Der rote Holzherd im Aufenthaltsraum stammt noch aus der Zeit, als hier Monika Villiger, die Schwester von alt Bundesrat Kaspar Villiger und dem Zigarrenfabrikanten Heinrich Villiger, in Windeln auf dem Küchenboden herumrutschte – in Stoffwindeln versteht sich. Das «Huus74» in Menziken, in dem vor knapp zwei Wochen die Familien Ursi und Felix Matthias sowie Coni und Max Härri ihr Bed and Breakfast eröffnet haben, ist das Grosselternhaus der Villiger-Kinder. Hier im Obergeschoss hat die junge Familie Villiger gewohnt, bevor sie nach Pfeffikon zog, die Grosseltern lebten im Erdgeschoss.

Nicht nur die Küchenecke, wo sich heute Gäste selber Tee Kaffee machen können, ist erhalten geblieben. Die neuen Eigentümer haben das Haus mit Baujahr 1849 gemäss Auflagen des Objektschutzes sorgfältig umgebaut und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Viele Gegenstände aus vergangener Zeit haben eine neue Bestimmung gefunden – so etwa die gusseisernen Nähmaschinengestelle, die mit neuer Tischplatte versehen jetzt im Beizli zum Tafeln dienen oder die Werkbank, die in der Toilette zum Waschtisch geworden ist.

Der Pferdestall wurde zum Mehrzweckraum, in dem heute, als die az für einen Besuch vorbeischaut, grad die Mibelle Group ein internationales Seminar abhält. Mittendrin ein Holzpfeiler mit deutlichen Spuren, die vor langer Zeit gelangweilte Pferde mit ihren Zähnen hinterlassen haben. In einem Winkel auf der Laube, wo nun eine Ruhe- und Kinderspielecke eingerichtet ist, versteckt sich hinter einer Tür das alte Plumpsklo. Dies wird den Gästen heute freilich nicht mehr zugemutet. Die acht Hotel-Zimmer sind komfortabel eingerichtet.

Die Familien Härri und Matthias haben sich einen Traum erfüllt. Dass hier Leidenschaft drin steckt, sehen auch die Gäste. «Man merkt, dass die vier mit Herzblut dabei sind», sagt Bernhard Irrgang von der Mibelle Group. Die Einzigartigkeit und der Charme der Zimmer hätten die Tagungsteilnehmer beeindruckt – sogar diejenigen aus England. Aber auch das heimische Publikum ist angetan. Am Einweihungswochenende mit Hausführung und Konzert streckten rund 500 Gäste die Nase rein. Es seien schon viele Anfragen für Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Firmen- oder andere Gruppenanlässe reingekommen, sagen die Betreiber.

Auch die Zimmer sind gefragt. Nach nur anderthalb Wochen Betrieb ist das «Huus74» dieses Wochenende schon ausgebucht. Es ist nicht nur der Charme des Hauses und der Gwunder allein, der die Gäste anlockt. Die beiden Familien haben ein grosses Netzwerk, das bis nach Übersee reicht. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass nach anderthalb Wochen bereits Gäste aus Kanada, Dänemark oder England hier logierten. Eine nicht zu unterschätzende Rolle dürfte auch die Lage des Hauses direkt an der Hauptstrasse spielen – das italienische Paar, das unterwegs von Dortmund nach Assisi zufällig hier Halt machte, kam jedenfalls bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung im «Huus74» unter.

Öffnungszeiten Beizli: Donnerstags, 14–23 Uhr und freitags, 8.30–23 Uhr; jeden letzten Samstag im Monat, 8.30–23 Uhr; Weinstube: mittwochs, 16.30–23 Uhr; B&B: 7 Tage/Woche.