Hirschthal
Nach langem Hin und Her: Das Hochstudhaus soll beim Dorfeingang bleiben und um fünf Meter versetzt werden

Die Versetzung des über 200-jährigen Bauernhauses wird jedoch sehr teuer. Deshalb sucht die Gemeinde nun einen Investor.

Flurina Dünki
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Das Hochstudhaus soll ein paar Meter von den WSB-Geleisen weg versetzt werden. So kann dem Wunsch der Aargauer Denkmalpflege entsprochen werden, es an Ort zu erhalten.

Das Hochstudhaus soll ein paar Meter von den WSB-Geleisen weg versetzt werden. So kann dem Wunsch der Aargauer Denkmalpflege entsprochen werden, es an Ort zu erhalten.

Flurina Dünki /
Aargauer Zeitung

Beim Streit, ob das Hochstudhaus am Hirschthaler Dorfeingang abgebrochen werden kann oder ob es an Ort erhalten werden muss, ist man zu einer vorläufigen Lösung gekommen. Die Aargauer Denkmalpflege will das Bauernhaus mit Baujahr 1803 dort erhalten, wo es heute steht. Die Familie Dietiker, denen das Grundstück gehört, hätte auf dem Platz des Hochstudhauses gerne das vierte Gebäude ihrer Wohnüberbauung gesehen. Die anderen drei Mehrfamilienhäuser daneben sind schon im Bau. Es wäre auch grossen Wert auf entsprechende Ästhetik gelegt worden.

Aus dem Neubau wird nun vermutlich nichts. Statt der ursprünglich 32 geplanten Wohnungen werden wohl nur jene 28 entstehen, die schon im Bau sind. Denn in der aktuellen Kompromisslösung, ausgehandelt durch Gemeinderat, Kanton, Aargau Verkehr, AVA (früher WSB) und die Grundeigentümer, bleibt das Hochstudhaus bestehen. Es wird aber um etwa fünf Meter von den WSB-Geleisen weg versetzt.

Heutige Eigentümer steigen aus

Denn exakt am jetzigen Ort könnte es gar nicht stehen bleiben. Die Bahn muss die nur wenige Schritte entfernte Haltestelle Hirschthal ausbauen, damit diese behindertengerecht wird und damit das Perron lange genug ist für die neuen, 60 Meter langen Zugskompositionen. Das künftige Perron würde das Hochstudhaus streifen. Das Haus geniesst keinen kantonalen Schutz, sondern ist lediglich als schützenswertes Gebäude im Gemeindeinventar aufgelistet.

Eine Planungsstudie zum Haltestellenausbau der Bahn zeigte vier Varianten auf, wobei am Ende die Bahn jene des Versetzens des Hauses bevorzugt. Die AVA rechnet mit einem Ausbau der Haltestelle per 2027/28. Eine Versetzung des über 200-jährigen Bauernhauses hatten die Grundstücksbesitzer im Rahmen der Überbauungsplanung auch schon geprüft. Wegen der horrenden Kosten – auf 850'000 Franken schätzten Experten damals den Rück- und Wiederaufbau – verwarfen sie die Idee aber wieder.

Anstelle des Hochstudhauses hätte ein Wohnhaus gebaut werden sollen, der Rest der Überbauung wächst bereits.

Anstelle des Hochstudhauses hätte ein Wohnhaus gebaut werden sollen, der Rest der Überbauung wächst bereits.

Flurina Dünki /
Aargauer Zeitung

Teuer ist das Unterfangen, weil ein Grossteil der Bausubstanz nicht mehr brauchbar ist, insbesondere der Dachstock und die Fundation. Ein Wiederaufbau kommt fast einem Neubau gleich. Die Eigentümer sind bei diesem Projekt denn auch nicht mehr im Boot. Deshalb wird jetzt ein Investor gesucht, der den Wiederaufbau, inklusive Bau eines neuen Kellergeschosses mit Anschluss an die sich im Bau befindliche Tiefgarage realisieren soll. Das entsprechende Land soll dafür abparzelliert werden.

Umgestaltung in Wohnhaus ist Herausforderung

Ins Haus kämen vermutlich eine Wohnung und ein Büro oder Ateliers. Einfach sei es nicht, aus dem Bauernhaus zeitgemässe Wohn- und Arbeitsräume zu realisieren, die den heutigen Bauvorschriften entsprächen, sagt der zuständige Gemeinderat Markus Goldenberger. «Allein schon die Versorgung mit ausreichend Tageslicht im Bereich der Scheune ist eine grosse Herausforderung.» Für Licht sollen Glasfronten sorgen, zudem würde das Dach etwas angehoben, damit zusätzliche Fenster eingebaut werden können.

Eine Skizze, wie das wiederaufgebaute Hochstudhaus aussehen könnte.

Eine Skizze, wie das wiederaufgebaute Hochstudhaus aussehen könnte.

Zvg / Aargauer Zeitung

Doch der ganze Bereich unter dem charakteristisch hohen Dach bliebe praktisch fensterlos - und kaum nutzbar. Sollte sich bis im Herbst kein Investor melden, möchte der Gemeinderat dem Kanton vorschlagen, das Hochstudhaus rückzubauen und allenfalls auf einem anderen Hirschthaler Grundstück neu aufzubauen. Der Landwirt, der einst dazu bereit gewesen wäre, ist inzwischen abgesprungen, doch es gibt noch andere Interessenten. Vorgängig würde man das Gespräch mit dem Heimatschutz suchen. Dessen Einwendung gegen den Abbruch des Hochstudhauses (Teil des Baugesuchs für die Wohnüberbauung) ist noch hängig.