Schöftler Wasserwirbelkraftwerk
«Ich will prüfen, ob ein Widerruf des Konkurses oder eine andere Lösung sinnvoll ist»

Die Wasserwirbel-Genossenschaft ist Konkurs. Daniel Styger, der nun ehemalige Präsident der Genossenschaft, will allerdings eine andere Lösung für das Schöftler Wasserwirbelkraftwerk.

Daniel Vizentini
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Daniel Styger war bis Ende Mai Präsident der Genossenschaft, die das Kraftwerk in Schöftland führt. Kurz nach seinem Rücktritt wurde der Konkurs angemeldet.zVg

Daniel Styger war bis Ende Mai Präsident der Genossenschaft, die das Kraftwerk in Schöftland führt. Kurz nach seinem Rücktritt wurde der Konkurs angemeldet.zVg

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Die Genossenschaft Wasserwirbel Konzepte Schweiz (GWWK), die hinter dem Wasserwirbelkraftwerk in Schöftland steht, ist Konkurs (die az berichtete). Daniel Styger war bis zum Tag, an dem der Konkurs angemeldet wurde, drei Jahre lang Präsident und Finanzverantwortlicher der Genossenschaft. Im Interview erklärt er, warum ein Konkurs in seinen Augen nicht nötig gewesen wäre und wie es in Schöftland und mit den anderen Projekten weitergeht.

Herr Styger, warum haben Sie Ihr Amt als Präsident der GWWK niedergelegt am Tag, an dem der Gang zum Konkursamt beschlossen wurde?

Daniel Styger: Der Beschluss, den Konkurs anzumelden, erfolgte ohne mein Beisein nach dem Ende der Sitzung, an der ich mich nicht mehr für die Wiederwahl zur Verfügung stellte, da wir uns im Vorstand über die zukünftige Strategie nicht einig waren. Über die beabsichtigte Konkursanmeldung wusste ich bis zur amtlichen Publikation gut eine Woche später nichts.

Sie sagten, die Genossenschaft sei «alles andere als überschuldet». Warum ist das Konkursamt trotzdem auf den Antrag eingegangen? Ohne Überschuldung wäre der Konkurs doch abgewiesen worden.

Das Konkursamt stützte sich wahrscheinlich auf die Meinung der von der Genossenschaft beigezogenen Berater. Ich befürchte aber, dass diese nur die Liquidität beurteilt haben und Know-how, laufende Projekte, Entwicklung, Forschung und Goodwill nicht berücksichtigt wurden. Ich will dies dem Konkursamt erörtern und prüfen, ob ein Widerruf des Konkurses oder eine andere Lösung sinnvoll ist.

Mehrere unabhängige Finanzberater sind offenbar zum Schluss gekommen, dass die Firma überschuldet ist, und nur Sie sehen es anders?

Ich bin der Meinung, dass es für diese Beurteilung nicht nur buchhalterisches Wissen braucht, sondern auch technisches und projektbezogenes Verständnis. Wie die bilanztechnischen Fragen beurteilt werden, hängt sehr stark von der präzisen Bewertung der Aktiven ab.

Warum fehlt der GWWK das Geld? Ist das Kraftwerk nicht rentabel?

Der Genossenschaft fehlt es nicht an Geld und das Kraftwerk produziert Strom. Die Amortisationsdauer beträgt zehn bis zwölf Jahre.

Wurde Geld von der Genossenschaft abgezogen und in andere – vielleicht zu viele – Projekte investiert?

Nein, Gelder der GWWK wurden nur gemäss den Statuten verwendet.

Was ist dann schiefgelaufen?

Gar nichts. Als Erstling hat das Wasserwirbelkraftwerk in Schöftland einfach viel gekostet. Es ist ein Entwicklungsprojekt, das laufend optimiert wird.

Gab es Baufehler oder musste die Technologie einfach noch reifen?

Es gibt Dinge, die wir heute anders machen würden. Unsere Technologie funktioniert aber, das haben wir bewiesen.

Die Turbine der Firma Vorteco ist offenbar mehr als doppelt so effizient. Haben Sie vor, diese einzusetzen?

