Im Aargau hat es Hunderte von Altlasten. Aber nur ganz wenige ehemalige Kehrichtdeponien (häufig «Schutti» genannt) müssen derart umfassend saniert werden wie diejenige in Hirschthal. Denn die Deponie «Chropfboden» liegt in unmittelbarer Nähe einer der wichtigsten Quellen des Dorfes. Darum wurde sie bereits 1965 geschlossen und das sieben Aren grosse Areal aufgeforstet.

Heute wachsen auf der «Schutti» grosse Tannen. Aber der Untergrund ist nicht sauber. Darum ist nötig, was Experten «Totaldekontamination» nennen: eine Ausbaggerung der Abfallgrube. Ähnlich wie in der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK), aber einfach ein x-faches kleiner und wegen des harmloseren Inhalts deutlich weniger gefährlich.

Insgesamt müssen 300 bis 400 Lastwagen Material wegtransportiert und fachgerecht entsorgt werden. Das kostet 1,62 Millionen Franken. Die Hirschthaler haben Glück, dass sich Bund und Kanton mit 70 Prozent an den Kosten beteiligen. Aber es entstehen ihnen immer noch Kosten von 484 650 Franken. An der Gemeindeversammlung vom 8. Juni sollen sie das Geld für die Sanierung bewilligen.

Neben Kehricht auch Kunstharz

Die Deponie «Chropfboden» befindet sich weit hinten im Hirschthaler «Tal» in einem kleinen Seitenspickel (Taleinschnitt «Moos») mit einer Wiese. Sie liegt auf einer Parzelle der Ortsbürgergemeinde. Betrieben wurde die Deponie von der Einwohnergemeinde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg etwa zwanzig Jahre lang. Es wurde einfach Material in einer kleinen Senke abgelagert. Auf verwitterter Molasse, teilweise auf Bachablagerungen. Deponiert wurde laut der Gemeindeversammlungsvorlage «Hauskehricht, Bauschutt, Aushub, Sperrgut sowie Kunstharz aus einem lokalen Betrieb».

Also all das, was man früher in die «Schutti» brachte. Laut den Experten dürfte der Deponiekörper bis zu sechs Meter mächtig sein: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass in der Deponiesohle Schadstoffe in Klüfte eingedrungen seien.

Die Hirschthaler haben schon relativ bald gemerkt, dass die Deponie «Chropfboden» an einem sehr ungünstigen Ort liegt. «Aufgrund ihrer Nähe zu Quellfassungen wurde die Deponie im Jahr 1965 geschlossen», heisst es in der Vorlage. Sie wurde mit einer etwa ein Meter dicken Schicht überdeckt und das Areal aufgeforstet. Die zugeschüttete Deponie liegt in den heutigen Grundwasserschutz-Zonen der «Chropfboden»-Quellfassungen.

Wald wird abgeholzt

«Die Gesamtmenge belasteter Materialien im Deponieperimeter wird auf rund 3300 Kubikmeter respektive rund 6800 Tonnen geschätzt», schreibt der Gemeinderat. Sämtliches belastetes Material soll entfernt werden. Dafür muss der Wald abgeholzt werden. Das Ausbaggern wird rund zwei Monate dauern. Die drei Quellen werden in dieser Zeit ausser Betrieb genommen.

Nach der Ausbaggerung wird das Terrain auf dem Niveau der Deponiesohle wieder einem natürlichen Geländeverlauf angeglichen. Es entsteht also wieder die Landschaft, wie sie vor 1945 war.