Kurt Huber (Name geändert) ist ein Heimwerker. Seinen Hühnerstall hat der 63-jährige Wynentaler aus alten Brettern zusammengebaut. Nachts dösen zwölf Hühner auf den Hühnerstangen.

Damit die Tiere gesund bleiben, befreit er die Stangen regelmässig von Schädlingen. Huber, kein Freund von Chemie, bestreicht dazu vor seinem Haus die Stangen mit Diesel und wirft den Bunsenbrenner an – auch wenn seine Frau das gar nicht gern sieht. Doch so schnell die Stangen in Flammen stehen, so rasch ist das Feuer verpufft. Huber lässt die Stangen abkühlen und setzt sie von Hand wieder im Hühnerstall ein. So läuft das seit 30 Jahren.

Eine Bagatelle – und doch keine

An einem Dienstag im März 2015 waren die Stangen nicht das Einzige, das brannte. Nachdem Kurt Huber die Hühnerstangen mit dem Bunsenbrenner behandelt und wieder im Stall installiert hatte, schossen dort Flammen aus dem Dach. Huber goss mit der Hilfe von Nachbarn Wasser aus einem Regenfass über das Feuer.

Dieses schien schnell unter Kontrolle, die Hühner waren nie in Gefahr. Hubers Frau alarmierte dennoch zur Sicherheit die Feuerwehr. Diese löschte die letzten Flammen. Das Feuer hatte einige Bretter verkohlt, zudem wurden Ziegel beschädigt. Eine Bagatelle, wie ein Polizist sagte, als er Kurt Huber beim Abschied die Hand drückte.

Eine Bagatelle. Das war einmal. Inzwischen hat sich der Hühnerstall-Brand zu einem Rechtsfall mit zwei Strafbefehlen und einer Gerichtsverhandlung entwickelt, die nun am Bezirksgericht Kulm stattfand.

«Ich verstehe die Welt nicht mehr», sagte Kurt Huber zu Gerichtspräsident Christian Märki. «Es ist lediglich ein kleiner Schaden entstanden, der nur mich traf und den ich mit wenigen Handgriffen reparieren konnte.» Er sei ein unbescholtener Bürger und werde «wie ein Schwerverbrecher» behandelt.

Denn die regionale Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm hatte Huber zuvor per Strafbefehl wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst zu einer Busse von 500 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 1800 Franken verurteilt – mit Eintrag ins Strafregister. Eine Feuersbrunst liegt dann vor, wenn bei einem Feuer Drittpersonen geschädigt werden oder dadurch eine Gefahr für die Allgemeinheit entsteht.

Zudem wurden dem Rentner Verfahrenskosten von 1180 Franken aufgebrummt.

Das akzeptierte Kurt Huber nicht. Er erhob Einsprache gegen den Strafbefehl und zerriss diesen vor den Augen der Staatsanwältin. Die Staatsanwaltschaft krebste zurück und erliess einen abgeschwächten Strafbefehl. Neu wurde Huber wegen Widerhandlung gegen das Brandschutzgesetz mit 300 Franken gebüsst (plus 760 Franken Verfahrenskosten).

Auch gegen diesen Strafbefehl erhob er Einsprache, weshalb der Fall nun vor Gericht verhandelt wurde.

Mit Hühnerstange im Gericht

Vor Gericht zeigte sich: Kurt Huber hat sich zu Recht zweimal gewehrt. Auch Gerichtspräsident Christian Märki kritisierte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. «Das Gericht stellt mit Erstaunen fest, dass man Sie wegen einer Feuersbrunst verurteilen wollte», sagte Märki. Es habe keine Gefahr für Dritte bestanden. «Hätten Sie sich nicht gewehrt, wären Sie jetzt vorbestraft.»

Auch der neue Strafbefehl wegen Zuwiderhandlung gegen das Brandschutzgesetz überzeugte den Gerichtspräsidenten nicht. Märki sprach Kurt Huber von diesem Vorwurf frei. Es sei nicht erwiesen, dass die erkaltete Hühnerstange den Brand verursacht hat; eine andere Brandursache könne nicht ausgeschlossen werden. Zudem habe der Angeschuldigte die Arbeit mit dem Bunsenbrenner in genügender Entfernung vom Hühnerstall verrichtet.

Kurt Huber zeigte sich nach der Verhandlung erleichtert. Der Groll aber bleibt. «Ohne juristische Hilfe aus meiner Familie hätte ich keine Chance gehabt und wäre als Brandstifter verurteilt worden», sagte Huber, packte seine Sachen und verliess das Gericht – unter dem Arm eine Hühnerstange, die er zur Veranschaulichung mitgebracht hatte.