Die Gemeinde Hirschthal will wieder ein Dorf mit einem echten baulichen Ortskern werden. Ob dabei im Zentrum alle historischen Gebäude geopfert werden, ist offen. Verschwinden wird sicher die Ruine des ehemaligen Restaurants Frohsinn. Der Gemeinderat favorisiert nach einer Testplanung ein Konzept, bei dem die alten Gebäude, etwa die ‹Alte Post› an der Kreuzung Haupt-/Holzikerstrasse, wenn möglich erhalten bleiben. Die Rahmenbedingungen für die Planung sind anspruchsvoll. Beispielsweise, weil gewisse Grundstückbesitzer rasch bauen möchten und die WSB die Freihaltung eines Korridors für einen späteren Doppelspurausbau wünscht. Als Nächstes wird jetzt ein Entwicklungsrichtplan ausgearbeitet. Darin werden die Baubereiche, Gebäudehöhen, Bebauungsdichte, Erschliessung, Parkierung sowie die Frei- und Grünräume festgelegt.

Die Festlegung, dass der Gemeinderat einen entsprechenden Entwicklungsrichtplan erlassen kann, soll in die laufende Revision Bau- und Nutzungsordnung (BNO) miteinfliesen. «Wir wollen die BNO-Revision so schnell wie möglich abschliessen», erklärte der zuständige Gemeinderat Markus Goldenberger an einem gut besuchten Info-Anlass. Ziel sei es, die BNO-Revision und damit die Umsetzung mittels eines Entwicklungsrichtplans ‹Zentrum› in einem Jahr der Gemeindeversammlung vorzulegen.

«Gemeinde nicht neu erfinden»

«Es besteht dringender Handlungsbedarf im Zentrum von Hirschthal», betonte Gemeindeammann Peter Stadler. Man wolle einen neuen Ortskern schaffen, der eine Identität ausstrahle. Aber: «Wir wollen die Gemeinde Hirschthal nicht neu erfinden.» Markus Goldenberger ergänzte: «Ein neues Zentrum ist für Hirschthal wichtig und liegt im Interesse des Dorfes.» Am Info-Anlass wurden Überbauungsvarianten vorgestellt. In Form von Plänen, Skizzen und Gipsmodellen. Keine fertigen Projekte, sondern Ideensammlungen, mit denen die Richtung festgelegt wird. An der Testplanung haben sich drei Architekturbüros (eines aus Aarau, zwei aus Zürich) beteiligt. Aus Sicht der Jury hat das Projekt «Collier» von Park Architekten (Zürich) die besten Ansätze aufgezeigt. Jedoch haben auch die andern beiden Projekte etliche gute Ansätze hervorgebracht, die nun ebenfalls im Entwicklungsplan Eingang finden. Die Testplanung ist grösstenteils von den Grundeigentümern finanziert worden, wobei auch der Kanton und die Gemeinde Beiträge geleistet haben.

Neubauten in der zweiten Reihe

Was hat das Beurteilungsgremium am Projekt «Collier» überzeugt? Etwa die langfristige Erhaltung der historischen Objekte (Solitäre) entlang der Hauptstrasse. «Das Projekt ‹Collier› wird als städtebauliches Gesamtkonzept favorisiert, da es einen schonenden Transformationsprozess erlaubt, ohne das Ortsbild von Hirschthal grundlegend zu verändern», steht im Schlussbericht. Die Neubauten befinden sich in der zweiten Bautiefe, hinter den bestehenden Gebäuden (siehe Plan). Es werde dort eine «massvolle Dichte für den Wohnungsbau» ermöglicht, findet die Jury. Und es bestehen kaum Abhängigkeiten, das heisst, die Gebäude können einzeln, auch in Etappen, realisiert werden. Die Jury spricht davon, das Projekt «Collier» ermögliche es Hirschthal, «sein Gesicht schrittweise zu verändern».

Zu den Dächern heisst es im Schlussbericht: «Grundsätzlich sollten sich die Solitäre in der ersten Bautiefe an den Giebeldächern der historischen Bauten orientieren, in der zweiten Bautiefe ist die Dachform frei, wenn sie sich in die bestehende Dachlandschaft gut einordnet.»

Im Projekt «Collier» wäre ein Doppelspurausbau der WSB nicht im geplanten Rahmen möglich. Das heisst, in ferner Zukunft müssten eventuell einzelne historische Objekte – allen voran die «Alte Post» – doch abgerissen werden. In diesem Fall ist vorgesehen einen zurückgesetzten Neubau mit ähnlichem Volumen zu erstellen.

Baubeginn schon 2022/23?

Wie geht es jetzt weiter? Die Gemeinde wird in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern den Entwicklungsrichtplan ausarbeiten – begleitet von einer Kommission, der alle Beteiligten sowie Experten angehören. Ist der Entwicklungsrichtplan einmal verabschiedet, ist er behördenverbindlich. Grundeigentümer und Investoren, die sich nicht an den Entwicklungsrichtplan halten wollen, unterliegen weiterhin der Gestaltungsplanpflicht. Im optimalen Fall kann 2022/23 mit der Überbauung «Zentrum Hirschthal» begonnen werden.