Menziken
«Ich komme immer wieder gerne nach Hause»

Model Noreen Carmody reist in der ganzen Welt herum und spricht über Liebe, Scheinwelt und Schönheit - und wie sie gern nach Hause kommt.

Aline Wüst
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Noreen Carmody, 22, wird demnächst in TV-Spots und auf Plakaten in halb Europa zu sehen sein: Sie ist das neue Gesicht des Edelparfümherstellers Nina Ricci. Seit fünf Jahren stöckelt die Menzikerin erfolgreich über internationale Laufstege und posiert gekonnt vor den Kameras.

Bei einem Spaziergang an einem windigen Novembertag hat sie mit der Menziker Dorfstrasse weniger glamourösen Boden unter den Füssen.

Das macht ihr aber nichts aus – im Gegenteil. «Ich komme immer wieder gerne nach Hause», sagt die 1,81 Meter grosse, gazellenartige Schönheit, und man glaubt es ihr. Obwohl Eltern und Freunde noch im Dorf leben, könnte sie sich nicht mehr vorstellen, hier zu wohnen. «Spätestens nach einer Woche brauche ich wieder eine andere Umgebung», sagt sie.

Von Amerika nach Europa

Als 15-Jährige gewann Carmody das Schweizer Finale des «Elite Model Look»-Wettbewerbs, lebte danach fünf Jahre in New York und kurvte dort mit ihrem Fahrrad von Casting zu Casting.

Vor zwei Monaten zog sie «ziemlich spontan» nach Paris. Das Model hat darum nur ein paar Schuhe und keine Jacke dabei. Ihre ganzen Sachen sind noch in den USA. «Das macht mir nichts aus, ich lebe gerne aus dem Köfferchen», sagt sie und schmunzelt.

Tage verwechselt

Weil sie so viel herumreist, verwechselt sie schon mal die Wochentage. So steht sie dann an diesem Samstag etwas verloren vor ihrem ehemaligen Schulhaus und ist verwundert, warum keine Kinder da sind. Trotz gelegentlicher Verwirrung liebt Carmody das ständige Unterwegssein.

Sie weiss Anekdoten aus allen Winkeln der Welt zu erzählen: In Tokio verirrte sie sich einmal schrecklich, wusste weder den Namen ihres Hotels noch hatte sie ihr Handy dabei. «Ich habe mir schon vorgestellt, wie ich auf der Strasse um Geld betteln muss, um zum Flughafen zu kommen.»

Von Schein und Sein

Während ihre ehemaligen Schulkameraden letzten Sommer die Kanti abschlossen, posierte Carmody für bekannte Marken wie Dolce & Gabbana und H&M und war in den Hochglanzmagazinen «Vogue» und «Elle» zu sehen. Trotzdem ist sie weder eingebildet noch ein abgehobenes Luxusgeschöpf.

Beim Spaziergang durch Menziken wirkt sie entspannt und höchst natürlich. Locker beantwortet sie die Fragen und immer wieder untermalt sie das Gesagte mit schauspielerischer Gestik, um dann im nächsten Augenblick schon wieder distanziert über ihren Job als Model zu sprechen.

Ein Job, um den sie viele junge Frauen beneiden. Sie ist sich bewusst, dass sie Realität und Scheinwelt auseinanderhalten muss: «Wenn sich bei einem Fotoshooting alles um mich dreht, heisst das nicht, dass ich der Mittelpunkt der Welt bin, und wenn ich am Abend alleine im Hotelzimmer bin, heisst das ebenso wenig, dass mich niemand liebt.»

«Das ist doch das Model»

Nicht ganz unschuldig daran, dass sie nun in Paris und nicht mehr in New York lebt, ist ein Franzose. Carmody ist verliebt. «Es ist noch ganz frisch», verrät sie und ihr strahlendes Lachen spricht Bände. Da unterscheidet sie sich nicht von ihren ehemaligen Schulkameradinnen.

Dafür dürfte kaum eine ihrer Altersgenossinnen schon zweimal die Hand von Leonardo DiCaprio geschüttelt haben. «Er hat mich beim zweiten Mal nicht wiedererkannt – aber ich trug auch eine andere Frisur», sagt sie und amüsiert sich selber über ihren Erklärungsversuch.

Carmody fühlt sich nicht als Star. Es rührt sie aber, wenn Leute in der WSB sie mit «Frau Carmody» ansprechen oder sich Mädchen hinter ihrem Rücken zuflüstern: «Das ist doch das Model.»

Wiedersehen im TV

Auch beim Spaziergang durch Menziken mustern die Passanten das vorbeigehende Model interessiert. Ausserordentlich hübsch findet sie sich selber nicht.

Sie sei ein Typ, der momentan gefragt ist, und werde auch immer «hübsch gemacht», sagt sie bescheiden. Wie «hübsch gemacht» sie jeweils wird, bekommen die Wynentaler im Frühjahr zu sehen, wenn Noreen Carmody für die Luxusmarke Nina Ricci Plakate ziert und in einem TV-Spot zu sehen ist.

Bezirksschule abgeschlossen

Und wie steht es um ihre Zukunft? «Ich bin nicht so der ehrgeizige Typ.» Das Modeln falle ihr momentan leicht und sei darum das Beste. «So arbeite ich und bin beschäftigt», sagt sie mit ihrer tiefen Stimme. Sie denke aber recht oft darüber nach, was nachher komme.

Denn die 22-Jährige hat gerade mal die Bezirksschule abgeschlossen. Sie könne sich gut vorstellen, einmal hinter den Kulissen des Modebusiness zu arbeiten. Momentan geniesst sie einfach ihre Arbeit. Die Shootings und vor allem die dazugehörenden gemeinsamen Mittagessen aus Papptellern haben es ihr besonders angetan: «Da kommt jeweils richtige Lagerstimmung auf.» An Weihnachten wird Carmody wieder ins Wynental reisen, bis dann wird sie noch in Kolumbien, Mailand und wer weiss wo sonst noch gewesen sein.

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