Schöftland
Herbstmarkt: Der Chef zieht die Gebühren persönlich ein

Marktchef Roger Maurer zieht während dem Herbstmarkt von Stand zu Stand und zieht die Marktgebühren ein. Das tut er seit elf Jahren mit voller Leidenschaft.

Peter Weingartner
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Marktchef Roger Maurer kennt Marktfahrer und auch die Besucher.

Marktchef Roger Maurer kennt Marktfahrer und auch die Besucher.

Peter Weingartner

«Den Markt musst du leben, auch als Marktchef; das merken die Marktfahrer», sagt Roger Maurer (48). Er ist der Marktchef in Schöftland, und man spürt: Er macht das auch in seinem elften Jahr noch mit ungebrochener Leidenschaft. Sein elftes Jahr ist das 207. Marktjahr von Schöftland.

Hier werden keine Rechnungen für Standgebühren verschickt. Zusammen mit Thomas Kasper ist Maurer am Markttag unterwegs, von Stand zu Stand, um einzukassieren: 10 Franken pro Laufmeter Stand, 5 Franken für die Werbung, welche die Gemeinde für den Markt betreibt: Radio und Zeitung. Und 10 Franken für Strom. 240 Stände. «Da hört man, was gut läuft, was weniger; man kennt sich, ich bin mit fast allen per Du», umschreibt Roger Maurer die Wichtigkeit der persönlichen Präsenz. «Schönen Tag, bis nächsten Frühling», sagt er nach dem Einziehen der Gebühren. Manchmal muss er auch italienisch parlieren. Oder englisch.

An vieles denken

Es gilt an vieles zu denken, damit an beiden Schöftler Warenmärkten im Kalenderjahr – am 1. Mai und am letzten Oktoberwochenende – alles funktioniert. «Zwei Wochen vorher informiere ich die Busbetriebe und die Kehrichtwagen», sagt er. Denn die Dorfstrasse ist am Markt gesperrt. Für die Markierung der Verkehrsumleitungen ist die Feuerwehr besorgt. «Organisieren macht mir Freude», sagt Roger Maurer, gelernter Automechaniker und Maurer. Dass er’s kann, wissen der Motoclub Ruedertal ebenso wie die Jugendfestverantwortlichen zu schätzen.

Beschränkte Standzahl

Im März beginnen die Anmeldungen für den Mai-Markt. «Über 90 Prozent der Marktfahrer kommen seit Jahren und buchen auch gleich für den Herbst», sagt Maurer. Der Schöftler Warenmarkt ist offenbar beliebt. Der Marktchef musste Absagen erteilen: 138 im Mai, 84 für den Herbstmarkt vom letzten Samstag, davon allein 38 Essensstände. «Der Mix muss stimmen», sagt er.

Schöftle sei ein Phänomen, sagten ihm viele Marktfahrer, es habe immer Leute, ob bei Regen, Schnee oder Sonne. «Sehen und gesehen werden, hinauf- und hinunterspazieren», sagt der Marktchef. Nicht unbedingt kaufen: Der Online-Handel mache auch den Märkten Konkurrenz, weiss er.

Noch einen Tag Lunapark

Manche Marktfahrer zögen schlechtes Wetter sogar vor, da kämen die Leute, die etwas Bestimmtes kaufen wollten: Socken, Schirm, Schuhe. Stammplätze sind deshalb wichtig. «Es gibt Marktfahrer, die sind seit Jahrzehnten am gleichen Ort», sagt Roger Maurer, der in Schöftland aufgewachsen ist. Und es gebe auch Plätze – Seitenstrassen – die halt nicht so begehrt sind.

Deutlich weniger stark frequentiert werde in den letzten Jahren der Lunapark, sagt Roger Maurer: «Früher stand er am Wochenende vor dem Markt schon und zwei Tage über den Markt hinaus. Heute reicht der Markttag.»

425 Meter Kabel, 15 Abfallsäcke

Gemeindeeigene Stände aufstellen, 28 Stromkasten mit Kabel – 425 Meter Kabel stellt die Gemeinde zur Verfügung, den Rest bringen die Marktfahrer mit – bereit machen: Das passiert in den zwei Tagen vor dem Markt. «Wenn der Fischknusperli-Stand und der Schoggifrüchtler vom gleichen Kasten Strom nähmen, gäbs Probleme», sagt Maurer. Auch die Entsorgung des Abfalls will überlegt sein. Gelegenheiten bieten. Mit acht grossen Tonnen, die je einen Kubikmeter fassen, und 15 Stationen mit 110-Liter-Säcken werde weniger weggeworfen als früher: «Wenn sie sehen, wo man etwas entsorgen kann, tuns die Leute schon.»

Der Markttag ist ein langer Tag

Während des ganzen Marktes zirkulieren Roger Maurer und Thomas Kasper. Unvorhergesehenes kann immer passieren. Wasser in der Steckdose, wenn es wie dieses Jahr regnet. Maurers Tag beginnt um 3.30 Uhr. Stände richtig positionieren, kontrollieren, dass sich alle Marktfahrer an die gegebenen Markierungen am Boden halten; Neulinge einführen.

Sobald um halb sechs Uhr abends der Markt fertig ist, werden die Stände auf Autos verladen. Drei Männer wischen später die Strassen, auf den Plätzen kommen zwei Männer mit Laubbläsern zum Einsatz, und zwei Personen versorgen den Abfall. «Mit dem geschredderten Material werden zwei 800-Liter-Container gefüllt, von Zuckerwattestäbchen bis zu Bechern und Papierservietten, alles wird weggeräumt», sagt Roger Maurer. In der Nacht auf Sonntag, bis etwa 1 Uhr, wird das Dorf wieder so hergestellt, als ob nie Markt gewesen wäre. Bis zum nächsten Warenmarkt am 1. Mai 2019.