Hypi Lenzburg

Hypi-CEO Wildi: «Wir planten den Sprung eigentlich nach Suhr»

Marianne Wildi, CEO der Lenzburger Hypi, sucht den direkten Kontakt mit den Kunden.

Marianne Wildi, CEO der Lenzburger Hypi, sucht den direkten Kontakt mit den Kunden.

Die Hypothekarbank Lenzburg eröffnet in Menziken eine Geschäftsstelle. CEO Marianne Wildi erklärt weshalb. Und sie sagt, dass es eine Herausforderung war, in wenigen Monaten eine neue Geschäftsstelle in Betrieb zu nehmen.

Marianne Wildi ist Vorsitzende der Geschäftsleitung der Hypothekarbank Lenzburg AG. Für den Fototermin steht sie vor ihrem Büro in der weiten Halle und blickt ins Atrium der Schalterhalle hinunter – der Kapitän auf der Brücke. Die Architektur des über 30-jährigen Gebäudes unterstützt das Credo der Bank: regionale Nähe zu den Kunden. «Sichtbar und ansprechbar sein für die Kundschaft», sagt Marianne Wildi.

Frau Wildi, die Valiant Bank zieht aus Menziken weg, und jetzt springen Sie mit der Hypi in die Lücke. Haben Sie nur darauf gewartet?

Marianne Wildi: Wir haben den Sprung ins Wynental nach Suhr geplant und im letzten Dezember dort auch eine Geschäftsstelle eröffnet. Eigentlich gleichzeitig mit dem Rückzug der Valiant aus Menziken.

Die Menziker wünschen eine Bank im Dorf, wurden Sie angefragt?

Wir hatten Kontakt mit Menzikens Frau Gemeindeammann, welche uns anfragte, ob wir Interesse hätten.

Sind Ihnen nach der Ankündigung, in Menziken zu eröffnen, Valiant- Kunden nur so zugeströmt?

Neue Kunden haben sich relativ schnell gemeldet. Ihre bisherigen Bankbeziehungen haben wir nicht nachgefragt. Wir rechnen natürlich damit, dass die Leute, die uns herbeiwünschten, nun auch Kunden werden.

Menziken ist also nicht Teil einer langfristigen Strategie?

Vorgesehen war eine Geschäftsstelleneröffnung nicht. Aber wir haben auf den Ruf der Menziker Bevölkerung relativ rasch und speditiv reagiert. Die Vorwärtsstrategie sah vor, nach Suhr zu expandieren. Erst der Rückzug der Valiant bewog uns zum Schritt ins Oberwynental. Es ist doch eher selten, dass eine Gemeinde eine Bank begrüsst. Häufiger heisst es in Gemeinden, dass es bereits genügend Banken gäbe. Menziken wünschte sich explizit weiter eine Bank.

In wenigen Monaten eine Geschäftsstelle in Betrieb nehmen, ist das einfach machbar?

Es war eine Herausforderung. Wir mussten einen Platz suchen, planen, die geeigneten Pavillons beschaffen, Personal suchen. Dank den kurzen Entscheidungswegen, eine unserer Stärken, war es möglich, auf diese Chance zu reagieren.

Hätten Sie sich nicht mehr Zeit nehmen können?

Für uns war klar: Wenn wir nach Menziken gehen, dann muss das rasch nach dem Weggang der Valiant geschehen. Sonst ist damit zu rechnen, dass sich viele Kunden bereits anders orientiert haben.

Sie sagen, Menziken war nicht im Fokus. Welche Strategie verfolgt die Hypi mit ihren Geschäftsstellen?

Wir wollen aus unserem Kerngebiet heraus wachsen. So wie Suhr vorgesehen war, passte Menziken auch in unsere Bewegung. Man muss bedenken, Suhr ist nach 20 Jahren die erste Geschäftsstelle, die wir neu eröffneten.

Sie tragen «Hypothek» in Ihrem Namen. Das Oberwynental ist doch kein typisches Bauboom-Gebiet, können Sie da noch Geld verdienen?

Jeder, der über ein Salärkonto verfügt, braucht eine Bankbeziehung. Viele unserer Kunden wickeln ganz normale Zahlungen über uns ab, wir betreuen Mieter, Hausbesitzer und Hypothekarschuldner. Wir sind eine ganz traditionelle Universalbank, wo jeder Platz hat, ob grosser oder kleiner Kunde. Im Übrigen hat es im Oberwynental relativ viele Baustellen. Wir finanzieren auch Sanierungen und Firmen, haben also ein ganz breites Angebot. Unser Ziel ist es, unsere Kunden durch einen Beratungsprozess zu führen, der auf die Lebensphasen abgestimmte Lösungen bietet. Unser Name ist einfach Tradition und Identifikation.

Wo positionieren Sie sich im Oberwynentaler Bankenplatz? Allein in Reinach hat es fünf Banken.

Unser Platz wird in Menziken sein. Wir werden als klassische Regionalbank unsere Kunden hier finden. Wir sind überzeugt, dass wir mit der Geschäftsphilosophie unserer Bank in Menziken ankommen.

Was genau zeichnet die Hypi denn aus?

Es ist unsere Nähe zu den Kunden. Ein Kreditentscheid wird bei uns vor Ort oder allenfalls in Lenzburg gefällt. Das ist bei grösseren Banken nicht mehr so. Die regionale Nähe gilt auch für die Mitarbeiter.

Wie ist das zu verstehen?

Ich weiss nicht, wie oft man bei den grossen Banken mit einem CEO den Weg kreuzt. Die Chance, dass man mich in der Region antrifft, ist sicher grösser. Wir sind lokal aufgestellt und dadurch über alle Stufen hinweg viel präsenter. Man kennt unsere Gesichter. Uns ist die Beratung der Kunden wichtig, unsere Mitarbeiter sollen sich nicht allein auf den Verkauf von Produkten fokussieren.

Was bezeichnen Sie denn als essenziell?

Unsere Geschäfte sollen für die Kunden absolut transparent sein. Das ist heute wichtiger denn je.

Wie pflegen Sie den Kontakt zu Ihren Kunden?

Nebst dem Einsatz moderner Kommunikationsmittel haben die traditionelle Generalversammlung der Aktionäre beibehalten: Zuerst die Versammlung und anschliessend das Nachtessen mit gemütlichem Beisammensein in den Lenzburger Restaurants. Das wird geschätzt, der Anlass ist für viele Aktionäre die Gelegenheit zum Familientreff.

Wieso denn dies?

Für uns ist diese GV ein Teil unserer Kultur, die wir bewusst pflegen und leben. Wir freuen uns, wenn unsere Aktionäre teilnehmen. Wir empfangen jeweils gegen 1600 Personen. In vielen Familien – auch das eine Besonderheit – werden die Hypi-Aktien vererbt und eigentlich wenig gehandelt. Das beugt Spekulationen vor und führt dann eben zu den ‹Familientreffen›. Wir wollen nicht anonym werden, sondern lokal verankert.

Ist die allgemeine Bankenkrise für Sie spürbar?

Kundenströme gibt es deswegen nicht. Aber wir leiden dennoch unter den Folgen, weil die aufsichtsrechtlichen Vorschriften massiv verschärft wurden, was uns einen grösseren Aufwand bringt.

Im Voraus stellte ich fest: Sie sind persönlich einfach erreichbar – also ein CEO zum Anfassen?

Sie haben es jetzt erlebt, mir war das nicht so bewusst. Das ist die Chance der regionalen Nähe, mich trifft man hier an, ich sitze nicht hinter dem Backoffice.

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