Vorteco ist unsere Konkurrentin, mit der wir einen gesunden Kampf führen. Sie haben eine Turbine produziert, die zwar eine hohe Leistung hat, aber ein echter Fischschnetzler ist. Uns ist die Fischdurchlässigkeit wichtiger und wir wollen zur Renaturierung von Flüssen und Bächen beitragen. Wir machen nur Projekte in kanalisierten Flüssen und keines in der freien Natur.

Das Ergebnis einer Fischdurchlässigkeitsstudie des Kantons liegt bald vor. Falls sie aufzeigt, dass Wasserwirbelkraftwerke doch ein Problem sind für Wasserlebewesen: Ziehen Sie Ihre Projekte dann zurück?

Die Zwischenergebnisse der laufenden Studie zeigen bereits auf, dass für die Fische im Zusammenhang mit unseren Wasserwirbelkraftwerken keine Probleme bestehen. Es gibt deshalb keinen Grund, weshalb wir die Projekte zurückziehen sollten. Ich nehme dieses Anliegen jedoch sehr ernst. Jeder Fisch, der getötet wird, ist einer zu viel.

Wie geht es weiter mit Schöftland und anderen Projekten der GWWK?

Ich helfe, eine Lösung zu suchen, obwohl ich nicht mehr Präsident bin. Zwei Varianten kommen für mich infrage: Den Konkurs widerrufen oder die Aktiven in eine neue Gesellschaft überführen – oder beides.

Von den versprochenen 14 Wasserwirbelkraftwerk-Projekten ist noch keines umgesetzt worden. Warum?

Alle Projekte warten nur noch auf den Abschluss der Fischdurchlässigkeitsstudie des Kantons – die sechste übrigens. Bewilligungen hätten meines Erachtens nach den beiden positiven Zwischenberichten erteilt werden sollen.

Haben Wasserwirbelkraftwerke in der Schweiz Zukunft? Sind sie rentabel ohne Subventionen?

Ja klar haben sie Zukunft. Unsere Strategie ist ohne Subventionen gerechnet.

Ihnen gehören die beiden Firmen DST Group und Green Cube. Worum geht es bei denen?

Die DST Group ist spezialisiert auf Cleantech-Unternehmungsberatung mit Marketing und Informatik. Green Cube ist für erneuerbare Energieprojekte wie Wasserwirbelkraftwerke im Ausland zuständig und in der Schweiz für alle anderen erneuerbaren Energien.

Das Wasserwirbel-Kraftwerk in Schöftland

Das Wasserwirbel-Kraftwerk in Schöftland

Chris Iseli

Zwei Personen werfen Ihnen vor, Ihre Geschäfte würden nach dem Schneeballsystem ablaufen: Sie würden immer neue Firmen gründen, für diese Kapital beschaffen, dieses dann abziehen und die Firma Konkurs gehen lassen. Warum entstehen solche Vorwürfe?

Der Vergleich mit einem Schneeballsystem ist absolut unangebracht. Das Geschäftsmodell ist auf der Website der Genossenschaft und der assoziierten Unternehmen ausführlich beschrieben.

Bei der Gründung der Green Cube versprachen Sie für Aktionäre 3 bis 8 Prozent Rendite und für Darlehen 2,5 Prozent. Was macht Sie so sicher, dass diese Renditen gewährleistet werden können?

Grüne Technologien sind die Zukunft. Eine gute Rendite ist mittel- und langfristig durchaus realistisch. Dies beweisen Energieversorgungsunternehmen, die bereits in diese Technologien investieren. Auch eine Solaranlage auf dem Hausdach rentiert aktuell 4 bis 5 Prozent. Und dies ohne Subventionen.

Wie stehen Sie vor Ihren Investoren, wenn die versprochenen Renditen nicht erreicht werden und diese gar Geld verlieren?

Das wird nicht geschehen. Übrigens bin ich selbst finanziell nicht unerheblich an der Genossenschaft beteiligt. Es besteht kein Risiko, das investierte Geld zu verlieren, und wir werden auch eine angemessene Rendite erzielen.

Sind Ihre Projekte vielleicht etwas zu optimistisch? Warum glauben Sie so stark daran?

Mein Optimismus stütz sich auf die solide Technik. Sie wird in Zukunft erheblichen Nutzen für uns alle bringen. Nicht nur ökologisch, im Sinne der Energiewende, sondern auch finanziell für die Beteiligten. Für mich ist dies eine Herzensangelegenheit.

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