Adventskalender
Hinter dem 21. Türchen steckt der Beginn einer langen Freundschaft

Das Sonnenblumenschild ist Monika Villigers Lieblingsstück. Die Schaffung durch Victor Ruzo kam durch eine Inspiration von ihrer Familie.

Rahel Plüss
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Das Plakat erinnert Monika Villiger an die Begegnungen mit Maler Victor Rutz.

Das Plakat erinnert Monika Villiger an die Begegnungen mit Maler Victor Rutz.

Es ist nicht das grösste, nicht das auffälligste Schild im Menziker Tabak- und Zigarrenmuseum. Nein, da gibt es andere, die mit protzigem Schriftzug oder ausgefallenem Sujet nach Aufmerksamkeit heischen – oder dies zumindest einmal taten: Vor 30, 50 oder mehr Jahren, als ihresgleichen im In- und Ausland für Wynentaler Tabakwaren warben.

Die Sonnenblume lässt den Kopf hängen. Der Kupferkessel, in dem sie steht, ist viel zu gross, ihr fehlt der Halt.

Sie neigt sich nach vorne, als würde sie auf die gelbe Zigarrenschachtel hinunterblicken. «Villiger Export», das ist alles, was da steht. Das Emailschild hängt tief an der Wand, halb verborgen hinter einer nostalgischen Druckpresse und einem Tischchen mit allerlei Krimskrams – Zigarrenschachteln, Aschenbecher, Anzünder.

Es ist leicht zu übersehen. Dabei ist es das Lieblingsstück von Monika Villiger, der Schwester von alt Bundesrat Kaspar Villiger und dem Zigarrenfabrikanten Heinrich Villiger. Die 80-Jährige ist oft hier, macht Führungen und erzählt von alten Zeiten.

Treffen mit Victor Ruzo

«Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als er kam», sagt Monika Villiger, den Blick auf das Schild geheftet. «Er», das war Victor Rutz, jener Maler, der sich zunächst als Plakatzeichner seine Sporen abverdiente und sich später, nach dem Zweiten Weltkrieg, unter dem Namen «Ruzo» immer mehr der freien Kunst widmete.

Er, der Maler, der die kleine Monika bei seinen Besuchen beeindruckte und der ein guter Freund der Familie Villiger wurde, bis zu seinem Tod 2008.

«Mein Vater hatte Victor in Zürich kennen gelernt und eingeladen, für uns Plakate zu malen», erinnert sich Monika Villiger. Die Sonnenblume habe auf dem Kaminsims in der schönen Stube gestanden. «Meine Mutter hatte immer gerne Blumen.»

Es muss 1941 oder 1942 gewesen sein, Monika Villiger ist sich nicht mehr sicher. «Ich sehe ihn noch vor mir, wie er mit seinen Malutensilien aufgekreuzt ist, ein grosser, hübscher Mann mit feinen Gesichtszügen und schönen, langen Haaren.»

Monika Villiger nimmt den Blick nicht von der Sonnenblume. Das Motiv habe ihn inspiriert. «Victor blieb ein paar Tage, malte am Plakat, sass am Familientisch, war einer von uns.» Er hat nicht nur dieses eine Bild gemalt, aus der guten Zusammenarbeit entstand eine lebenslange Freundschaft zwischen den Familien.

«Wir Kinder haben uns immer gefreut, wenn er kam. Er war ein angenehmer Besuch und er hat mit uns Allotria getrieben.»

Das Originalbild von der Sonnenblume ist nicht im Museum zu sehen. Es hängt in der Zigarrenfabrik in Pfeffikon.

Das Sujet fand über Jahrzehnte Verwendung: auf grossformatigen Plakaten, kleinen Blechschildern, als Etikette und später sogar als Aufdruck auf Plastiktragtaschen.

Das Kupferkessi steht noch immer bei Monika Villiger im Hausflur. «Es ist etwas Besonderes», sagt sie. «Es verbindet mich mit meiner Mutter und mit der Familie Rutz.»

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