Schnee knirscht unter den Füssen – und unter den Pfoten des Jagdhundes Rex. Er schnüffelt aufgeregt. Sein Meister Kurt Lüscher aus Kirchleerau lacht. «Würde ich ihn loslassen, dann wäre er weg.» Der Wald ist das Zuhause der beiden, das spürt man. Seit über zwanzig Jahren ist Lüscher Jäger, viele Jahre davon Jagdaufseher. Anfang Jahr wählten ihn die Jagdvereine Diana Kirchleerau und Schöftland West wiederum zum Jagdaufseher (siehe Kontext).

Seine Tätigkeit fasziniert Kurt Lüscher, obwohl er nicht reich davon wird und es auch gar nicht werden will. Er brauche die Natur, «in der Stadt gehe ich kaputt». Ausserdem sieht er es als seine Pflicht, gar Berufung, den Wildtierbestand zu pflegen. Das sagt er, während er seinen Jägerhut zurechtrückt. Daran hängen Haare von einem Gämsbock. Und vom ersten Rehbock, den er in seinem Leben geschossen hat.

Wilderer auf der Spur

Er töte Rehe, Füchse oder Dachse nicht, weil es ihm Spass mache, sondern weil ganz einfach jeder Jagdverein eine Abschlusspflicht habe. Sein Credo: «Das Gesetz gibt mir das Recht zu töten, ich nehme mir das Recht, zu töten.» Das habe viel mit Ehrfurcht gegenüber dem Tier zu tun. «Wir Jäger müssen ein Gleichgewicht herstellen. Zu viele Tiere bringen Seuchen mit sich.» Noch immer habe er Herzklopfen, wenn er auf seinem Hochsitz einen Fuchs schiesse.

Kurt Lüscher hat weitere Aufgaben: Er ist Wilderern auf der Spur, verteilt Salzlecksteine für Rehe und führt nachts mit Scheinwerfen Zählungen bei Hasen, Rehen durch. Wenn Bauern ihre Wiesen mähen, so schlägt er Pflöcke ein, um die Rehgeissen und ihre Kitze abzuschrecken. Als Brückenbauer zwischen Jägern und Bevölkerung sieht er sich: «Ich möchte Berater sein und nicht Kontrolleur.» Deshalb besucht der Jagdaufseher, der einen landwirtschaftlichen Hof betreibt, Weiterbildungskurse: für Wildkrankheiten und -verwertung, Fallenbauten, Behandeln von Trophäen, Wildunfälle.

Zu solchen muss Lüscher ausrücken, meistens mitten in der Nacht. Sieht er Tiere leiden, so geht ihm das an die Nieren. Es gebe auch Autofahrer, die gar nicht wissen, was sie in einem solchen Fall tun müssen. Er gibt gleich den Tipp: 117 anrufen. Da
erscheint nicht die Polizei, sondern der Wildhüter auf dem Platz.