Unterkulm
Hunde haben kaum Heimweh – im Gegensatz zu Katzen

Während Herrchen und Frauchen am Strand liegen, tobt sich der Hund oder die Katze im Rudel aus. Selbst zum abspecken werden die Tiere vorbei gebracht. Im Tierhöfli Böhler herrscht derzeit Hochbetrieb.

Sibylle Haltiner
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Natascha Kneubühler ist Tierpflegerin in Ausbildung und kümmert sich im Tierhöfli Böhler um das Wohl der vierbeinigen Feriengäste.

Natascha Kneubühler ist Tierpflegerin in Ausbildung und kümmert sich im Tierhöfli Böhler um das Wohl der vierbeinigen Feriengäste.

Rahel Plüss

Es ist nicht auszumachen, wer sich mehr über das Wiedersehen freut: Geppetto oder Margret Meier. Nach seinem einwöchigen Aufenthalt im Tierhöfli Böhler hüpft der zweieinhalbjährige Zwergschnauzer aufgeregt um seine Besitzerin herum, die ihrerseits sagt: «Ich bin froh, ihn wiederzuhaben.» Doch der Hund hat sich in der Zeit im Tierheim keineswegs gegrämt. «Er kommt immer gerne hierher», versichert Margret Meier. «Geppetto kann sich gut anpassen und liebt den Kontakt mit anderen Hunden.» Ueli Minder, Tierpfleger im Tierhöfli Böhler, bestätigt: «Er ist sehr selbstbewusst, sofort mit allen anderen Hunden per Du und hat nie Streit mit ihnen.»

Glücklich beim Herumtoben

Wie Geppetto gehe es den meisten Hunden im Tierheim, versichert Minder. «Sie kommen gerne, gehen aber auch gerne wieder heim.» Fast alle können in das Rudel integriert werden. «Oft schätzen die Besitzer ihren Hund falsch ein, meinen, er vertrage sich nicht mit anderen Tieren. Doch die meisten sind sozialkompatibel.» Bei der Integration ins Rudel, das jeweils aus etwa fünf bis acht Hunden besteht, werden die Tiere überwacht. «Es ist immer jemand dabei, der darauf achtet, dass keiner gemobbt wird und keiner pöbelt.» Beim Spiel mit den Artgenossen haben auch die Hunde eine Abwechslung vom Alltag, ebenso wie ihre Frauchen und Herrchen, die sich in den Ferien entspannen.

«Nur wenige Hunde leiden unter Heimweh», erzählt Minder. Schwieriger sei es mit den Katzen, für welche das Tierhöfli ebenfalls Betreuungsplätze anbietet. «Bei einigen hilft es, wenn wir uns Zeit nehmen und mit ihnen schmusen. Andere sind jedoch überhaupt nicht zugänglich.» Da könne man fast nichts machen, um den Tieren den Aufenthalt im Heim schmackhaft zu machen. «In solchen Fällen schlagen wir den Besitzern vor, eine andere Lösung zu suchen, bei der die Katze nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden muss, beispielsweise eine Betreuung durch Bekannte oder Tiersitter.»

Probewohnen machts leichter

Viele Hunde kommen vor dem eigentlichen Ferienaufenthalt ein- oder zweimal zum Probewohnen und übernachten im Tierheim. «Wenn sie dann wiederkommen, haben die Tiere ein Déjà-vu und es geht viel einfacher», so Minder. Sogar nach einem Jahr würden Hunde das Tierhöfli wiedererkennen.

Rund 20 Hunde und bis 15 Katzen kann das Tierhöfli beherbergen. Minder wünscht sich von den Besitzern, dass sie möglichst früh reservieren. Auch geimpft müssen die Tiere sein, da sie mit vielen anderen in Kontakt kommen.

Spaziergänge mit den Tierheimangestellten und das Herumtoben im Rudel sorgen für genügend Bewegung der vierbeinigen Feriengäste. «Es gibt sogar Besitzer, die mit übergewichtigen Hunden kommen und darum bitten, dass wir sie abspecken, quasi Wellnessurlaub», erzählt Minder lachend. «Leider haben die Tiere, wenn sie ein Jahr später wieder kommen, die verlorenen Kilos wieder auf den Rippen.»