Schöftland
«Hegmatte»-Streit könnte die Nutzungsplanung zu Fall bringen

Obwohl nicht Teil der Bau- und Nutzungsordnung, stellt die «Hegmatte» in Schöftland ein heimliches, aber äusserst umkämpftes Traktandum dar.

Flurina Dünki
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Gegner der «Hegmatte»-Überbauungspläne reichten am 22. Oktober eine Gemeindeinitiative ein.

Gegner der «Hegmatte»-Überbauungspläne reichten am 22. Oktober eine Gemeindeinitiative ein.

Zur Verfügung gestellt

Das heisseste Eisen der Schöftler Wintergmeind vom 19. November ist die Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland (BNO). Dies aber nicht, weil es sich dabei um ein Jahrzehnte-Geschäft handelt, sondern weil die neue BNO von vielen Schöftlern geistig mit dem Einzonungsprojekt auf der «Hegmatte» gekoppelt wird. Eine Auffassung, die gemäss dem Gemeinderat nicht richtig ist.

Die Gegner der «Hegmatte»-Überbauung sagen, die zu verabschiedende Nutzungsplanung beinhalte bereits die Grundvoraussetzungen, um in den kommenden Jahrzehnten die neuen Anlagen der WSB (heute Aargau Verkehr) auf dem Hegmatte-Gebiet sowie Wohn- und Gewerbeflächen auf Mühleareal und «Hegmatte» zu errichten. Ihnen geht es darum, ein Exempel zu statuieren.

Die Entwürfe für die neue BNO lagen im Januar und Februar öffentlich auf. Dabei gingen 39 Einwendungen ein, die Resultate der Einwendungsverhandlungen sind in die finale Version eingeflossen. So wurden etwa im Gebiet Hubel teilweise andere Flächen ausgezont, während die Grösse des ausgezonten Gebiets gleich blieb.

Kulturlandverbrauch: Starke Opposition

Obwohl die Einzonung der «Hegmatte» und des Mühleareals kein Traktandum an der Schöftler Wintergmeind ist (über die Richtplanänderung entscheidet zuererst der Grosse Rat), wollen die Gegner der Einzonung eine mögliche Überbauung im Dorf vorgängig zum Gespräch machen. Sie stört, dass die Bevölkerung beim Entscheid, ob wegen der neuen Bahnanlagen die 10 Hektaren Kulturland überbaut werden sollen, bisher nicht mitreden konnten. Ihrer Meinung nach war es nicht richtig, dass sich Aargau Verkehr, der Kanton und der Gemeinderat alleine an den Tisch setzten.

Am 22. Oktober reichten sie deshalb eine Gemeindeinitiative mit 467 Unterschriften ein, mit der sie fordern, dass die «Hegmatte» durch eine sie überlagernde Landschaftsschutzzone vor einer Überbauung geschützt wird. «Die Umzonung und Umnutzung des Mühleareals, die mit der Entwicklung des Areals Hegmatte zusammenhängt, ist trotz der Bedeutung für die Gemeinde nicht Bestandteil der Nutzungsplanungsrevision», schreibt der Gemeinderat in der Botschaft zur Gmeind. «Dieses Gebiet bleibt von der Gesamtrevision Nutzungsplanung ausgeklammert und gelangt als eigenes Projekt zu einem späteren Zeitpunkt zur Abstimmung.»

Moderates Bevölkerungswachstum

Oberstes Ziel ist «die Schaffung von Zukunfts- und Entwicklungsperspektiven für die Gemeinde Schöftland», steht in der gemeinderätlichen Botschaft an die stimmbürger. Siedlungs-, Wohn- und Aufenthaltsqualität sollten gestärkt, die Wirtschaftskraft weiterentwickelt werden. Erreicht werden soll dies mit einem moderaten Wachstum von heute 4300 Einwohnern auf rund 5000 im Jahr 2030.

Der dafür nötige Platz soll hauptsächlich durch Verdichtung gewonnen werden. So werden aus gewissen W2-Zonen neu W3-Zonen oder sogenannte W2N (mit der Möglichkeit zur Nachverdichtung). Von der W2 zur W3-Zone wird etwa das Gebiet Feldackerstrasse/Heimatweg, Buchen-/Sonnenfeldweg und Obstgartenweg. Nachverdichten können etwa die Gebiete Äschermatt/Uf der Höchi und «Drüüstei».

