Teufenthal
Hier begegnen sich Menschen und Tiere

Der «Katzenhübel» für Menschen mit einer Behinderung wird ohne finanzielle Hilfe des Kantons betrieben.

Barbara Vogt
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Sandra Münger und Cynthia Cavazzutti mit ihrer Hündin Alva und dem zwei Monate alten Heidschnucken-Schaf Onyx.

Sandra Münger und Cynthia Cavazzutti mit ihrer Hündin Alva und dem zwei Monate alten Heidschnucken-Schaf Onyx.

Sandra Ardizzone

Der Weg zum Bauernhof Katzenhübel ist steil. Doch auf dem Hügel angekommen, geniesst man einen schönen Blick übers Tal.

Einen steilen Weg haben auch Cynthia Cavazzutti (46) und Sandra Münger (47) begangen, um ihr altes Bauernhaus in ein Wohnhaus mit Arbeitsplätzen für erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung umzugestalten. «Es gab Zeiten, da standen wir kurz davor, unser Projekt aufzugeben», sagen sie. Umso stolzer sind die beiden Frauen, dass sie es durchgezogen haben.

Vor zwei Jahren entdeckten Cynthia Cavazzutti und Sandra Münger den abseits gelegenen Katzenhübel-Hof in Teufenthal. Sie reichten bei Gemeinde und Kanton ein Umnutzungsgesuch für ihre Lebensgemeinschaft ein. Gemeinde sowie Landwirtschaftsamt sagten Ja. Der Kanton stellte zwar eine Betriebsbewilligung aus, unterstützt den Katzenhübel aber nicht finanziell (nebenstehender Text).

Ursprünglich fassten die zwei Frauen eine Zusammenarbeit mit einer ähnlichen, jedoch grösseren Institution ins Auge: Der Katzenhübel wäre dann eine Aussengruppe von dieser geworden. «Doch wurden weder der Institution noch der Lebensgemeinschaft Bewohnerplätze zugesprochen», bedauern Cynthia Cavazzutti und Sandra Münger. Jetzt führen sie die Lebensgemeinschaft eben eigenständig als GmbH. Auch arbeiten sie mit dem Nachbarskanton Luzern zusammen, da dieser Beiträge an Aufenthalte leistet.

Arbeiten als Therapie

Im September werden die ersten Bewohner in den Katzenhübel einziehen. Sechs Leute leben künftig unter dem Dach des ehemaligen Generationenhauses, das 1845 gebaut wurde und zur Liebegg gehörte. Cynthia Cavazzutti und Sandra Münger sprechen Menschen an, die weder die Ressourcen für eine praktische IV-Anlehre noch für eine Stelle in einem geschützten Arbeitsplatz haben. Wichtig sei, dass es eine gute Durchmischung der Bewohner gebe. «Vor allem müssen sie gut zu Fuss sein, das Gelände um den Katzenhübel ist stotzig», sagen die zwei Betreiberinnen und lachen.

Auf dem Katzenhübel geht es momentan wie in einem Bienenkorb zu und her: Handwerker wirbeln durch die Räume. In der Stube wird ein neuer Lehmofen, auf dem Dach werden Solarzellen für Warmwasser installiert. In den oberen zwei Stockwerken entstehen Bäder und Schlafräume für die Bewohner. Die ehemalige Scheune des Bauernhauses wird in ein Atelier umgewandelt, in dem sich die Leute aufhalten oder kreativ sein können.

Der Bauernhof mit einem Umschwung von über zwei Hektaren Land sei für die Lebensgemeinschaft Katzenhübel wie geschaffen, sagen Cynthia Cavazzutti und Sandra Münger. Die Bewohner würden nicht nur drinnen sein, sondern vorwiegend im Freien arbeiten. «Bei uns gibt die Natur den Takt vor»: Die Bewohner bewirtschaften den Gemüsegarten, sammeln im Hühnerhof Eier ein oder holzen. Der Katzenhübel soll auch mit Tieren belebt werden: mit Lamas, Hasen, Wollschweinen – und mit Heidschnucken-Schafen, einer besonders robusten Rasse. Das Obst wird mit der eigenen Mostpresse gepresst und die Schafwolle verfilzt. «Die Bewohner sollen einen Nutzen in ihrer Tätigkeit sehen», so die Betreiberinnen: «Wenn sie ein Ei selber wägen oder Bohnen setzen können, macht sie das stolz.»

Distanz zum Heim

Die Katzenhübel-Bewohner sollen von einem rund zehnköpfigen Team, bestehend aus Sozial- und Arbeitspädagoginnen betreut werden. Auch Cynthia Cavazzutti als Heilpädagogin und Sandra Münger als Sozialpädagogin arbeiten mit. Doch leben sie nicht auf dem Katzenhübel, sondern in einem Haus in Leimbach. Diese Distanz sei für alle wichtig, «für uns als Betreiberinnen, für die Mitarbeiter und für die Heimbewohner.» Und auch für die siebenjährige Hündin Alva: Denn als ausgebildeter Sozialhund unterstützt sie die Bewohner.