Menziken
Heimatklänge und urchige Geschichten mit Tinu Heiniger

Der Reformierte Kirchenchor Safenwil tritt zusammen mit dem Wynentaler Chor Allegro und Tinu Heiniger auf. Das musikalische Projekt «Heimat i Lieder u Gschichte» hat die 55 Sängerinnen und Sänger zusammengeführt.

Emiliana Salvisberg
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Tinu Heiniger und Solistin Rahel Spielmann mit dem Reformierten Kirchenchor Safenwil und dem Wynentaler Chor Allegro während der Probe auf der Bühne des Gasthofs Löwen in Safenwil.

Tinu Heiniger und Solistin Rahel Spielmann mit dem Reformierten Kirchenchor Safenwil und dem Wynentaler Chor Allegro während der Probe auf der Bühne des Gasthofs Löwen in Safenwil.

Emiliana Salvisberg

«Wenn ich singe, könnt ihr gerne mitsingen oder summen», fordert Tinu Heiniger die Frauen und Männer auf. Es ist Samstagnachmittag. Im Saal des Gasthofs Löwen in Safenwil probt der Reformierte Kirchenchor mit dem Wynentaler Chor Allegro. Das musikalische Projekt «Heimat i Lieder u Gschichte» hat die 55 Sängerinnen und Sänger zusammengeführt, die zum ersten Mal für dieses Projekt gemeinsam auf der Bühne stehen. Eine Premiere sind die kommenden beiden Konzerte auch für den Mundartsänger Tinu Heiniger.

Angefragt wurde der als Martin Heiniger im Emmental aufgewachsene Liedermacher von der Leiterin der beiden Chöre, Anja Di Grassi. «Sein Buch Mueterland gab den Ausschlag. Zuerst wollte ich, dass Tinu Heiniger daraus selber vorliest. Nun singt, spielt und liest er», sagt sie. Heiniger erzählt im 2012 erschienen Buch Geschichten aus seiner Kindheit im Emmental und den Erlebnissen bis heute. «Die Mischung aus Lesung und Liedern steht für einen abwechslungsreichen, stimmungsvollen Abend», ist Anja Di Grassi überzeugt.

Mit Tinu Heiniger, der seit sieben Jahren in Schöftland wohnt, steht ein Profi im Rampenlicht. Seit über dreissig Jahren ist er musikalisch unterwegs. Tiefgründig sind seine Texte, leicht rau die Stimme. Schlicht, aber faszinierend ist sein Auftritt, präzis die Begleitung auf der Gitarre und virtuos die Einlagen auf der Klarinette oder «Mulgige». Eine Kostprobe gibt der 68-Jährige während der Probe. «Vielen Dank für das Privatkonzert», unterstreicht Anja Di Grassi mit einem Applaus.

Die Freude über die unerwartete Einlage ist auch bei den Chormitgliedern gross. Nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar ist die Begeisterung, Teil des Projekts zu sein. Während der Probe sind alle konzentriert dabei. Der vereinte Chor singt nicht, sondern begibt sich mit Herz und Seele in die Lieder. Ob «Luegit vo Bärge und Tal», das «Guggisbärg Lied» oder «Im Aargau sind zwöi Liebi», Anja Di Grassi und Tinu Heiniger haben unvergängliche Lieder ausgesucht, die seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten berühren und bewegen.

«Der Kirchenchor begibt sich musikalisch auf Abwege. Aber es ist rundum toll und macht viel Freude», sagt Rita Leuenberger, die seit drei Jahren dem Reformierten Kirchenchor als Präsidentin vorsteht. Als Sängerin wirkt die Safenwilerin im aktuell 24 Mitglieder zählenden Chor seit über 20 Jahren mit. Dass die Chöre zusammengefunden haben, ist Anja Di Grassi zu verdanken. Seit acht Jahren dirigiert sie die Safenwiler und vor einem halben Jahr ist der Wynentaler Chor dazugekommen. «Es ist mein erstes Projekt mit dem neuen Chor.» So haben die Sängerinnen und Sänger die letzten sechs Monate für die beiden Auftritte geprobt. «Ich habe eine CD eingespielt, damit sie zu Hause üben konnten», erzählt die 47-Jährige. Sie freut sich, dass nicht nur die beiden Chöre zusammen auftreten, sondern dass auch zwei Konzerte stattfinden.

Die Uraufführung von «Heimat i Lieder u Gschichte» ist diesen Freitag auf der Bühne des Gasthofs Löwen in Safenwil. Wer vor dem Beginn um 20 Uhr etwas essen möchte, kann dies ab 18.30 Uhr tun. Ohne Speis und Trank ist die Aufführung dann am Samstag im reformierten Kirchgemeindehaus in Menziken. «Wir freuen uns alle, dass wir zwei Mal auftreten dürfen», betont Anja Di Grassi. Wer einen Sitzplatz möchte, sollte frühzeitig vor Ort an der Abendkasse sein.

Frisch, witzig und treffend

Und was bedeutet für Tinu Heiniger Heimat? Er nennt die Schweiz, die er auch kritisch betrachtet, Gotthelf-Hörspiele aus seiner Jugendzeit, die Sprache und damit das Berndeutsch und vor allem die Musik. Gekonnt verbindet der Mundart-Liedermacher Heimatklänge mit Jazz, Swing und Blues. Und in seinem breiten Repertoire fehlt auch ein lüpfiger Naturjodel ebenso wenig wie seine frischen, träfen und witzigen Sprüche.

Freitag, 24. Oktober, Gasthof Löwen Safenwil. Samstag, 25. Oktober, ref. Kirchgemeindehaus Menziken. Jeweils 20 Uhr.