Reitnau
Hightech-Anlagen aus Reitnau erobern die ganze Welt

Die Maroplastic AG aus Reitnau baut Anlagen zum Formen und Abfüllen von Kunststoffbehältern. Rund 100 Mitarbeiter, darunter auch sieben Lernende, bauen Maschinen für den Export in zirka 70 Länder.

Peter Siegrist
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Geschäftsführer Ernst Schweizer vor einem neuen Automaten, in der Hand hält er ein Band mit Ampullen.

Geschäftsführer Ernst Schweizer vor einem neuen Automaten, in der Hand hält er ein Band mit Ampullen.

Peter Siegrist

Das kennen viele Menschen, ein entzündetes Auge, man dreht einer kleinen Kunststoffampulle den Kopf ab und schon träufeln Augentropfen ins Auge. Oder im Spital hängt eine Pflegefachfrau eine neue Flasche mit isotonischer Kochsalzlösung an den Infusionsständer. Dass man in dieser Situation mit einem Produkt aus Reitnau im oberen Suhrental in Kontakt gerät, sind sich nur wenige bewusst.

Seit 1969 entwickelt und produziert die Firma Maroplastic AG technologisch hochwertige Verpackungsautomaten nach dem Blow-fill-seal-Verfahren zum Verpacken flüssiger und pastöser Produkte. Diese Anlagen werden für die keimfreie Flüssigkeitsverpackung in Kunststoffbehälter eingesetzt. Geschäftsführer Ernst Schweizer erklärt das Verfahren so: «Eine Anlage bläst (blow) Kunststoff in eine Form (Ampulle oder Flasche), füllt (fill) unter sterilen Bedingungen eine Lösung ein und verschliesst (seal) das Gefäss.»

Ob Ampullen mit einem Milliliter Inhalt oder Flaschen mit einem Liter spielt keine Rolle, das Verfahren bleibt das Gleiche. Kundenwünsche können durch die eigene Entwicklungs- und Technikabteilung, sowie eine äusserst flexible Fertigung und Montage erfüllt werden», sagt Schweizer.

Die Kunden und deren Unterstützung stünden für die Firma und alle Mitarbeiter an oberster Stelle. «Wenn irgendwo eine Anlage ausfällt, braucht das von uns Sonderleistungen». Irgendwo, das kann am Bodensee oder im Irak sein. Maroplastic verkauft die in Reitnau entwickelten und konstruierten Maschinen zu 95 Prozent ins Ausland. «Wir exportieren heute in rund 70 Länder, rund um die Welt», so Schweizer.

Kunden global, Mitarbeiter regional

Die meisten der rund 100 Mitarbeiter kommen aus der Region. «Wir stellen meistens nur Berufsleute, Polymechaniker, Konstrukteure, Monteure, Logistiker und Kaufleute ein», erklärt der Geschäftsführer. Dies seien alles Leute, die sich ein grosses Wissen aneignen würden. «Innovative Mitarbeitende sind gefragt, die in der Lage sind, neue, einmalige Lösungen vor Ort zu entwickeln.»

Dabei leistet die Firma einen Beitrag an die Förderung des Nachwuchses. Im Schnitt erhalten sieben Lernende im Betrieb oder im technischen Büro ihre Ausbildung. Nicht selten kehren Ehemalige nach ihren Wanderjahren zurück.

Mehr Kapazität dank neuer Halle

Mit dem nun abgeschlossenen Bau der neuen Halle kann die Maroplastic ihre Produktionskapazität erhöhen. Bis zu 20 Anlagen pro Jahr können in Reitnau produziert werden.

Rund ein Jahr vergeht von der Bestellung einer Neuanlage bis zu deren Auslieferung in Reitnau. Bis zehn Wochen vor dem Termin zur Maschinenabnahme bauen die Monteure eine Anlage in der neuen Halle auf und nehmen sie in Betrieb. «Jede Maschine wird komplett auf Qualität und Funktionalität überprüft», sagt Schweizer, mehrere Dauerläufe seien nötig, um sicherzustellen, dass die Kundenvorgaben eingehalten würden. «Wenn die Kunden eintreffen, läuft die Maschine perfekt.»

Vor der Abnahme durch den Kunden werden dessen Techniker vom Hersteller auf der Anlage trainiert. In diesen Tagen zum Beispiel wurden zwei Techniker aus dem Irak auf einer Anlage unterrichtet. «Erst nach der Freigabe durch den Kunden wird die Maschine verpackt, auf Lastwagen verladen und wegtransportiert.» Beim Aufbau im Werk des Kunden sind Maroplastic-Techniker dann vor Ort.

Sondereinsätze gehören dazu

«Bei Störfällen werden von uns Sonderleistungen verlangt und erbracht», sagt Schweizer, «wir wissen um die Folgen und Verluste, wenn eine Anlage still steht.» Die Bereitschaft der Mitarbeitenden zu solchen Einsätzen sei gross, das zähle zum Besonderen in der Firma. Schweizer, der seit Juni als Geschäftsleiter wirkt, ist begeistert vom «Spirit seiner Mitarbeitenden.»

Am Wochenende wird die neue Halle mit einem Fest und einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Der ländliche Standort der Maroplastic, welche zu der Hansen-Gruppe gehört (siehe Artikel unten), ist kein Problem. Der Neubau der Montagehalle sei der beste Beweis, sagt Schweizer, dass am Standort hier im Mösli in Reitnau festgehalten werde. Die Logistik-Bedürfnisse könnten gut erfüllt werden, ein Standort näher zu einer Autobahn dränge sich nicht auf.

Der neue Geschäftsleiter ist gern im Betrieb. Ernst Schweizer, der seinen Berufsweg über eine Mechanikerlehre und das Studium am Technikum gemacht hat, lässt sich auch gern in die Konstruktionsprozesse einbinden. «Ich bin Techniker und ich will und muss jederzeit wissen, was wir tun.»

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