Das Konzept der von Karin Bertschi in Reinach geleiteten Recyclinganlage ist durchdacht und einfach und hat sich bereits bewährt. Die Kunden bringen ihre Güter mit dem Auto, Traktor, Fahrradanhänger oder Kleintransporter: auf der Nordseite durch zwei grosse Tore in die Halle fahren und ausladen. Für die verschiedenen Materialien stehen grosse grüne Boxen bereit, alle sind mit Bild und Text angeschrieben. Kostenpflichtige Ware wie Sperrgut für die Verbrennung gehört auf die Waage, da wird abgerechnet.

Durch die Südtore verlassen die Kunden die Halle. «Und alle fühlen sich befreit und glücklich, wenn sie Ware los sind», sagt Karin Bertschi. Für die Kinder besteht ein abgetrennter Extra-Parcours: Waren sortieren und spielen. Auch Schulklassen sind häufig bei Bertschis zu Besuch. «So kommt es, dass die Kinder das nächste Mal besser Bescheid wissen als ihre Eltern.»

Die Halle ist grosszügig gebaut, sauber und gepflegt, vom früheren «Müllhalden-Image» im Recyclinghof ist nichts mehr übrig. Werkmeister Peter Züsli vom Bauamt Reinach: «Die Anlage ist freundlich und sauber, das ist eine Super-Sache für die Bevölkerung und die Gemeinde.»

Fast alles darf abgeladen werden

Das Recyclingparadies nimmt über dreissig verschiedene Wertstoffe entgegen: Ausser Abfall, Holz, Steingut und Grünmaterial ist alles gratis, auch Elektrogeräte und elektronische Geräte. Alles wird fachgerecht zwischengelagert und an die verschiedenen Entsorgungsfirmen oder Organisationen weitertransportiert. Texaid zum Beispiel hat letztes Jahr 60 Tonnen Kleider in Reinach abgeholt. Eindrücklich ist die Tonnage etwa beim Altglas, rund 200 Tonnen haben die Kunden in die Boxen gekippt. Nicht alles kann der Wiederverwertung zugeführt werden, rund 340 Tonnen Verbrennungsmaterial und Abfall lässt die Firma in die KVA Buchs fahren.

Karin Bertschi schätzt den Kontakt mit den Kunden. «Vor allem am Samstag arbeite ich viel in der Halle unten.» Sie gesteht ein, dass eine Aufsicht des Betriebes wichtig sei. Es gebe halt auch Kunden, die versuchten, versteckten Müll an der Waage vorbeizuschmuggeln. «Da müssen wir uns wehren.» Ebenso gilt klar, was zur Entsorgung abgegeben wird, wird entsorgt, wenn auch Möbel oder Geräte in gutem Zustand seien. «Klar staune ich auch», erklärt Bertschi, «wenn relativ neue Geräte in die Mulde kommen.» Bei Haushalt- und Elektrogeräten bezahlen die Kunden die Entsorgung bei der Anschaffung. Mit diesen Geldern werden nachher auch die Sammelstellen und Verwerter entschädigt.

Recyclingparadies ein Magnet

Seit 1999 führt die Firma Bertschi in Reinach im Auftrag der Gemeinde Reinach und später auch von Leimbach eine öffentliche Entsorgungsstelle. Die beiden Gemeinden haben dafür ihre Entsorgungsstellen in den Werkhöfen aufgegeben. Eine Umfrage hat ergeben, dass heute Kunden aus einem Umkreis von 20 Kilometern mit Waren nach Reinach fahren.
Karin Bertschi bewirtschaftet das Recyclingparadies mit der Unterstützung von vier Mitarbeitern, darunter ein Recyclist-Lehrling und ein Metallbearbeiter. Sie helfen den Kunden beim Ausladen, wägen ab, was auf die Waage gehört, und sorgen dafür, dass alles in die richtige Box kommt. «Manchmal müssen wir sogar aufpassen, dass nichts wegkommt», sagt Bertschi, «es gibt immer wieder Leute, die wollen Elektrogeräte mitlaufen lassen.» So müssten ihre Mitarbeiter auch dafür sorgen, dass nichts hinter der Halle im Freien zwischengelagert werde, Kühlschränke zum Beispiel, «die würden nachts alle abtransportiert, wir haben es erlebt».