Die Topfkollekte der Heilsarmee gehört zur Vorweihnachtszeit wie die Zimtsterne. Derzeit formieren sich die Gottesdiener wieder schweizweit in den Gassen und auf den Plätzen mitten im Einkaufsrummel und singen und musizieren für einen guten Zweck – nicht mehr aber vor den Toren von Coop.

Der Grossverteiler hat im Herbst eine neue Regelung erlassen, wonach Standaktionen auf dem Gelände von Coop nicht mehr zulässig sind. Ziel sei es, so heisst es seitens Coop, «bei der Bewilligung von Standaktionen eine einheitliche und gleichberechtigte Handhabung für alle zu haben.»

Weil sich Coop als Unternehmen politisch und religiös neutral verhalten wolle, würden keine Bewilligungen für kantonale oder nationale politische Aktivitäten oder an Vereinigungen mit religiösem Hintergrund mehr erteilt.

Offiziell kommuniziert wurde die neue Weisung nach aussen nicht. Bei Anfragen – und solche gehen bei Coop wie bei Migros in der Vorweihnachtszeit unzählige ein – findet sie einfach Anwendung.

Nicht schlecht gestaunt hat deshalb der Leiter des Heilsarmeekorps Aargau Süd, Bjørn Marti, als er auf seine alljährliche Anfrage für die Topfkollekte im Bärenmarkt Reinach eine Absage erhielt. «Für uns ist das darum schade, weil Reinach kein richtiges Dorfzentrum hat und die Chance im Bärenpark am grössten ist, viele Leute anzutreffen.»

Doch das Wynentaler Korps ist erfinderisch und macht aus der Not eine Tugend: Statt mitten im Dorf sammeln die Salutisten im Recycling-Paradies. Aus dem traditionellen Singen und Musizieren wird allerdings nichts – sogar die kräftigste Stimme würde wohl im allgemeinen Entsorgungskrach untergehen.

Das Heilsarmeekorps Aargau Süd ist nicht das einzig betroffene. Wie viele Gruppen aber nicht am gewohnten Ort singen und sammeln können, weiss Bernhard Wittwer, Leiter der Division Mitte in Bern, nicht. Das Korps in Basel zum Beispiel sei nicht betroffen, weil der Grund und Boden vor dem Coop der Stadt gehöre.

Der Divisionsleiter will heuer keinen Aufstand machen, das sei nicht zielführend. Vielmehr hat er im Sinn, den Dingen jetzt erst mal ihren Lauf zu lassen, sich mit seinen Leuten danach zum Erfahrungsaustausch zu treffen und mit Coop fürs nächste Jahr das Gespräch zu suchen. «Was wir jetzt haben», sagt er, «ist eine emotionale Diskussion. Aber ob es für unser Anliegen ein Nachteil ist, wissen wir noch nicht.» Mit anderen Worten, wird der Topf auch andernorts voll, ist man bei der Heilsarmee zufrieden. Schliesslich gehts um den guten Zweck.

Nicht nur Coop wird in der Vorweihnachtszeit überschwemmt mit Anfragen für Aktionen unterschiedlichster Art. Auch bei Migros kennt man das Problem und auch bei Migros hat man eine entsprechende interne Regelung verabschiedet, wie es auf Anfrage heisst. Migros überlässt die Entscheidung in letzter Instanz aber nach wie vor «dem Ermessen der Filialleitung».