Extremsportlerin
«Ich überquere Hochgebirgs-Passagen und bin der Kälte ausgesetzt»

Sie rennt Hunderte von Kilometern und überwindet in kurzer Zeit Tausende von Höhenmetern: Die Extremsportlerin Helen Blatter läuft regelmässig und erfolgreich an den weltweit anspruchsvollsten Bergrennen, an «Trail-Runnings», mit.

Barbara Vogt
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Am 26. August steht Ihnen ein Rennen des «Ultra-Trail du Mont-Blanc» bevor. Die Strecke ist 120 Kilometer lang und Sie werden über 7000 Höhenmeter überwinden. Was wird Ihre grösste Herausforderung sein?

Helen Blatter: Die flachen Strecken: Da muss ich viel rennen, um Zeit gutzumachen. Es gibt nur wenige steile Abschnitte, bei denen ich laufen und durchschnaufen kann.

Welches war Ihr schönster Erfolg?

Am Trail in Verbier Anfang Julie erreichte ich in der Gesamtklassierung den dritten Rang. Die 110 lange Strecke und 8500 Höhenmeter bewältigte ich in 24,30 Stunden. Im letzten Jahr wurde ich in Verbier zweite. Nicht mehr als zehn Frauen erreichten dabei das Ziel. Ein gutes Resultat macht mich schon stolz, es gibt mir auch in der ganzen Welt ein Ansehen in der Läuferszene: An gewissen Wettkämpfen beteiligen sich mehrere tausend Athleten aus vielen Ländern.

Haben Sie an einem Rennen auch schon aufgeben?

Natürlich: In Chamonix und in Madeira musste ich beide Male wegen Knieproblemen aufhören. In solchen Momenten wäge ich ab, ob es besser ist, weiter zu rennen oder aufzuhören. Das Rennen ist hart und ich bin oft alleine unterwegs. Da kann ich schon mal die Motivation verlieren und mich fragen: Wieso machst Du das? Ich überquere Hochgebirgspassagen, bin Kälte oder Schnee ausgesetzt und fühle mich müde. Doch dann kommt im richtigen Moment ein Verpflegungsstand oder ich treffe andere Athleten und die Motivation kehrt zurück.

Wieso nehmen Sie an «Trail-Runnings» teil?

In erster Linie weil ich eine gute Platzierung will. Ich bin eine Sportlerin mit einem gesunden Ehrgeiz (lacht). Ich liebe es aber auch, in den Bergen zu sein. Als Bergläuferin sieht man Gebiete, die einem sonst verschlossen bleiben würden.

Wie bereiten Sie sich auf einen Wettkampf vor?

Unter der Woche trainiere ich drei bis vier Mal ungefähr eine Stunde lang, entweder am Berg oder im Flachland. An den Wochenenden absolviere ich in den Bergen längere Laufeinheiten.

Seit wann rennen Sie?

Es begann 2010, mit kleineren Bergläufen in der Schweiz. Zuvor fuhr ich auf dem Velo Strassenrennen. Da kam ich persönlich nicht weiter und begann zu laufen.