Reinach

Heute gibts in diesem Altersheim keine Bettwanzen mehr

Am Jubiläumsfest werden auch selbst gestrickte Socken und Kräuteressig verkauft. Sibylle Haltiner

Am Jubiläumsfest werden auch selbst gestrickte Socken und Kräuteressig verkauft. Sibylle Haltiner

Beim Jubiläumsfest hat das Altersheim Sonnenberg seine Zimmer- und Küchentüren geöffnet. Der Stiftungsratspräsident verriet ausserdem, warum es einen Neubau braucht.

Max Schlör, Präsident des Stiftungsrats, kann sich gut an die Einweihung des Altersheims Sonnenberg vor 50 Jahren erinnern. «Ich ging an die Eröffnung, weil man eine Gratis-Bratwurst erhielt», erzählte er am Samstag anlässlich der Jubiläumsfeier. «Die Zimmer kamen mir riesig vor, und dass es in jedem ein Brünneli hatte, beeindruckte mich sehr. Hier wollte ich auch einmal wohnen.» Unterdessen finde er die Zimmer nicht mehr so gross, führte Schlör weiter aus. Doch inzwischen verfügen sie auch über ein komplettes Badezimmer, eine simple Waschgelegenheit reicht für die heutigen Ansprüche der Bewohner nicht mehr.

Das Jubiläumsfest im Sonnenberg bot den Besuchern die Möglichkeit, die Zimmer der Bewohner, aber auch die Betriebsräume zu besichtigen. Die Mitarbeiterinnen wussten auf dem Rundgang viel Interessantes zu erzählen. Zum Beispiel, dass der Lift pro Tag 9000 Mal benutzt wird, jeden Monat über 6 Tonnen Wäsche gewaschen und die Küche täglich rund 100 Personen verköstigt. Die Besucher durften auch die Dachterrasse mit den Kräuterbeeten besichtigen und den tollen Ausblick geniessen sowie einen Blick hinter die Türen der geschlossenen Demenzstation werfen.

An der Jubiläumsfeier nahm auch Johanna Ernst teil. Sie und ihr Ehemann Rudolf führten den Sonnenberg als erstes Verwalterehepaar von 1966 bis 1983. In einem Interview, das in der Festschrift abgedruckt ist, berichtet die 90-Jährige aus dieser Zeit. Die Familie wohnte im Altersheim und war Tag und Nacht für die Bewohner erreichbar. «Das ganze Familienleben spielte sich dort ab, gegessen wurde mit dem Personal», ist in der Jubiläumsschrift nachzulesen.

Der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz schaute in seiner Rede noch ein bisschen weiter zurück, auf die Zeit vor dem Altersheim, als nicht nur alte, sondern auch renitente Personen in den sogenannten Spittel gesteckt wurden und der Gemeinderat Mittel zur Beseitigung von Bettwanzen zur Verfügung stellen musste.

Die heutigen Zeiten stellen andere Herausforderungen an Alters- und Pflegeinstitutionen. Der Sonnenberg plant einen Neubau und Stiftungsratspräsident Schlör erklärte: «Wir wollen nicht mehr Plätze, aber schönere Zimmer, um den Ansprüchen der Bewohner gerecht zu werden.»

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