Schöftland

Holz-Seitensprung: WWF stärkt SVP-Nationalrätin Flückiger den Rücken

Die SVP-Nationalrätin und Holz-Unternehmerin steht in der Kritik. Zurecht?

Sylvia Flückiger in ihrem Eigenheim.

Die SVP-Nationalrätin und Holz-Unternehmerin steht in der Kritik. Zurecht?

SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger weibelt politisch für Schweizer Holz. In der eigenen Firma setzt sie aber lieber auf Ausländisches und verwendete für den Bau ihres Eigenheims Tropenholz. Nun melden sich der WWF sowie Branchenvertreter zu Wort.

Was kürzlich an die Öffentlichkeit gelangte, klingt auf den ersten Blick kurios: Während Sylvia Flückiger im Nationalrat für mehr "Swissness" in der Holzindustrie weibelt und zudem Präsidentin des Dachverbandes der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft Lignum ist, setzt sie im eigenen Unternehmen Flückiger Holz AG auf ausländisches Holz. Lediglich 30 Prozent des in der Firma verkauften Holzes stammt aus Schweizer Wäldern. Der Rest kommt aus dem Ausland. 

Sylvia Flückiger will mit einer Motion durchsetzen, dass Schweizer Kulturgut in Schweizer Händen bleibt

Sylvia Flückiger kämpft als Nationalrätin für einheimisches Holz.

"In keiner Weise ein Skandal"

Für ihren Holz-Seitensprung erntet Flückiger einerseits Kritik. Andererseits bekommt sie aus ihrer Branche Unterstützung. Zuerst machte ihr Verband Lignum in einer Mitteilung klar, dass dies "in keiner Weise ein Skandal" sei, weil in der Schweiz "nach den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft" seit jeher auch grosse Anteile an importiertem Holz eingesetzt würden.

Nun verteidigen auch die Aargauer Holzhändler Flückiger: Leider scheitere der Einsatz von Schweizer Holz oft am Preis, sagt Martin Wyss, Geschäftsführer der Bearbeitungs- und Zuschnittzentrum AG. "Der Endkunde ist nicht immer bereit, rund 20 Prozent mehr zu bezahlen." Zu Flückigers Firmenpolitik meint Wyss: Eine über Jahre aufgebaute Kundenstruktur, welche die Eigenschaften von ausländischen Hölzern schätze, lasse sich nicht von einem auf den anderen Tag verändern.

Auch Hansjörg Steiner, Präsident von Holzbau Schweiz Sektion Aargau, kann die Kritik nicht nachvollziehen: "Mit hohem Engagement setzt sich Sylvia Flückiger in Bundesbern für unsere Branche ein. Oftmals ist einheimisches Holz für die Produktion schlicht weniger geeignet als importiertes", sagt er. Was sie privat mache, sei ihr gutes Recht und keineswegs verwerflich.

Für WWF ist Herkunft weniger wichtig

Auch für den Bau des Eigenheims im Schöftland verwendete die SVP-Nationalrätin ausländisches Holz: Die Fassade besteht aus dem Tropenholz Sipo aus der Familie der Mahagoni-Hölzer. Es gilt als widerstandsfähig und ist aufgrund seiner schönen Struktur bei der Kundschaft beliebt. Das Sipo-Holz aus Kamerun und dem Kongo stamme aus einem geringen Restposten ihrer Firma, welches nicht mehr verkauft werden konnte, rechtfertigt sich Flückiger. Das verbaute Tropenholz sei mit dem FSC-Label versehen gewesen, sagt sie.

Auch hier bekommt Flückiger Unterstützung und zwar vom WWF.

"Wenn das Tropenholz FSC-zertifiziert ist, hat Frau Flückiger aus unserer Sicht richtig gehandelt", sagt Corina Gyssler von WWF Schweiz. Das Label stehe für eine soziale und umweltgerechte Waldwirtschaft. Diese Standards seien ein Minimum für die Erhaltung der Wälder. Da der Schutz der Tropenwälder sehr wichtig sei, empfehle es sich, beim Kauf von Holz und Holzprodukten auf das FSC-Label zu achten. "Für uns steht die Herkunft des Holzes weniger im Vordergrund. Für den WWF ist wichtig, dass das Holz aus verantwortungsbewusster Produktion kommt."

Meistgesehen

Artboard 1