Einzonung

Hirschthal kämpft trotz beengtem Standort für 100 neue Jobs

Diese Wiese im Gebiet «Neumatte» soll eingezont werden.

Diese Wiese im Gebiet «Neumatte» soll eingezont werden.

Dafür braucht es die Hilfe des Grossen Rates. Für eine Einzonung muss der Richtplan geändert werden. Das Mitwirkungsverfahren läuft.

«Aktuell gehen wir davon aus, dass wir in den nächsten 10 Jahren etwa 50 zusätzliche Arbeitsplätze in Hirschthal aufbauen werden.» Das schreibt die Firma Jungheinrich, die ihren Schweizer Sitz seit 1996 im Suhrental hat. Eine gefühlte Ewigkeit gibt es «Pfiffner Messwandler» (230 von 750 Jobs in Hirschthal).

Auch sie bewegt sich in einem expandierenden Markt. Doch: «Bereits heute ist unser Standort in Hirschthal sehr beengt», schreibt der Eigentümer Fritz Hunziker. «Zusätzliches Wachstum ist in der jetzigen Umgebung nicht möglich.»

Ähnliche Probleme hat die A. Meier Gartenbau AG: «Unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit hängt massgebend von der zeitnahen Bereitstellung von Ausbauflächen für unseren Werkhof in Hirschthal ab.»

Diese Aussagen zeigen: Das Dorf Hirschthal hat ein Luxusproblem – zumindest theoretisch. Denn praktisch ist die in Aussicht gestellte Schaffung von rund 100 Arbeitsplätzen alles andere als sicher. Und das liegt an der öffentlichen Hand, respektive an der Fähigkeit, zeitnah Land für Gewerbe einzuzonen. Das muss Hirschthal machen, denn seine bestehenden Gewerbezonen sind faktisch überbaut.

Hirschthal wird im Dorf auszonen

Man glaubt sich auf einem guten Weg: Hirschthal ist es gelungen, Bauern, zu finden, die ihre Grundstücke verkaufen würden: Parzellen zwischen der Suhre und der Suhrentalstrasse, unmittelbar nördlich der Garage Riggenbach.

Pfiffner könnte hier bauen und würde einen zusätzlichen Übergang über die Suhre schaffen, Meier würde hierhin ziehen und so Platz für die Expansion von Jungheinrich schaffen. Im Gebiet «Neumatte» sollen 2,48 Hektaren eingezont werden.

Praktisch unbestritten

Hirschthal kann 1,51 Hektaren als Kompensation anbieten – diese Fläche wird im Dorf im Rahmen der Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ausgezont, freiwillig. Die restliche Hektare, die für die Einzonung notwendig ist, soll aus einem kantonalen Reserve-Topf kommen. Die Einzonung war im Dorf bisher praktisch unbestritten.

Damit im Rahmen der kommunalen Gesamtrevision der BNO das Gewerbeland geschaffen werden kann, braucht es eine Anpassung des kantonalen Richtplanes. Denn in diesem ist das betroffene Gebiet als nicht überbaubarer Siedlungstrenngürtel zwischen Hirschthal und Holziken definiert. Die 2,48 Hektaren müssen aus diesem Gürtel entlassen werden.

Gemeinderat hat alle Grossräte angeschrieben

Der entsprechende Entscheid des Grossen Rates soll noch vor den kommenden Sommerferien fallen. Bis am 2. März läuft das Mitwirkungsverfahren, an dem sich jedermann beteiligen kann. Um für sein Anliegen zu werben, hat der Gemeinderat Hirschthal in diesen Tagen alle Grossräte angeschrieben.

Denn es ist ein grösseres Seilziehen zu erwarten. «Die Gemeinde Hirschthal und der Regionalverband Suhrental gewichten das öffentliche Interesse an der Erhaltung des regionalen Gewerbes und der Schaffung von rund 100 Arbeitsplätzen höher als die entgegenstehenden Freihalteintressen am Standort», schreibt der Kanton in den Mitwirkungs-Unterlagen.

Und: Der Bedarf an der Erweiterung der kommunalen Arbeitszone sei «begründet und nachvollziehbar». Aber: Es geht um Fruchtfolgeflächen, deren Verlust, so der Kanton, «möglicht zu vermeiden ist». Die Diskussionen über die Hegmatte (Schöftland) und die Hochwasserschutz-Massnahmen (oberes Suhrental) haben gezeigt, wie sensibel das Thema ist.

«Es ist uns wichtig, dass wir jetzt vorwärts kommen»

Und wie weit ist die seit 2014 laufende kommunale BNO-Revision? Der zuständige Gemeinderat Markus Goldenberger hofft, dass die öffentliche Auflage noch in diesem Winter stattfinden kann. Dann muss der Grossrats-Entscheid zum Richtplan abgewartet werden.

Im optimalsten Fall kann die BNO der Wintergemeindeversammlung 2020 zur Genehmigung vorgelegt werden. «Wir sind im Verzug. Es ist uns wichtig, dass wir jetzt vorwärts kommen», erklärt Markus Goldenberger. Und er betont mit Blick auf die Einzonung:

«Es geht darum, dass sich die Betriebe in Hirschthal weiter entwickeln können. Und es geht um die Erhaltung von über 500 Arbeitsplätzen und um die Schaffung von 100 neuen Arbeitsplätzen in der Region.»

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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