Vom Publikum ist kein Mucks zu hören. Die Violinsonate von Franz Schubert verzaubert, lässt einige die Augen schliessen, andere leicht mit dem Kopf wiegen. Auf Violine und Flügel spielen Valeriy Sokolov und Evgeny Izotov, zwei preisgekrönte Meister ihres Fachs. Doch da mischt sich noch ein dritter Klang ins Konzert: Das aufdringliche Rauschen, das von Schubert zwar nicht vorgesehen war, sich aber gelungen in die Sonate einfügt, kommt vom Regen, der mit voller Wucht auf das Konzertzelt prasselt.

Musiziert wird nicht in einem prunkvollen Konzerthaus, sondern auf der Passhöhe des Böhlers, wo die Zürcher Hoteliersfamilie Manz am Wochenende die ersten «Musiktage Dornegg» veranstaltete. Dazu wurde im Hof ihres Anwesens ein Holzboden verlegt, eine Bühne errichtet und alles regensicher überdacht. Dafür haben Hotelkönigin und Jetset-Dame Ljuba Manz und ihre Söhne, die Pianisten Alexander und Michael Manz, Starvirtuosen aus ihrem Musikerzirkel zusammengetrommelt. Die Bühnenbeleuchtung wurde aus dem Zürcher Viersternehotel St. Gotthard auf den Böhler transportiert, dem wohl berühmtesten der Manz-Hotels.

Wiederkehrende Festivals

Die dreitägigen Musiktage bilden den Auftakt von regelmässigen Konzerten, die Ljuba Manz und ihre Söhne auf ihrem Landanwesen planen. Der Ort, den die heute 37-jährigen Zwillinge und deren Freunde mit Proben und spontanen Konzerten einst mit Musik erfüllten, soll eine neue musikalische Bedeutung erhalten. Die eines Schauplatzes für Klassikkonzerte und -festivals für Musikbegeisterte aus der Nachbarschaft. «Ich wollte die Menschen, die in dieser herrlichen Gegend wohnen, ganz einfach mal willkommen heissen», sagte Ljuba Manz am Eröffnungsabend am Freitag. Und was eigne sich besser dazu, Freundschaften zu schliessen, als die Sprache der Musik?

Dass dies keine leeren Worte einer Hoteladeligen waren, zeigte sich bereits in der Pause, als der Aperitif wegen des Regens vom Vorplatz kurzerhand in die gute Stube des Landhauses gezügelt wurde. Und dort zeigte sich, dass es bei Einladungen in High Society-Kreisen gar nicht so anders zu und hergeht, als in den Esszimmern der Konzertbesucher. Während die Gastgeberin mit ihren Gästen plauderte und lachte, rannten die Söhne Manz zwischen Küche, Esszimmer und Wintergarten hin und her, um dieses zu bringen und jenes zu richten. Alleine die Kellner im Smoking erinnerten an die Liga, in der man sich bewegte.

Vergnügen für Musiker

Vergnügen bereiteten die Konzerte auf dem Böhler offensichtlich auch den Musikern, die am Freitag Zugabe um Zugabe gaben und als Überraschung zum Ende gar die Brüder Chugai auf die Bühne holten, deren erster Auftritt erst am Samstag geplant war. «Es ist oft befriedigender, in Kammermusik-Umgebung vor einem kleineren Publikum zu spielen, als in einer riesigen Konzerthalle», sagte Alexander Manz. Der Musiker sei so viel näher dran beim Zuhörer. Die Tage, als sie mit ihrem Musikerzirkel nächtelang Freunde und Familie im Landhaus unterhielten, sind den Brüdern noch in bester Erinnerung. «Einmal jedoch schlossen wir unsere Flügel kurzerhand mit dem Schlüssel ab. Es war die einzige Möglichkeit, im Morgengrauen endlich ins Bett zu kommen», erzählte Alexander Manz.

Die Musiktage seien ein Versuch, so die Hotelière. Er diene der Familie dazu, das Interesse der Bevölkerung für Klassik zu messen. Dieses, so stellte sich bereits am Eröffnungsabend heraus, ist enorm. Die zusätzlichen Stühle, die aus dem Haus geholt wurden, hatten kaum alle Platz im Zelt. «Der grösste Applaus gehört Ihnen», sagte Ljuba Manz deshalb ihrem Publikum. Der Publikumserfolg lässt die Glamourdame sogleich neue Projekte aufziehen: «Ich denke daran, einen Konzertsaal für 300 Leute ans Haus anzubauen.»