschaft macht Bossard beim Einsatz von Pestiziden aus, die als giftige Rückstände im Wasser oder in Lebensmitteln auftauchen und auch den Biolandbau erschweren. «In diesem Bereich hat die EU schon 2009 einen Aktionsplan beschlossen, während die Schweiz noch darauf wartet.»

Kein Grund zum Pessimismus

Eine Abschottung der Schweiz findet Bossard auch für die Landwirtschaft falsch. «Ich bin da nicht so pessimistisch wie die Grüne Partei oder der Bauerverband». Der Selbstversorgungsgrad sei in den letzten 100 Jahren nur im 2. Weltkrieg etwas höher als heute gewesen. Die heutige Vielfalt an Produkten und die hohe Ernährungssicherheit seien auch den offenen Grenzen zu verdanken. «Käse, Schokolade und Kapsel-Kaffee bringen Geld als beliebte Exportprodukte, während schon die alten Eidgenossen gerne einen importierten Wein getrunken haben. Und wer wollte schon auf Südfrüchte oder Kaffee verzichten?»