Region Wynental
«Ich höre gut zu und finde so den Draht zu den Jungen»

Vanessa Soland leitet das «Hemp», das Huus em Park in Teufenthal. Die 25-Jährige hofft, , dass ihre Jugendlichkeit ihr den Zugang zu den jungen Leuten erleichtert.

Peter Siegrist
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Vanessa Soland ist zuständig für das Jugendkulturhaus. Peter Siegrist

Vanessa Soland ist zuständig für das Jugendkulturhaus. Peter Siegrist

Die neue Leiterin im Jugendkulturhaus Teufenthal ist gerade mal 25 Jahre jung und kleidet sich im Stil der Hip-Hopper. Vanessa Soland kommt aus dem Wynental, sie ist in Reinach aufgewachsen und wohnt heute in Gontenschwil. «Stimmt, ich bin sehr jung für diese Aufgabe», sagt sie, «aber meine Jugendlichkeit erleichtert mir den Zugang zu den jungen Leuten.» Jugendlichkeit gleich Glaubwürdigkeit?

So einfach sei es nicht, verrät Vanessa Soland. «Ich nehme die Jungen ernst, ich höre ihnen zu, so finde ich den Draht zu ihnen. Dabei erinnert sie an das Podiumsgespräch von vorletzter Woche, wo ein Streetworker aus Biel erklärt hatte, das A und O im Zusammenleben mit Jugendlichen sei heute das Zuhören, das echte Gespräch. Gesprächsführung ist aber nur ein Teil der Arbeit, das weiss auch Soland. Die Besucher im Jugendkulturhaus – sie sind im Alter zwischen 16 und 25 Jahren – müssen sich an klare Regeln halten. «Da kenne ich kein Pardon», sagt die Leiterin. Als kürzlich ein Gast eine Glastür beschädigte und nicht zu seiner Tat stehen wollte, hat sie durchgegriffen. Sie habe ihm das Gespräch angeboten, als er jedoch mit einem gewissen Macho-Gebaren nicht einrenkte, sei ihr nur noch die Anzeige bei der Polizei geblieben. «Zweite und dritte Chancen gibt es in solchen Fällen nicht.»

Vanessa Soland hat sich nach einem Welschlandjahr und Praktika bei der Spitex in der Stiftung Lebenshilfe zu Fachfrau Betreuung (FaBe) ausgebildet. Jetzt bereitet sie sich auf die vierjährige Ausbildung an einer Höheren Fachschule vor: Sozialpädagogik, Fachrichtung Jugendarbeit.

Sie kennt die Jugendszene im Wynental aus der eigenen Jugendzeit gut und setzt jetzt alles daran, in Teufenthal gemeinsam mit den jungen Menschen einen Betrieb aufzuziehen, wo Toleranz gelebt wird. Jugendliche gehörten häufig bestimmten Gruppen an, die ein bestimmten Musikstil bevorzugten. Da sei es wichtig, dass sie auch gemeinsam etwas erleben können: «Toleranz ist gefragt.»

Umgang mit Gewalt und Alkohol

Im Jugendhaus gelten klare Regeln. Im Innern ist striktes Rauchverbot und der Ausschank von alkoholischen Getränken ist geregelt. Mit verschiedenfarbigen Armbändeli weisen die Jungen ihr Aussehen aus. «Bis jetzt klappt das», sagt Soland, wir haben kein Alkoholproblem.

Gewalt werde zwar thematisiert, sei auch für die Gäste ein Thema, erklärt Soland, aber zu Gewaltausbrüchen sei es noch nie gekommen. Während Veranstaltungen hat Vanessa Soland selbstverständlich Unterstützung von Securitasleuten, welche mithelfen, dass alles in geordneten Bahnen verläuft. Soland pflegt auch einen regen Austausch mit der Regionalpolizei und den andern Jugendtreffs, das Jugendkulturhaus soll schliesslich ein sicherer Ort sein.

Kommissionsmitglieder gesucht

Gegenwärtig sucht Soland weitere junge Leute, die bereit sind, in der Jugendkommission mitzuwirken. Das Jugendkulturhaus oder wie es jetzt neu heisst: das Hemp (Haus em Park), ist kein Konsumtempel. «Die Jugendlichen sollen gemeinsam Veranstaltungen wie Konzerte, Tanzanlässe, Diskussionen organisieren.»

Es müsse gelingen, das Hemp zu einem bekannten Symbol zu machen, erklärt Soland, «ein Haus, dessen Betrieb man selber mitträgt». Die verbreitete Mentalität unter Jugendlichen, «etwas zu fordern und wenn sie es haben, zu motzen», das funk-
tioniert hier nicht».

Vanessa Soland ist zu 80 Prozent angestellt und betreut den Betrieb auch administrativ. Für sie ist das Zusammenleben unter Jugendlichen, Schweizern und Ausländern ein grosses Thema. Es sei nicht immer einfach, das weiss sie, Enttäuschungen, keine Lehrstelle, wenig Unterstützung vom Elternhaus, alles das lasse die Jugendlichen manchmal nach Orientierung suchen.

Soland weiss, sie kann Ansprechperson sein, aber alle Probleme, zum Beispiel auch Suchtprobleme kann und muss nicht sie lösen. «Da bin ich gut vernetzt und kann die Jungen an die geeigneten Fachstellen weiterempfehlen.

Ein Projekt der Talgemeinden

Das Jugendkulturhaus Teufenthal ist ein gemeinsames Projekt folgender 11 Gemeinden: Gränichen, Teufenthal, Unterkulm, Oberkulm, Gontenschwil, Zetzwil, Leimbach, Reinach, Menziken, Burg und Birrwil. Es richtet sich an die älteren Jugendlichen aus der Region und ersetzt aber die Jugendarbeit für die Jüngeren in den Gemeinden nicht.