Im Jahre 2008 hat die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit im Auftrag der Heilsarmee Aargau Süd die Studie «SLOW» (Soziale Lücken im Oberwynental) durchgeführt. Die Untersuchung, die in Absprache mit dem Sozialdienst entstand, ergab, dass «die Grundbedürfnisse in der Region ausreichend bis gut versorgt sind.» Aber es tauchten auch Lücken auf, zum Beispiel fehlende Treffpunkte für Jugendliche, eine schlechte Durchmischung in- und ausländischer Jugendlicher oder auch eine ungenügende Unterstützung von Bedürftigen.

Heilsarmeeoffizier Bjørn Marti und die Sozialarbeiterin Cindy Bertschi haben nach der Analyse der Studie drei «Lücken» herausgegriffen. «Dabei legten wir den Fokus auf Lücken, die dem sozialen Engagement der Heilsarmee am nächsten liegen», erklärt Cindy Bertschi. Die Heilsarmee in Reinach habe drei neue soziale Projekte zu den bestehenden hinzugefügt und in die Tat umgesetzt.

Im «Begleiteten Wohnen» bietet die Heilsarmee drei Wohnplätze an für Menschen, die aus verschiedenen Gründen ohne Obdach sind und nun auf dem Weg zurück in geregelte Tagesstrukturen und in die Arbeitswelt sind. «Wir begleiten diese Menschen, unterstützen sie, achten darauf, dass sie klar strukturierte Tage haben», sagt Bertschi. Die Leute bleiben, bis selbstständiges Wohnen wieder möglich ist. «Zwischen sechs Monaten bis zu zwei Jahren», so Bertschi.

Lebensmittelabgabe, ein Erfolg

2009 startete die Heilsarmee ein zweites Projekt, die Lebensmittelabgabe an bedürftige Menschen. Grossverteiler, kleine Läden und Bauern aus der Region übergeben der Heilsarmee Lebensmittel, die in den Läden nicht mehr verkauft werden dürfen, die aber einwandfrei sind und innerhalb der Verbrauchsdaten liegen. «Mit freiwilligen Helfern organisieren wir die Abgabe an zwei Tagen in der Woche», sagt Bertschi. Das Angebot werde sehr gut genutzt. Für Familien und Alleinstehende mit kleinem Budget sei das eine willkommene Entlastung.

Besuchs- und Hilfsdienst

Im Bereich der Freiwilligenarbeit hat Cindy Bertschi einen Besuchs- und Hilfsdienst aufgebaut. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer besuchen auf Wunsch Leute und unterstützen sie zum Teil bei alltäglichen Arbeiten in Haus und Garten, oder fahren sie zum Beispiel mit dem Auto zum Arzt.

Cindy Bertschi hat als Sozialarbeiterin – in ihrem Kerngeschäft – eine Beratungsangebot aufgebaut. Häufig gehe es um soziale Hilfe, Budgetfragen und Schuldensanierungen.

Menschen, die nebst Beratung auch finanzielle Unterstützung brauche, sagt Bertschi, müssen sich zwingend in einen Beratungsprozess begeben. «Unsere Hilfe soll nachhaltig sein und die Leute zurück in die Selbstständigkeit führen», ergänzt Marti.

Das soziale Engagement gehöre zu den Kernaufgaben der Heilsarmee, erklären Marti und Bertschi. «Menschen, die wir beraten und unterstützen, werden aber nicht genötigt, an unserem religiösen Gemeindeleben teilzunehmen, dieses ist schlicht ein zusätzliches Angebot für alle.»

Am Freitagabend haben die Verantwortlichen mit den vielen freiwilligen Helfern, mit Vertretern von Gemeinden und Sozialdienst die Überführung der Projekte in den regulären Betrieb mit einem Fest gefeiert.