Reinach
«Haus Turmalin»: Erwartungen waren zu optimistisch

Das «Haus Turmalin» für junge Erwachsene mit Behinderungen ist nicht mehr bewohnt, die Stiftung ging in Konkurs und die Liegenschaft steht zum Verkauf.

Peter Siegrist
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Das Haus Turmalin

Das Haus Turmalin

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Vor einem Jahr sagte die Leiterin Dorothee Buchmüller: «Meine Gäste im Wohnhaus sind jung, leben mit einer körperlichen Behinderung und sind geistig fit.» Dorothee Buchmüller hatte aus der Überzeugung, dass es Plätze braucht für junge Leute ab 18 Jahren, die Stiftung Haus Turmalin gegründet und das Wohnhaus an der Aargauerstrasse behindertengerecht umgebaut. Sie stellte Pflegepersonal ein und nahm im Juni die ersten Bewohnerinnen auf.

Der Bedarf für Wohnplätze sei ausgewiesen gewesen, sagt Buchmüller, aus den Kantonen Aargau und Luzern hatten sie Anfragen erreicht.

Eine Schwierigkeit zeichnete sich allerdings bald einmal ab. Der Kanton Aargau setzte die kleine Institution nicht wie erhofft auf die Heimliste. Es kam also nicht zum Abschluss einer Leistungsvereinbarung.

«Der Aargau unterstützt eher die grossen Häuser», sagt Buchmüller und erwähnt, dass sie im Vorfeld allerdings mit der Zeka, die in Dättwil ein Wohnheim betreibt, Kontakt hatte. Die Zeka beherberge junge Leute, die sich selber eine Tagesstruktur geben könnten. «In Reinach boten wir Plätze an für junge Menschen, die weniger selbstständig sind, die mehr Betreuung und Pflege brauchen.»

Regionales Handeln schwierig

Das Gesundheitswesen ist kantonal geregelt und da bestehen zwischen den Kantonen Aargau und Luzern Unterschiede. Während der Aargau keinen Bedarf an Plätzen erkannte und deshalb keine Beiträge zahlte, erwähnten die Luzerner bei ihnen 70 fehlende Plätze. Sie unterstützten das Haus Turmalin, in dem sie für eine Bewohnerin aus Luzern die entsprechenden Beiträge sprachen. «Ohne Kantonsbeiträge ist es für eine Familie nicht möglich, einen externen Aufenthalt zu finanzieren. Im letzten Sommer hatte Dorothee Buchmüller damit gerechnet, dass es mit dem Kanton Aargau zu einer Vereinbarung kommen werde und dass sie Bewohner aus dem Kanton Luzern aufnehmen könne. Auch die Gemeinde Reinach habe sie unterstützt, wofür sie dankbar sei.

Heute sagt Dorothee Buchmüller selber, dass sie wohl etwas zu optimistisch gewesen sei, als sie mit dem Unternehmen startete, obwohl noch wichtige Zusagen fehlten.

Konkurs war nicht abzuwenden

Der hohe Betreuungsbedarf der aufgenommenen Bewohnerinnen brachte hohe Personalkosten mit sich, und da ging in diesem Frühjahr die Rechnung nicht mehr auf. Die Stiftung musste die Bilanz deponieren und den Konkurs anmelden.

Buchmüller, die viel Geld in das Projekt ihres Herzen gesteckt hat, hofft jetzt, das Haus verkaufen zu können. «Vom Ausbau her ist das Gebäude gut geeignet für eine Wohngruppe mit körperlich behinderten Menschen», sagt sie.

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