Therese Suter ist eine «Ur»-Köllikerin. Hier aufgewachsen, bestens vernetzt und beliebt, wie sich beim kurzen Foto-«Shooting» vor dem neuen Schulhaus «Farbweg» gezeigt hat, wo sie sofort in ein Gespräch verwickelt wurde. Nein, in diesen Neubau, der für die Kochschule und für das Textile Werken (TW) reserviert ist, zügelt Suter ihr Klassenzimmer nicht. Nach 42 Jahren Schuldienst, davon 36 Jahre in Kölliken, geht sie in Pension. Ein Zufall, aber einer, den die engagierte Pädagogin schätzt. «Ich freue mich, in einem Moment aufzuhören, in dem alles stimmt», sagt sie. Damit meint sie die Freude der Kinder am manuellen Werken, aber auch das Umfeld, das Lehrerkollegium und die Schulleitung.

Das war nicht immer so. Nach dem Seminar trat die frisch ausgebildete Arbeitsschul-Lehrerin oder Schnurpfi-Tante, wie damals TW-Lehrerinnen despektierlich genannt wurden, ihre erste Stelle in Gränichen an. Zu unterrichten hatte sie exklusiv Mädchen: Im Stricken, Nähen und in der Instandhaltung von Textilien. Als Junglehrerin hatte sie all das zu übernehmen, was ihre damaligen Kolleginnen nicht suchten. Unterricht in der Kleinklasse oder an der Gesamtschule eines Weilers. «Da musste ich hin, obwohl ich kein Auto hatte.»

Nach zwei Jahren Kampf und Strapazen hatte Therese Suter genug. «Lieber im Service arbeiten als so weitermachen», sagte sie sich damals. Sie ging für ein Jahr in die USA und arbeitete anschliessend für eine Weberin. «Gereizt hätte mich eine Ausbildung zur Töpferin. Leider ein brotloser Job.» Dann eine weitere Zäsur im Leben der Therese Suter: Lehrermangel. «Ich wurde aus Oftringen und Safenwil für Teilpensen angefragt.» Sie sagte ja und blieb im angestammten Beruf «hängen».

Erst hatte Suter in Kölliken ein Teilpensum (ergänzt durch ein ebensolches in Staffelbach), dann endlich: «nur noch» Lehrerin in Kölliken. Ihr erstes Schulzimmer? «In dem hat heute der Gemeindeschreiber sein Büro.» Dann wurde das Oberstufenschulhaus gebaut. Mit zwei Schulzimmern für Textiles Werken, das nun auch auf dem Stundenplan der Knaben stand. Nach fünf Jahren zwang der Schulraummangel zu einer «Verdichtung». TW-Lehrerin Suter muss zurück ins Gemeindehaus; ins heutige Büro des Schulsozialdienstes, ein Raum, der sich für den Unterricht wenig eignete. «Ich unterrichtete rund 20 Jahre in Provisorien», sagt Suter mit einem Lächeln im Gesicht.

Textiles Werken als Quantité négligeable? Suter hat diesen Verdacht weniger mit Blick auf die (Raum-)Politik der Gemeinde als auf jenen in Richtung «Aarau». Als sie in den Lehrerinnen-Beruf einstieg, da sah der Lehrplan für das heutige Textile Werken fünf Lektionen pro Woche vor. Dann wurden es vier und heute sind es zwei Lektionen. «Mit diesem Abbau geht wertvolles Kulturgut verloren, was auch für den Stellenwert der Handarbeit, des Textilen Werkens, gilt.»

Kann «Lismen» und dergleichen im Jahr 2015 angesichts von Billig-Textilien noch ein Thema sein? «Im Textilen Werken erfahren die Schülerinnen und Schüler, welch enorme Arbeit hinter einem T-Shirt steckt, bevor es im Laden liegt.» Zudem stelle sie fest, dass Knaben und Mädchen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – den TW-Unterricht, das Arbeiten mit den Händen, das «Durchlüften» des Kopfes, sehr schätzen und geniessen.