Ist das das Ende des Holziker Spitex-Sonderzugs? Im November vermeldete der Gemeinderat, er würde «in den nächsten Wochen über diverse Kanäle Stellenausschreibungen für zwei bis drei freiberufliche Pflegefachfrauen schalten». Parallel dazu würden die Gespräche mit weiteren Spitex-Organisationen aufgenommen. Grund eins für die Suche: Die Pflegefachfrau Karin Adamczewski, Teil der Holziker Spitex-Lösung, hat die Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde gekündigt. Weil sie zurück nach Deutschland zieht, wird sie im Frühling die Organisation «Spitex-Pflege» (die für die Erbringung von Spitex-Dienstleistungen für Holziken gegründet wurde) verlassen.

Grund zwei: Für Pflegefachfrau Martina Hohler-Engel, die vergangenen Sommer die Leistungsvereinbarung aufgelöst hatte, konnte noch kein Ersatz gefunden werden. Statt drei zählt die «Spitex-Pflege» aktuell nur zwei Fachpersonen, eine davon im gekündigten Status. Gemäss kantonalem Pflegegesetz müssen die Gemeinden ein bedarfsgerechtes und qualitativ gutes Angebot der ambulanten und stationären Langzeitpflege sicherstellen.

Alleingang bei Spitex

Als einzige Gemeinde der Region ist Holziken nicht der Spitex Suhrental Plus angeschlossen. Nach dem Abgang von Hohler meldete die Gemeinde, dass ab dem 1. Juli 2018 mit der Aarauer Fuchs Spitex eine Leistungsvereinbarung existiere. Ist diese Vereinbarung weiterhin intakt? Wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt, kann sie zur diesbezüglich aktuell keine Auskünfte geben. «Die Fuchs Spitex ist weiterhin ein Thema», sagt Gemeindeschreiber Marco Bieri. Die Gemeinde habe die beiden Stellen ausgeschrieben. Da die Anforderungen an freiberufliche Spitex-Pfleger hoch seien und grosse Flexibilität voraussetzten, sei es nicht einfach, jemanden zu finden. Man prüfe derzeit mehrere Varianten und sei sowohl für eine Leistungsvereinbarung mit freiberuflichen Pflegefachpersonen wie auch mit einer privaten Spitex-Organisation (wie der Fuchs Spitex) offen.

Heisst das, dass ein Anschluss an die Spitex Suhrental Plus nicht ausgeschlossen ist? «Wir prüfen alle möglichen Varianten, damit wir für Holziken die bestmögliche Lösung finden», sagt Bieri. Da der Gemeinderat aber immer noch in der Prüfungsphase stecke, könnten noch keine weiteren Angaben gemacht werden.

Fusion drängte sich auf

Als sich 2012 die die sechs Spitex-Organisationen Aarau, Unterentfelden, Oberentfelden, Kölliken-Safenwil-Uerkheim-Bottenwil, Muhen-Hirschthal-Holziken und Oberes Suhren- und Ruedertal zur Spitex Suhrental Plus zusammenschlossen, stellte sich Holziken quer. Die Fusion drängte sich damals wegen zunehmenden Anforderungen an die Spitex auf: Die Bevölkerung wird immer älter und immer mehr pflegebedürftige Menschen werden zu Hause betreut. Für die auf sie zukommenden Aufgaben seien sie zu klein, waren sich die Organisationen einig, und schlossen sich zu einer 17 Gemeinden umfassenden Spitex zusammen.

«Massgeschneidert»

Zwar sagte im März 2012 auch die Spitex-Organisation Muhen-Hirschthal-Holziken mit 55 zu 5 Stimmen Ja zu Fusion. Doch schon im Mai verkündete der Holziker Gemeinderat den Alleingang des Dorfs. Ihre Spitex-Lösung mit drei Pflegerinnen sei «massgeschneidert fürs Dorf», sagte der damalige Gemeindeschreiber Hans Ulrich Mathys.

Bereits ein Jahr bevor die einzelnen Organisationen über einen Zusammenschluss abstimmten, wurden aus Holziken Bedenken gegen einen Zusammenschluss geäussert. Mathys sagte damals, Holziken würde eine kleine Spitexorganisation vorziehen. Eine kleine Organisation, so Mathys, sei auch günstiger.