Theres Jans ist nervös. Obwohl mehrfache Schweizer Meisterin, ist die Menzikerin vor den Aargauer Hundesport-Meisterschaften angespannt. «Marek spürt das und wird dadurch zurückhaltend und unsicher», erklärt die Hundeführerin.

Deshalb versucht sie, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen, für sich zu sein, sich zu erden. Die Fragen der Reporterin gehören daher nicht gerade zur idealen Wettkampfvorbereitung, doch Jans beantwortet alle geduldig. «Kurz vor dem Start werde ich mit Marek ein paar Übungen machen», erklärt sie. So kommt der Hund in den Arbeitsmodus.

Wettkampf vor der Haustür

Am Wochenende führte der Kynologische Verein Oberwynental in Menziken den Aargauischen Gruppenwettkampf der Hundesportler durch. Rund 65 Teilnehmer waren am Start und kämpften in den Kategorien Begleit- oder Sanitätshund um Rang und Punkte. Schutzhunde traten in der Vielseitigkeits- oder der internationalen Prüfung an. Die Einzelwertungen zählten sowohl für die Aargauer Meisterschaft wie auch für die Gruppenwertung der Vereine. Theres Jans trat mit ihrem 8-jährigen Drahthaar-Vizsla-Rüden Marek in der höchsten Stufe der Sanitätshunde an. Erst vor einem Monat hatte sie mit ihrer Hündin Nanya in dieser Kategorie den Schweizer-Meister-Titel errungen. Auf dem heimischen Platz durfte nun aber Marek sein Können zeigen.

Sanitätshunde kommen in Ernstfällen zum Einsatz und werden aufgeboten, um vermisste Personen zu suchen. Doch es gibt auch den sportlichen Wettkampf mit festgelegten Regeln. Marek musste in einem 120 mal 400 Meter grossen Waldstück drei Personen, sogenannte Figuranten, sowie einen Rucksack aufspüren und seiner Hundeführerin anzeigen. Das Wettkampfgelände befand sich in der Nähe des Brünnelichrüz in Gontenschwil. «Wir kennen das Gebiet nicht, obwohl es sehr nahe ist», erklärte Theres Jans. Sorgen bereiteten ihr wie auch den übrigen Wettkampfteilnehmern die vielen Brombeerstauden in der linken Hälfte des Suchgebietes.

Früh genug machte sich Theres Jans auf zum Suchrevier. Eine Bekannte versteckte sich im Wald, damit Theres Jans ihren Hund auf den Wettkampf vorbereiten konnte. Dann ging es los. Eine Strasse führt mitten durch das Suchrevier. Von dort aus schickte Jans den Hund mit dem Kommando «Revier» in den Wald hinein. Plastikbänder zeigten ihr die Grenzen des abzusuchenden Gebiets. Hatte Marek diese erreicht, rief sie ihn mit einem Pfiff zurück und schickte ihn gleich wieder in die andere Richtung los.

Historischer Augenblick

Konzentriert arbeiteten Marek und seine Besitzerin, als plötzlich ein Spaziergänger mit Hund das Revier durchquerte. Doch nur den Zuschauern blieb das Herz kurz stehen, der erfahrene Sanitätshund liess sich überhaupt nicht ablenken und zeigte schon kurz danach den ersten Fund an. Mit dem an seinem Halsband festgemachten «Bringsel» im Maul kehrte er zu Theres Jans zurück, die ihn mit dem Befehl «zeig» aufforderte, sie zur aufgefundenen Person zu führen. Ohne Probleme fand Marek anschliessend auch die beiden anderen Figuranten sowie den Rucksack. Die Richterin war beeindruckt von der Leistung der beiden. «Das ist ein historischer Augenblick», sagte Claudia Lüthi bewegt, «Seit zwölf Jahren bin ich als Richterin tätig, aber heute kann ich zum ersten Mal die Höchstpunktzahl vergeben.»

«Marek war einfach sensationell», erklärte Theres Jans überglücklich. «Er ist gleich von Anfang an super gelaufen, dann kommt es jeweils gut.» Auch die abschliessende Unterordnungsprüfung erledigte Marek beinahe ohne Makel, nur gerade zwei Punkte zog die Richterin bei seiner Leistung ab. «Er war wohl noch etwas müde von der Reviersuche», meinte Theres Jans, «aber ich bin vollkommen zufrieden.» Kein Wunder, fügte sie doch am Samstag ihrer eindrücklichen Titelsammlung einen weiteren hinzu.