«Da hats ja Hosen!», sagt eine Frau, «wie kann man die vergessen?» Einige Gegenstände, die am Samstag vor dem Schöftler Bahnhof, wo Fundgegenstände aus dem Tram und den Bussen der Region verkauft werden, regen die Fantasie an. «Das sind die interessanten Geschichten», lacht die Frau.

Verkauf nach einem Jahr

Patrick Dätwyler, Präsident des Sportvereins AAR Bus und Bahn, schätzt die Plattform, die der Schöftler Märt bietet. «Die nicht abgeholten Fundgegenstände lagern ein Jahr im Hauptlager in Aarau, bevor sie jeweils im Frühling und im Herbst, wenn in Schöftland Markt ist, feilgeboten werden», sagt er. Was übrig bleibt, übernimmt der Gemeinnützige Frauenverein Schöftland.

Die erfahrenen Schnäppchenjäger sind bereits um 8 Uhr vor Ort; dabei gehts erst um 8.30 Uhr los. «Es ist immer interessant», sagt Stefan Zanghellini. Vor zwei Jahren hat er hier für seinen Junior einen I-Pod erstanden, für 15 Franken. Dass die schönsten Sachen früh weggehen, ist verständlich. Man staunt: Da hängen edle Vestons, eine Helly-Hansen-Jacke, Kindermäntel.

Knirpse und Mützen

Der Klassiker ist der Knirps. «Wir haben einige Hundert», sagt Dätwyler. Nicht alle haben gleichzeitig Platz auf den Tischen. Obwohl sie geprüft worden sind, öffnen die Kunden den Schirm.

Einen gibts für drei Franken; wer drei nimmt, bezahlt sechs Franken. Karoline Wisler kauft gleich vier, bevor sie ins Alterszentrum geht und mit Bewohnern im Rollstuhl einen Marktrundgang macht.

Wühlen ist erlaubt und und diese Möglichkeit wird auch rege genutzt, vorab bei den Handschuhen. Auf die Gefahr hin, dass aus einem Paar zwei Singles werden. Roland Hunziker verkauft diese Teile.

«Letztes Jahr hatten wir einen Arztkittel», sagt er und setzt sich eine Mütze mit Hasenohren auf. Ein breites Angebot auch hier. So hat ein Soldat offenbar sein Beret im Zug vergessen. In den fünf Kartons mit Mützen finden sich unterschiedlichste Exemplare.

Ein Mann macht ein Selfie mit einem Strohhut. Den ersteht sich wenig später ein älterer Mann mit Stumpen für zwei Franken, derweil der Selfie-Mann bei der Versteigerung von Smartphone, Natel, Kamera und Co. mitbietet.

Smartphones und Kickboards

Um zehn Uhr tritt Gantrufer Thomas Steiner in Aktion. Eine gute Handvoll Mobiltelefone kommen unter den Hammer. Ein schwarzes Samsung Galaxy S5 wechselt für 140 Franken den Besitzer.

«Wir haben zu eruieren versucht, wem sie gehören», sagt Dätwyler. Inhalte seien gelöscht worden; das Gerät kommt mit den Werkseinstellungen in neue Hände und an neue Ohren. Auch ein Damenvelo ist offenbar vergessen worden. Dätwyler staunt überhaupt: Da werden 200-fränkige Jacken einfach abgeschrieben.

Für junge Familien ist der Fundgegenstandverkauf Gelegenheit, günstig zu Kleidern, Spielsachen oder Rollbrettern und Kickboards zu kommen. Noah Stocker bekommt für einen Fünfliber einen Sack mit zwei Hockeyschlägern. Einem Mädchen hats eine Kette angetan. Der Vater versucht abzuwiegeln, kapituliert jedoch bald und zückt das Portemonnaie. Kleiner Preis für kleine Freuden.

Flohmarkt-Atmosphäre

Wen wunderts? Auch Bücher werden liegengelassen, darunter viele Biografien: von Kohl bis Becker, von Liszt bis Grönemeyer. Zufall? Auch «Ein hinreissender Schrotthändler» von Arnold Stadler liegt da, neben einer Bibel.

Und CDs, DVDs, Kuscheltiere, Sonnenbrillen, Velohelme, Wanderstöcke, Turnschuhe, Schals, Taschen aller Art von Rucksack bis Laptop-Behältnis. Was man eben so vergessen kann in Zug oder Bus. «Kauf doch noch eine Tasche!», ruft eine Jugendliche ihrer Mutter zu. Damit man die anderen Schnäppchen bequem nach Hause tragen kann.

Die Verkäufer wärmen sich mit geistreichem Kaffee aus dem Jodlerstübli im Bahnhofsgebäude auf, und noch immer und wohl für ewig ungelöst bleibt die Frage, auf welchen Wegen die Hose zu den Fundgegenständen gefunden hat und in welcher Aufmachung der Besitzer dieser Hose das öffentliche Verkehrsmittel verlassen haben mag.