Kölliken
«Ich brauche Leute, die mit mir anpacken»

Zentrumsleiter Daniel Stauffacher nimmt Stellung zur Kritik am Alterszentrum Sunnmatte und wagt einen Blick in die Zukunft.

Lilly-Anne Brugger
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Sie sind der dritte Zentrumsleiter in der «Sunnmatte» innerhalb von knapp zwei Jahren. Wie gehen Sie damit um?

Daniel Stauffacher: Ich weiss, dass die «Sunnmatte» sehr viel Rucksackballast mitbringt, den wir verarbeiten müssen. Doch mein Blick ist ganz klar in die Zukunft gerichtet. Ich werde nicht innerhalb eines halben Jahres etwas verändern können. Ich brauche zwei, drei Jahre Zeit, um meine Führungsphilosophie einbringen zu können.

Woraus besteht der Rucksackballast der «Sunnmatte»?

Da ist das drin, was man in der Presse immer wieder hört: die Führungsfrage, die Pflege, die nicht funktioniert, und die Finanzen. Mein direkter Vorgänger hat einen Betrieb übernommen, der tief unten war. Er hat die Finanzen stark korrigieren müssen. So wie es aussieht, werden wir nun mit einem positiven Erfolg abschliessen können. Nun wird aber die Arbeit an der Basis wichtig. Die vielen Leitungswechsel haben gar keine Chance gegeben, diese Arbeit zu machen.

Es wurde angekündigt, dass Sie von aussen ein Coaching in Anspruch nehmen können. Ist das der Fall?

Ich bin am Abklären, wer uns das Coaching anbieten kann. Ein Kostendach ist von der Präsidentin des Altersheimvereins vorgegeben.

Das ist ein Coaching nicht nur für Sie, sondern für das ganze Kader?

Ein Coaching für mich alleine würde nicht viel bringen. Wir wollen gemeinsam zusammenarbeiten und gemeinsam vorwärtsgehen. Klar bin ich für den Betrieb des Alterszentrums verantwortlich. Aber alleine bin ich wenig wert. Ich brauche Leute, die gemeinsam mit mir anpacken.

Das Pflegepersonal war teilweise nicht richtig ausgebildet. Hat sich das mittlerweile geändert?

Mittlerweile haben wir in allen Positionen Fachleute, die ihre Fachkompetenz einbringen können – und auch ihre Sozialkompetenz. Wir konnten auch den Personalbestand aufstocken.

Es gab aber auch Kündigungen. Die Pflegedienstleiterin sagt, sie sei gemobbt worden und ihr sei die Kündigung nahegelegt worden. Gibt es in der «Sunnmatte» ein negatives Betriebsklima?

Ich würde ganz klar sagen: Nein. Den Ausdruck «gemobbt worden» nimmt man heutzutage sehr schnell in den Mund. Ich möchte der ehemaligen Pflegedienstleiterin nichts unterstellen, für sie ist es vermutlich in diese Richtung gegangen. Klar ist aber: Sie hatte nicht die nötigen fachlichen Qualifikationen und wurde vom Kanton nicht als Pflegedienstleitung anerkannt. Deshalb haben wir ihr angeboten, die nötigen Nachholbildungen zur Pflegefachfrau HF zu machen. Sie ging diese Umsetzung aber sehr zögerlich an, obwohl der Betrieb die finanziellen und zeitlichen Ressourcen zur Verfügung stellte. Und dann kamen auch Momente dazu, wo sie aus meiner Sicht die nötige Sozialkompetenz nicht hatte und beispielsweise ihre Lieblingsstation bevorzugt hat.

Wie weit sind Sie mit der Ausarbeitung eines neuen Pflegekonzepts?

Wir sind am Anfang. Die neue Pflegedienstleitung muss dazu zuerst den Betrieb kennen lernen. Ausserdem besteht ja bereits ein Pflegekonzept, das beim Kanton hinterlegt ist.

Dieses Pflegekonzept soll vom Hauswart ausgearbeitet worden sein.

Nach meinen Informationen ist das tatsächlich so. Das muss aber noch unter meinem Vor-Vorgänger geschehen sein. Die ehemalige Pflegedienstleiterin hätte bereits die Möglichkeit gehabt, das Konzept neu zu gestalten.

Es heisst, Ihr Kader bestehe aus der Sekretärin, dem Hausmeister und Ihnen. Ist das korrekt?

Das ist nicht so. Wir haben ein Organigramm, das vom Vorstand des Altersheimvereins abgesegnet worden ist. Und dieses Organigramm sieht neben den erwähnten Personen auch die Leitung Pflege und Betreuung, die Leitung Hotellerie und die Leitung Küche im Kader vor.

Ihr Vorgänger sagte, er sei ein Manager und kein fürsorglicher Heimleiter. Was sind Sie?

Ich bin vermutlich nicht der gleiche typische Manager, wie er es ist. Für mich sind verschiedene Aspekte wichtig. Das eine ist die finanzielle Seite, die muss stimmen, sonst funktioniert der Betrieb nicht. Aber es braucht auch soziale Kompetenzen. Ich bin von Anfang an als Zentrumsleiter durch die Stationen gelaufen, war bei den Essen anwesend. Die Bewohner schätzen diesen Kontakt. Ich sehe mich als Gastgeber, als Gastgeber für die Bewohner, für die Mitarbeiter, aber auch für die Angehörigen.

Wenn Sie die Bewohner und ihre Angehörigen wie Könige behandeln wollen, wie gehen Sie dann mit Anregungen von dieser Seite um?

Wir versuchen, auf diese Anregungen einzugehen. Natürlich können wir nicht alle Wünsche erfüllen, ich habe aber immer offene Türen und offene Ohren. Im Anschluss an die Angehörigen- und Bewohner-Information habe ich mit einigen Angehörigen Gespräche unter vier Augen geführt.

Wenn wir in die Zukunft schauen, wo sehen Sie das Alterszentrum in einem Jahr?

Wenn ich es bildlich sagen darf: Nicht mehr in den stürmischen Gewässern, die wir jetzt haben, sondern in ruhigen, glatten Gewässern, die sich gut zum Segeln eignen.

Wie erreichen Sie dieses Ziel?

Vor allem mit Gesprächen – und natürlich müssen die Finanzen stimmen. Die Gespräche schliessen alle ein: Gespräche mit meinem Kader, das dann mit dem Personal Gespräche führt. Aber auch Gespräche zwischen den Mitarbeitern und den Bewohnern und deren Angehörigen sind wichtig. Wir werden auch weiterhin Informationsanlässe durchführen und so das Vertrauen fördern.

Letztes Jahr wurde das Alterszentrum 30 Jahre alt. Damals wurde nicht gefeiert, kann in einem Jahr gefeiert werden?

Es wäre zu viel gewesen, gleichzeitig mit meinem Arbeitsbeginn auch noch ein Jubiläumsfest zu organisieren. Es gibt aber die Idee, dass wir beispielsweise 33 Jahre «Sunnmatte» feiern werden.

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