EWK-Verkauf
IBAarau will in Kölliken gross einsteigen: 12 Millionen Franken und noch viel Autonomie oben drauf

Die IBAarau offeriert für die EWK Energie AG mehr als doppelt so viel wie der potenzielle Käufer mit dem tiefsten Angebot: 12 statt 5,26 Millionen Franken.

Urs Helbling
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IBAarau will bei der EWK Energie AG gross einsteigen.

IBAarau will bei der EWK Energie AG gross einsteigen.

AZ

Mit einer langfristig angelegten Informationsoffensive versucht der Gemeinderat, die Kölliker davon zu überzeugen, an der Gemeindeversammlung vom 24. November dem Verkauf des EW zuzustimmen.

Stossrichtung: Man habe dank guter Verhandlungsführung ein optimales Angebot erhalten. In der Tat gelang es den Köllikern, nicht nur einen hohen Preis, sondern auch ein Maximum an Autonomie herauszuholen. Sie werden auf absehbare Zeit eigenen Strom mit einem eigenen Preis haben. Er wird weniger grün sein als in Aarau (60 statt 100 Prozent Wasserkraft im Basisstrom).

5 Prozent...

... wird der Stromabsatz steigen, wenn die
IBAarau die EWK Energie AG übernehmen kann. Umsatzmässig beträgt das Plus
2,5 Prozent.

Und er wird günstiger sein, weil die Kölliker nicht Gefahr laufen, Aarauer ESAK-Massnahmen (etwa für das Fernwärme-Netz) mitfinanzieren zu müssen. Grund: Die EWK Energie AG wird zwar der IBAarau gehören, aber als eigenständige Tochtergesellschaft geführt.

Corina Eichenberger mit dabei

Kölliken und die IBAarau (früher EWA, künftig Eniwa) haben viele, zum Teil über hundertjährige Beziehungen: «Seit 1916 betreibt die IBAarau das Erdgasnetz in Kölliken und seit 2001 liefert die IBAarau den Strom nach Kölliken. Seit 2013 durfte die IBAarau die Geschäftsführung der EWK Energie AG im Auftrag der Einwohnergemeinde und des Verwaltungsrates wahrnehmen», heisst es in einer Medieninformation des Gemeinderates.

Es gibt noch einen weiteren Bezugspunkt zu Kölliken: Nationalrätin Corina Eichenberger (FDP, Kölliken) ist langjährige IBA-Verwaltungsrätin und seit Anfang Mai Vizepräsidentin.

Weiterhin jährliche Einnahmen

Den Köllikern ist es nicht nur gelungen, einen hohen Verkaufspreis auszuhandeln, sondern sie sicherten sich auch regelmässige Einnahmen über viele Jahre hinweg. In den Worten des Gemeinderates: «Ergänzend zum Kaufvertrag wurde zwischen der Einwohnergemeinde Kölliken und der IBAarau AG ein neuer Konzessionsvertrag ausgehandelt. Dieser wird für eine Dauer von 25 Jahren abgeschlossen und beruht auf den heute geltenden Bedingungen.

Durch die Weiterführung der geltenden Konzessionsabgaben bleibt der Ertrag von rund 240'000 Franken für die Einwohnergemeinde auch ab 2018 im gleichen Umfang bestehen. Nach 25 Jahren ist der Vertrag zu erneuern. Alternativ besteht zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, die Anlagen zurückzukaufen. Der Rückkaufpreis wurde im Vertrag zu fairen Konditionen vereinbart.»

Im Weiteren werde im Kaufvertrag offeriert, dass die Einwohnergemeinde Kölliken Aktien der IBAarau zu Vorzugskonditionen erwerben könne. Die IBA-Aktien sind heute zu 95 Prozent in den Händen der Stadt Aarau. Fast 2 Prozent besitzen Gemeinden der Region. Zudem hat die IBA rund 750 (Klein-)Aktionäre.

«Tafelsilber wird vergoldet»

Nachdem bereits länger eine Absichtserklärung vorlag, sind die Vertragsverhandlungen zwischen der Gemeinde Kölliken und der IBAarau vorletzte Woche abgeschlossen worden. Am nächsten Mittwoch wird der Vertrag unterzeichnet. Für den 31. Oktober ist eine Orientierungsversammlung geplant, der Entscheid soll an der Gmeind vom 24. November fallen.

Der zuständige Gemeinderat Christoph Müller weiss, dass ein Ja trotz des hohen Verkaufspreises noch nicht sicher ist: «Aus verschiedenen Gemeinden haben wir die Erkenntnis, dass ein Verkauf eines Elektrizitätswerks ein emotionales Thema darstellt und Abstimmungen knapp ausfallen», erklärte Müller dem «Wynentaler Blatt».

Und was wird Kölliken mit den 14 Millionen Franken machen? «Der Erlös aus dem Tafelsilber wird nicht verscherbelt, das Tafelsilber wird vergoldet», erklärt Müller. Die Millionen sollen nur für ausserordentliche, der Gemeindeentwicklung nachhaltig dienende Projekte angezapft werden.

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