Wynental
Hier ist noch Platz für Gewerbe und Industrie

Der Kanton möchte im oberen Wynental klassisches Gewerbe und Industrie mit grösserem Flächenbedarf ansiedeln. In den Gemeinden werden die Pläne kritisiert. Denn viele freie Industriebrachen gibt es nicht.

Peter Siegrist
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Hier hat es Platz für Gewerbe und Industrie
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Industriegebiet im Süden von Oberkulm
Industriegebiet Mättenfeld im Norden von Gontenschwil
Industriegebiet Moos zwischen Reinach und Leimbach
Industriegebiet Bromen-Bifang in Menziken

Hier hat es Platz für Gewerbe und Industrie

Peter Siegrist

In der Grossratsdebatte zur Richtplananpassung in Gontenschwil haben mehrere Parlamentarier die Industriebrachen in Reinach und Menziken zur Überbauung empfohlen. Auch Politiker aus der Region wollten die Vorlage zurückweisen und ermahnten das Plenum, das Land zu schonen und explizit das verdichtete Bauen in bestehenden Industriezonen zu verlangen. Die bedingte Teilzonenplanänderung wurde zwar vom Grossen Rat knapp angenommen, aber der Ruf, die Gemeinden sollten die Bau- und Nutzungsplanung vermehrt regional angehen, «das Gärtchendenken aufgeben», war unüberhörbar.
Der Blick auf die Übersichtskarte «Förderung Entwicklungsschwerpunkte» zeigt, dass in der Region aargauSüd von Menziken bis Teufenthal fünf zu «Arbeitsplatzgebiete» ausgeschieden sind. Die grossrätlichen Forderungen sind jedoch nicht einfach umzusetzen.
In Menziken liegt die Industrie- und Gewerbezone mitten im Dorf und umfasst das Areal der Alu Menziken und der angrenzenden Firmen bis an die Grenze zu Reinach. Total sind es 17,8 Hektaren.
Das Industriegebiet Moos in Reinach und Leimbach ist wegen seiner Grösse im kantonalen Richtplan als Entwicklungsschwerpunkt von regionaler Bedeutung ausgeschieden. Rund 51 Hektaren sind eingezont, davon etwa 25 Hektaren überbaut, der Rest ist baureif oder innert fünf Jahren baureif, dazu kommt noch eine langfristige Reserve. Der Gemeinde gehört kein Industrieland, die gesamte Fläche ist in Privatbesitz.
Ammann wünscht Neubeurteilung

Vom Kanton vorgesehene Nutzungsschwerpunkte sind im Moos das klassische Gewerbe und die Industrie mit grösserem Flächenbedarf. Also weder Handwerksbetriebe noch Dienstleister. Dazu setzt der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz ein Fragezeichen: «Dass sich bei uns neu produzierende Industrie ansiedelt, ist ein Wunschdenken.»
Ende Jahr wird für das Moos wie auch für das Industriegelände in Menziken der Gütertransport per Bahn wegfallen, die Wynental- und Suhrentalbahn stellt den Gütertransport ein. «Produzierende Firmen brauchen jedoch einen Standort mit Anbindung an die Autobahn und Hauptachsen der Bahn», sagt Heiz.
In Reinach arbeiten noch 43 Prozent im zweiten (industriellen Sektor), mehr als 54 Prozent der Erwerbtätigen sind im Dienstleistungssektor tätig. «Die vom Kanton als Träger künftigen Wirtschaftswachstum genannten Branchen sind bei uns kaum vertreten», sagt Heiz. «Es braucht eine Neubeurteilung, Dienstleistungen sollten im Moos ebenfalls möglich sein.»
Industriebrachen hat Reinach gar keine, das leerstehende Voco-Drahtwerke-Areal wurde schon vor 20 Jahren in Wohn- Gewerbezone umgezont, eine Privatfirma plant dort Wohnungen. Auf dem Gelände einer abgebrannten Fabrik hinter dem Museum Schneggli werden zur Zeit Alterswohnungen gebaut.
Die Gemeinde Menziken hat mitten im Dorf zum Teil leerstehende Hallen der Alu AG, aber hier besteht bereits ein Projekt: Ein grosses Datacenter ist geplant. Laut Gemeindeammann Annette Heuberger besteht als Brache noch das Herkules-Areal westlich der Hauptstrasse. Ebenfalls als Industrieland eingezont, ist das Gelände der früheren Vereinigten Schreinereien im Bifang-Bromen. Dieses schliesst an die Reinacher Grenze an.
Gontenschwil kann sein Industriegebiet Mättenfeld im Norden des Dorfes nach dem Grossratsbeschluss vom 28. August um 2,4 Hektaren erweitern, mehr liegt dann aber nicht mehr drin. In Oberkulm liegt die Industrie und Gewerbezone im Süden des Dorfes. Geplant ist eine zusätzliche Einzonung von 1,27 Hektaren.
Unterkulm hat mit der KWC AG mitten im Dorf einen Industriebetrieb (4 ha) und dabei zum Teil Industriegebäude (2,4 ha), die einer neuen Nutzung zugeführt werden sollen. Das zweite Industriegebiet der Gemeinde mit 4,6 Hektaren (1,3 ha unbebaut) liegt nördlich, in der Feldmatte, wo die Unterkulmer und Teufenthaler Betriebe aufeinandertreffen. Hier plant die Gemeinde die Neueinzonung von 1,6 ha.
In Teufenthal ist nach der Schliessung der Injecta AG eine Brache entstanden (6 ha), die von grösseren und kleinen Firmen gemischt genutzt wird.
Wegweiser für die Entwicklung
Das Regionale Entwicklungskonzept von 2009 (REK aargauSüd) gibt den Gemeinden die Richtung für die Planung vor: «Die Siedlungen sind nach innen zu verdichten.» Das REK hält fest: «Die Zonenplanungen sind gemeindeübergreifend anzupacken.» Es wird vorgeschlagen, einen «Sachplan Gewerbestandorte» festzulegen.