Menziken

Heilsarmeeoffizier aus Reinach folgt einem gefährlichen Zickzackfahrer

Nach der Kollision mit einem Lastwagen fuhr das Auto auf den Felgen weiter. Leser Bjørn Marti

Nach der Kollision mit einem Lastwagen fuhr das Auto auf den Felgen weiter. Leser Bjørn Marti

Nicht schlecht gestaunt hat der Reinacher Heilsarmeeoffizier Bjørn Marti, als er kürzlich früh am Morgen auf der Hauptstrasse in Reinach. Er fuhr mit seinem Auto talaufwärts, als ihm ein Personenwagen wegen einer ungewohnten Fahrweise auffiel.

«Das Auto fuhr im Zickzack von einer Strassenseite auf die andere», erzählt Marti. Dabei habe der Fahrer die Randsteine touchiert und die Strasse für sich eingenommen.

Marti erkannte die Gefährlichkeit der Situation und entschloss sich, dem Fahrzeug zu folgen. «Eigentlich wollte ich ihn überholen und anhalten.» Dies sei ihm aber mitten im Dorf und bei der Fahrweise des Vordermannes nicht gelungen.

«Einmal setzte ich zum Überholen an und hupte auf gleicher Höhe.» Der Fahrer habe jedoch nicht reagiert und seine Fahrt fortgesetzt. «Überholen und ausbremsen waren mir zu riskant.

Marti folgte dem Auto quer durch Reinach und Menziken in Richtung Beromünster. Dabei musste er zusehen, wie der Fahrer unterwegs Markierungspfosten wegfegte.

Zwischen Menziken und der Kantonsgrenze vor Beromünster avisierte Marti die Polizei und schilderte die Situation. Die Kantonspolizei Aargau orientierte die Luzerner Polizei, dass in Kürze ein Zickzackfahrer in ihr Hoheitsgebiet einfahre. Die Luzerner hatten kein Streifenfahrzeug in der Nähe, rückten aber aus.

Marti bleibt dran und erschrickt

Bei dieser Fahrweise musste ich mit allem rechnen, sagt Marti. «Der kollidiert noch mit einem Baum», dachte ich. Marti entschloss sich dranzubleiben. Er habe gehupt und geblinkt. Doch der Fahrer zog unbeirrt weiter. Mehr noch, ausgangs Menziken touchierte er leicht einen PW.

Nach der bekannten Wynon-Kurve kam dem Zickzackfahrer ein Lastwagen entgegen. Zum grossen Schreck Martis, wechselte der Mann vor ihm auf die linke Spur.

«Mein Vordermann fuhr frontal auf diesen Lastwagen zu». Dann, im letzten Augenblick habe dieser das Steuer herumgerissen und habe den Lastwagen nur touchiert. «Es gab einen Knall, und Fahrzeugteile flogen auf die Strasse.»

Doch das Auto fuhr weiter in Richtung Dorfeingang. Jetzt gelang es Marti, links aufzuschliessen und auf der Höhe des Autocenters Lustenberger den Fahrer zu überholen und mit Hupen zum Anhalten zu bewegen.

1000 Meter auf den Felgen

«Sein Fahrzeug sah ziemlich mitgenommen aus: Das linke Vorderrad fehlte, der Mann fuhr die letzten 1000 Meer auf der Felge. Die Aussenverschalung der Fahrertür war auch auf der Fahrbahn liegen geblieben.

Marti stieg aus und öffnete beim beschädigten Fahrzeug die Hintertür. Der Autofahrer sei völlig ruhig, etwas desorientiert im Fahrzeug sitzen geblieben und habe ihm auf Aufforderung hin seine Autoschlüssel übergeben. «Der ältere Mann war ansprechbar, wusste aber nicht, was geschehen war». Nach Martis erstem Eindruck, hatte der Mann ein medizinisches Problem.

Wie gefährlich die Situation auch für ihn gewesen war, ist Marti heute bewusst. Sein erster Gedanke sei nur gewesen, diesem Auto zu folgen und es zu stoppen. «Da bist du plötzlich mitten drin und handelst», sagt Marti. Das Überholen und Ausbremsen habe er dann aber ausgeschlossen, das wäre zu riskant gewesen.

Marti, vor seiner Heilsarmee-Ausbildung als Krankenpfleger tätig, verfolgte das Fahrzeug. «So könnte ich wenigstens gleich erste Hilfe leisten, falls es zu einem Unfall kommt», ging mir durch den Kopf.»

In Beromünster stiess eine Patrouille der Luzerner Polizei dazu und sicherte die Fahrzeuge und Spuren, befragte die Zeugen.

Laut des Mediensprechers der Polizei hatte der 69-jährige Unfallfahrer ein Riesenglück gehabt. Nach den Abklärungen der Luzerner Polizei steht als Unfallursache ein gesundheitliches Problem wegen falscher Einnahme von Medikamenten im Vordergrund. Der Sachschaden an den Fahrzeugen beträgt rund 9500 Franken.

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