Holziken

Heliport Holziken: Die Zahl der An- und Abflüge am Sonntag ist umstritten

Lukas Fischer im «Rose-Heli».

Lukas Fischer im «Rose-Heli».

Mit dem neuen Betriebsreglement für den Heliport Holziken sind nicht alle zufrieden. Der Regierungsrat, die Gemeinde Holziken und ein Kollektiv zusammengesetzt aus Anwohnern haben nun Stellung genommen.

Der Heliport im Bändli in Holziken ist der einzige im Aargau, der noch in Betrieb ist. Lukas Fischer betreibt dort seine Firma Rose Helicopter AG und bietet private und gewerbliche Sport- und Freizeitflüge in der ganzen Schweiz an. Die Betriebsbewilligung stammt jedoch aus dem Jahr 1976 und muss nun angepasst werden. Vorgaben zum Betrieb, zum Flugplatzperimeter, zur Lärmbelastung, zur Erschliessung und zu Natur und Landschaft sollen geregelt werden. Dieses sogenannte Objektblatt liegt noch bis 1. September zur Information und Mitwirkung öffentlich auf.

Der Regierungsrat nimmt Stellung

Nun haben der Regierungsrat, der Kanton und Anwohner ihre Stellungnahmen abgegeben. Der Heliport sei ursprünglich als Basis für Kontrollflüge für Gas- und Hochspannungsleitungen entstanden, schreibt der Regierungsrat in seiner Stellungnahme an das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Weil sich aber Lukas Fischer angestrengt habe, die Einwirkungen des Flugbetriebs zu reduzieren und sich zu einem rücksichtsvollen Betrieb verpflichtete, hätten die Behördenvertreter das Verbot touristischer Flüge aufgehoben.

Er schreibt aber auch: «Der Standort ist aus Sicht der Raumentwicklung für einen Heliport nicht geeignet.» Dieser liegt nämlich in einer Landschaft von kantonaler Bedeutung. Der Kanton beantragt deshalb, klare Leitplanken zu setzen für den Betrieb des Heliports: «Eine Nutzung des Heliports für Aktivitäten und Veranstaltungen ohne Zusammenhang mit dem Flugbetrieb ist ausgeschlossen.»

Das neue Betriebsreglement sieht auch Änderungen bei der Anzahl An- und Abflüge, genannt Flugbewegungen, vor. Bis jetzt durfte Fischer mit dem Helikopter 1356 Bewegungen im Jahr machen. Neu sollen es 990 sein. Dafür soll die Bewegungsbeschränkung pro Tag heraufgesetzt werden. Künftig sollen an Werktagen acht (vorher vier) Bewegungen und an Sonn- und Feiertagen vier (vorher zwei) Bewegungen erlaubt sein. Die weniger restriktiven Tagesbeschränkungen seien akzeptierbar, schreibt der Regierungsrat. Mit der neuen Regelung an Sonn- und Feiertagen ist er jedoch nicht einverstanden. Er beantragt deshalb: «An Sonn- und Feiertagen dürfen maximal zwei Flugbewegungen durchgeführt werden.»

Die Anwohner sind dagegen

Auch sechs Anwohner des Heliports beziehen Stellung. Sie sagen, dass der Heliport nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck diene und deshalb zweckentfremdet werde. Mit den touristischen Flügen würden völlig neue Ziele verfolgt. Sport- und Freizeitflüge müssten, wie im bestehenden Reglement gefordert, auf Aussenlandestellen erfolgen. «Es ist offensichtlich, dass die 990 möglichen Flugbewegungen zukünftig voll ausgeschöpft werden, was für uns und die Natur eine Verdreifachung der Immissionen bedeutet, wobei realistisch betrachtet ein etwas lauterer oder leiserer Helikopter nur noch einen unbedeutenden Faktor darstellt», sagt Hans-Rudolf Gautschi als Vertreter der Kollektivgemeinschaft.

«Mit der Reduktion auf 990 Flugbewegungen entzieht sich der Betreiber einer aufwendigen und strengen Umweltverträglichkeitsprüfung, denn nur diese könnte den heutigen Umweltbedürfnissen gerecht werden.» Die Anwohner fordern deshalb in ihrer Stellungnahme: «Eine Ausweitung der Flugbewegungen in einem Landschaftsschutzgebiet ist ein Widerspruch und grundsätzlich abzulehnen.»

Dazu sagt Lukas Fischer: «Das stimmt, ab 1000 Bewegungen bräuchte es eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Ich denke aber, dass wir diese jederzeit locker bestehen würden.» Studien belegen laut Fischer, dass sein Helikopter EC 120B fünfmal leiser ist als die herkömmlichen Modelle. Auch die Zweckentfremdung will er nicht auf sich beruhen lassen: «Das mit den Gasleitungen ist schon seit 30 Jahren vorbei.» Er findet es schade, dass in der Stellungnahme der Anwohner die positiven Dinge nicht erwähnt wurden. Beispielsweise, dass er auch die Anflugroute ändern wird und bewohntes Gebiet nur noch gestreift wird.

Die Bemühungen werden geschätzt

Die Gemeinde Holziken schliesst sich in ihrer Stellungnahme mehrheitlich dem Kanton an. Der Gemeinderat schätze die Bemühungen zur Reduktion der anfallenden Immissionen seitens des Heliport-Betreibers. Eine Erweiterung der möglichen Flugbewegungen an Sonn- und Feiertagen unterstützt er nicht. Zudem spricht er sich gegen die Ausführung von Flugmanövern (Schwebeflügen) auf dem Heliport Holziken aus, diese sollten in unbesiedeltem Gebiet ausgeführt werden.

Auch der Natur- und Vogelschutzverein Holziken hat sich zum neuen Betriebsreglement geäussert und steht voll und ganz dahinter. Es bringe in jeglicher Hinsicht eine deutliche Verbesserung für die Natur. «Eine Motorsäge im Wald ist viel lauter», sagt Präsident Simon Lüscher.

Die Nachbarsgemeinde Uerkheim wartet nun die Auflagefrist ab und gibt danach ein Statement ab. Nach der Durchführung der öffentlichen Information und Mitwirkung sowie der Anhörung der Behörden wird das Objektblatt bereinigt. Danach wird es durch den Bundesrat verabschiedet.

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