Am Morgen beginnt Martin Fehlmann, 49, seinen Arbeitstag in Menziken. Dort kippt er den Schalter seiner grossen Maschine auf «Ein» und setzt die Anlage in Gang. Dann wechselt der Mechaniker in die Nachbargemeinde Reinach und spannt die richtige Drahtrolle ein und lässt den Stahldraht einziehen.

Martin Fehlmann ist ein echter Grenzgänger im Oberwynental. Seine Maschine bei der Fischer Reinach AG steht auf der Gemeindegrenze, die durch die Halle führt. Deshalb kann Fehlmann nicht sagen, ich arbeite in Reinach oder in Menziken. Die Ausgabe der von der Maschine geformten Werkstücke erfolgt in der Mitte. Das heisst, Fehlmann ist häufig in beiden Gemeinden gleichzeitig am Werken. Für die Qualität der aus Draht geformten Produkte spiele es natürlich keine Rolle, wo die sechs Tonnen schwere Maschine stehe, schmunzelt Fehlmann. «Aber mir ist natürlich schon bewusst, wo ich gerade arbeite. Am Abend verlässt er die Firma jeweils durchs Tor in Reinach, nicht ohne vorher in Menziken den Schalter auf «Aus» zu stellen.

Fehlmann ist Mechaniker mit Leib und Seele: «Wenn ich durch die Halle gehe, achte ich auf den Klang der Maschine.» Er höre es augenblicklich, wenn etwas nicht rund laufe, wenn ein Lager angeschlagen sei. «Die alte, die echte Mechanik fasziniert mich», sagt er, «das ist meine Leidenschaft». Die computergesteuerten Maschinen in der Halle nebenan, die interessieren nicht? Sein Liebe gelte der alten Mechanik, so Fehlmann. «Ich bin ein Tüftler, kein Programmierer, ich pflege die alten Maschinen.»

Nur er kann alte Maschine bedienen

Eine alte, vollmechanische Anlage in einer Produktionshalle, rentiert das? Fehlmanns Augen blitzen auf, wenn er sagt: «Die Maschine arbeitet heute noch profitabel und fertigt die gewünschten Teile, von grossen, dicken Stahlstiften über Fleischerhaken bis zu ganz feinen Drahtteilen mit absoluter Präzision an.» Klar, eine CNC-gesteuerte Anlage könnte diese Werkstücke auch herstellen, meint der Mechaniker. «Aber nicht besser, nicht genauer.» Fehlmann ist der Einzige bei Fischers, der diese Maschine einrichten, bedienen und in Gang halten kann.» Das Zusammenspiel von Wellen, Scheiben, Gestänge, Klemmen und Rollen muss mit Schraubenschlüssel und weiterem Spezialwerkzeug eingestellt werden. «Alles spielt zusammen, jede Bewegung ist koordiniert», erklärt Fehlmann, «der Draht muss durchlaufen, darf nicht gestaucht werden.»

Fehlmann betreut noch zwei kleinere Anlagen, die noch feinere Drahtteile biegen und fertigen könne. Eine Maschine hatte den Dienst völlig versagt. Fehlmann zerlegte sie in Einzelteile, fertigte einzelne Zahnräder und Wellen neu an. «Jetzt läuft sie wieder rund, und produziert.» Es lohne sich, diese alte Anlagen in Betrieb zu halten, das habe nichts mit Nostalgie zu tun. Dass er bei der Arbeit ölige Hände bekommt, stört Fehlmann nicht, «das gehört zu einem Mech».

Umso grösser seien Freude und Berufsstolz, wenn alle drei Maschinen rund laufen. Dann zieht Fehlmann in Reinach eine Schraube nach und kontrolliert in Menziken eine Feder.