Broke, Jenni oder doch Hirondelle? Welches Pony kriege ich für den Ausritt? Das ist die Frage, die die sieben Kinder des Ferienlagers auf dem Ponyhof Schwarzenberg heute am meisten beschäftigt. Wenn die Ponys zugeteilt sind, dann geht es ans Putzen, Satteln und Zäumen. Ein Paradies für kleine Pferdenarren. Ferien auf dem Ponyhof. Das kann man in Gontenschwil schon seit über drei Jahrzehnten machen. Der Ponyhof Schwarzenberg ist über die Region hinaus bekannt, und so erstaunt es nicht, dass diese Woche eine Gruppe Kinder aus Zürich ihre Ferien hier verbringt. «Ich bin schon das dritte Mal hier in den Reitferien», sagt Luis (11).

Reiten für alle

Der Ponyhof Schwarzenberg wird seit 32 Jahren von Doris Unseld betrieben. 1986 hat die Heilpädagogin mit ihrem damaligen Mann den Hof von ihren Eltern übernommen.

Diese hatten ihn fünf Jahre zuvor gekauft, als ihr Pferdebetrieb in Buchs in der Nachbarschaft wegen der vielen Tiere und des Kinderlärms nicht mehr akzeptiert wurde. Und so kam es, dass die Eltern Reitausflüge und -ferien für Kinder aus Buchs und Aarau in Gontenschwil organisierten. «Mein Vater sagte immer, was seine Kinder können, sollten andere Kinder auch können», erzählt Unseld auf Anfrage der Aargauer Zeitung. Sie hätten damals das Glück gehabt, eigene Ponys halten zu können.

Seit Doris Unseld das Ruder übernommen hat, kann man auf dem Ponyhof Schwarzenberg nicht nur Reitunterricht besuchen oder das Reiterbrevet machen. Auch werden heilpädagogische Reittherapien angeboten und Menschen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen aufgenommen.

Die Ponys sind gesattelt und gezäumt. Es kann losgehen. Zuvorderst die Reitlehrerin, anschliessend in Reih und Glied die sieben Ferienkinder auf ihren Ponys. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Hof zu einer überregional bedeutsamen heilpädagogischen Institution entwickelt. Sie bietet Platz für 20 Ferienkinder (Schlafplätze), 20 Ponys und die Betriebsleiterin (1-Zimmer-Wohnung). Da der Betrieb in der Landwirtschaftszone liegt, konnte er sich räumlich nicht mehr weiterentwickeln. Jetzt könnte sich das ändern. Im Rahmen der laufenden Gesamtrevision Bau- und Nutzungsplanung in Gontenschwil ist vorgesehen, eine Spezialzone «Ponyhof» auszuscheiden. Die entsprechenden Unterlagen liegen noch bis heute öffentlich auf. Eine Umzonung ermöglicht dem Hof, ein neues Kapitel aufzuschlagen, und Doris Unseld, den Betrieb für eine Betriebsübergabe an einen geeigneten Nachfolger fit zu machen. «Der Ponyhof ist in baulicher Sicht in einem Dornröschenschlaf», sagt sie.

Leben und Arbeiten auf dem Hof

Schon über 40 Lernende mit besonderen Betreuungsbedürfnissen wurden auf dem «Schwarzenberg» ausgebildet. Hier können jugendliche IV-Bezüger eine Ausbildung zum Pferdewart absolvieren, mit dem Ziel, sich anschliessend in ein «normales» Umfeld zu integrieren. «Praktisch alle unsere Lernenden konnten wir nach der Ausbildung in einem Betrieb im ersten Arbeitsmarkt unterbringen», sagt Doris Unseld stolz. Unseld hat ihr Leben dem «Schwarzenberg» gewidmet. Sie hat es geschafft, einen Betrieb aufzubauen, der finanziell unabhängig ist und ein integratives Konzept verfolgt.

Auf dem Ponyhof kann man wohnen und arbeiten. Beeinträchtigte Menschen kommen in Kontakt mit Kindern und Erwachsenen, ganz nach dem Inklusionsgedanken. Der «Verein zur Unterstützung des therapeutischen Reitens» hilft, den Betrieb zu sichern. Der Klang von Pferdehufen auf dem Asphalt ist von der Auffahrt her zu vernehmen. Der Ausritt ist vorbei. Zufriedene Kindergesichter strahlen Doris Unseld entgegen und sie strahlt zurück.