Doch nicht überall soll es dichter werden. An den Hanglagen bleiben einstöckige Wohnzonen erhalten. Während der historische Kern bewahrt wird, darf künftig in der Zentrumszone entlang der Hauptverkehrsachsen mehr gebaut werden. Das Gebiet «Obere Mühle» wird zur Zentrumserweiterungszone gewandelt, dies soll die Entwicklung des Zentrums und den Neubau des Bahnhofgebäudes ermöglichen. Aus mehreren Landwirtschaftszonen werden neu Naturschutzzonen. So die Gebiete Uf em Feld, Schlattengraben, und Beendel.

Laufende Bauprojekte blockiert

Offenbar fürchtet der Gemeinderat, wohl auch wegen des Rummels um die «Hegmatte», das Volk könnte die neue Nutzungsordung bachab schicken. «Viele Bürgerinnen und Bürger sind zufrieden mit dem Status quo und fürchten sich vor Veränderungen», schreibt der Gemeinderat in der Botschaft. Er mahnt jedoch, dass der Standort Schöftland bei der Ablehnung der vorliegenden Nutzungsrevision an Attraktivität verliere.

Denn würde die Gemeinde nicht bevölkerungsmässig wachsen, käme sie auch nicht auf die nötigen Steuereinnahmen und erleide eine starke Schuldenzunahme. «Der Gemeinderat bittet Sie, der Gesamtrevision Nutzungsplanung zuzustimmen», steht in der Botschaft. Ein Nein würde zu einer Blockade in der Gemeinde Schöftland führen. «Laufende und künftige Bauprojekte sind derzeit blockiert, denn sie sind auf eine rechtsgültige Bau- und Nutzungsordnung angewiesen.»

Steuerfuss unverändert bei 97 %

Als weitere Traktanden sind Kreditanträge und das Budget 2019 abzusegnen. Letzteres weist bei unverändertem Steuerfuss von 97 Prozent ein Minus von 249 050 Franken auf. Im Vergleich zum budgetierten Minus 2018 von 128 000 Franken erwartet der Gemeinderat im kommenden Jahr also ein um 121 050 Franken schlechteres Ergebnis.

Der teuerste der drei zu genehmigenden Verpflichtungskredite betrifft die Kanalisationssanierung unter der Holzikerstrasse. Für 1,3 Millionen Franken sollen die Kanalisationsleitungen auf einem Strassenabschnitt ersetzt bzw. vergrössert werden. «Gemäss dem generellen Entwässerungsplan GEP sind die Kanalisationsleitungen in der Holzikerstrasse überlastet», schreibt der Gemeinderat in der Botschaft zur Gemeindeversammlung. Die Kanalisationsarbeiten in der Holzikerstrasse sollen als Vorarbeiten für die späteren Werkleitungssanierungen an der Aarauerstrasse dienen. Mit der Sanierung sei gewährleistet, so die Botschaft, dass die Kanalisationssanierung in der Aarauerstrasse später technisch und hydraulisch fachgerecht ausgeführt werden könne. Von den Auswirkungen der Baustelle in der Holzikerstrasse – eine wichtige Verbindung zur Suhrentalstrasse – werden viele Leute über längere Zeit betroffen sein.

Neuen Chindsgi projektieren

320 000 Franken sollen die Stimmbürger für die Projektierung eines Neubaus des Kindergartens mit vier Abteilungen sprechen. «Bei den bestehenden Gebäulichkeiten ‹Dorf› und ‹Schützenmattweg› stehen massive Unterhalts- und Instandstellungsarbeiten an», heisst es in der Botschaft. Es würde an Räumen fehlen, die zu einem zeitgemässen Kindergartenbetrieb gehörten, zudem entsprächen Grösse und Ausstattung der bestehenden Räume nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der Neubau ist am Standort des heutigen Kindergartens Dorf vorgesehen.

Schliesslich wird für ein neues Pikettfahrzeug der Regiowehr Suhrental 481 000 Franken beantragt. Es soll das bisherige ersetzen, das bereits 27 Jahre alt ist. Schon 2022 würde es unter die Kategorie «Oldtimer» fallen.