Schöftland

Ihre Waffe ist zum Sportgerät geworden

Die Ständematch-Goldmedaille gehört zu den Lieblingsstücken von Doris Burkhardt. (HU)

Die Ständematch-Goldmedaille gehört zu den Lieblingsstücken von Doris Burkhardt. (HU)

Die Ex-Internatio nale Doris Burkhardt Matter gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Schützinnen der letzten Jahre. Seit einem Kreuzbandriss schiesst sie mit der Pistole.

Jahr für Jahr lächelt Schützin Doris Burkhardt Matter aus Schöftland an den nationalen Titelkämpfen vom Podest. Sei es nach den 10-m-Wettkämpfen mit der Luftpistole oder den Sportpistolen-Meisterschaften über 25 Meter. «Insgesamt dürften es inzwischen etwa 20 Medaillen sein», vermutet die eine Hälfte der C-Ma Trading GmbH. Zusammen mit Christian Matter betreibt die aktuelle Vizemeisterin (25 m) eine Firma für Sport- und Jagdwaffen. Doch die Frau mit der überdurchschnittlich ruhigen Hand kam zufällig zum Schiesssport.

Jahrelang spielte die gebürtige Emmentalerin Doris Burkhardt Handball bei Huttwil. «Mein damaliger Freund besass eine Pistole. Ich wollte wissen, wie die Waffe funktioniert», erinnert sich die zielgerichtete Sportlerin an den ersten Pistolen-Kontakt im Jahr 1985. Weil sie bei den ersten Versuchen überraschend genau traf, kam Freude auf. «Zum Schiesssport», so das Mitglied der Pistolensektionen Huttwil und Kölliken, die sportlich auch in Oftringen zu Hause ist und bei Weil am Rhein in der deutschen Bundesliga Erfahrung gesammelt hat, «wechselte ich erst 1988, als ich mir im Handball einen Kreuzbandriss zuzog.»

Rekord von 1997

Damit begann für die Quereinsteigerin mit 27 Jahren ein kaum mehr für möglich gehaltener Aufstieg. «Die Waffe wurde zum Sportgerät. Im Gegensatz zum Handball konnte ich mir die Trainingszeit einteilen und eigene Ziele setzen», erzählt Doris Burkhardt, die in der Folge fast zehn Jahre der Nationalmannschaft angehörte und an den Paralympics in Athen 2004 und Peking 2008 die Behindertensportler als Trainerin betreute. «Ich lernte durch den Schiesssport, strukturiert zu denken. Wenn ich beispielsweise vor einem riesigen Berg Arbeit stehe, werde ich nicht erdrückt, sondern vermag ihn mit den Mechanismen wie im Sport abzubauen.»

Sie erinnert sich in diesem Zusammenhang an die Schweizer Meisterschaft vom 10. August 1997 in Zürich. «Vor den letzten fünf Schüssen wurde mir bewusst, dass ich auf Rekordkurs lag. Ich wurde noch nervöser, es schüttelte mich durch. Doch es gelangen mir dank der erlernten Strategien wie in Trance das Punktemaximum 50 und ein Total von 584», staunt Doris Burkhardt noch heute über ihre damalige Galavorstellung. Ihr Rekord von 1997 ist bis heute nicht geknackt worden. Es ist die älteste noch gültige Bestmarke im Schweizer Frauen-Schiesssport. 1998 und 1999 sicherte sie sich Silber, 2000 wieder Gold.

Sportliche Vereinsschützin

Inzwischen nimmt es Doris Burkhardt auch aus gesundheitlichen Gründen etwas ruhiger. Trotzdem vermag sie als leistungssportliche Vereinsschützin weiterhin an der nationalen Spitze mitzumischen. «Für mich wird es kaum ein Problem sein, den Fähigkeitsausweis zu erwerben, sollte die Waffen-Initiative angenommen werden. «Aber für den Breitensportler, der seit Jahren das eine oder andere regionale Schützenfest besucht, am Feldschiessen teilnimmt und keine Lizenz lösen möchte, hätte ein Ja einschneidende Konsequenzen», ist Nein-Stimmerin Doris Burkhardt überzeugt.

In den kommenden Tagen wird die Pistolen-Spezialistin im Schiessstand weiter interessierten Personen nach individueller Terminabsprache ihren Sport näherbringen. «Meistens sind die Leute danach fasziniert, bringen danach das nötige Verständnis für unseren Sport auf und es sieht vieles anders aus. Vor allem Frauen empfehle ich, eigene Erfahrungen im Schiessstand zu sammeln», hat sie im Laufe der Jahre erkannt.

Im März wieder am Start

Für die Vollblut-Schützin dürfte es Anfang März nach dem sportpolitischen Engagement an der 10-m-Meisterschaft in Bern wieder sportlich ernst werden. Dann könnte Doris Burkhardt als angehende Matchchefin des Emmentalischen Schützenverbandes ihre imposante Edelmetall-Sammlung im speziellen Schützenzimmer um ein weiteres gutes Stück erweitern. Sofern sie den 50. Geburtstag am Tag zuvor gut übersteht.

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